Seit gestern also sind wir wieder am See Genezareth, diesem, für mich als Christ durch viele Bibelstellen, so bekannten Gewässer im Norden von Israel. Ich habe ja an verschiedenen Stellen in meinem Blog auch schon über den See und insbesondere über die Situation des Wasserstandes berichtet. Heute nun erfuhren wir von unserem Reiseguide Michal ,dass dank der vielen Regenfälle in den vergangenen Wintermonaten, der Wasserspiegel um fast 2 m gestiegen ist. Für das fast 21 km langen und an der breitesten Stelle fast 11 Km breite Gewässer also ein enormer Zuwachs in relativ kurzer Zeit. Die schon oft beschriebene Gefahr, dass der See wegen Unterschreiten der „roten Linie“ „umschlägt“ und  aus dem großen Süßwasserreservat ein riesiger Salzsee wird, konnte erst einmal abgewendet werden.

Um so „andächtiger“ hat die Gruppe den Ausflug mit dem kleinen Holzboot auf dem See, am frühen Morgen genossen. Wenn der Schiffer dann noch seinen Motor ausstellt konnte Jeder und Jede seinen Gedanken nachsinnen und, was hier in diesem Lande so selten ist zur Ruhe kommen.

die Nachfolger der Apostel?

Wie üblich sind wir nach dieser besinnlichen Stunde auf den Golan gefahren um dort im „Drei-Ländereck“ zu den Drusen, ganz nahe an die syrische Grenze zu fahren.

Mit den syrischen Golanhöhen eroberte Israel 1967 auch fünf drusische Dörfer. Insgesamt leben hier etwa 20.000 Menschen, genau soviel jüdische Israelis haben sich seit der Besetzung angesiedelt. Seit 2003 hat sich in Majdal Shams, in einem der Dörfer eine Menschenrechtsgruppe Al Marsad gegründet. Wir sprachen heute mit einem der Vertreter dieser Gruppe, die u.a. auch vom deutschen kirchlichen Hilfswerk Misereor unterstützt wird.

Majdal Shams

Wir erfuhren, dass die meisten der Golan-Drusen die israelische Staatsbürgerschaft trotz erheblichem Druck nicht angenommen haben. Hier in Maidal Shams haben von den mehr als 5.000 Einwohnern nur 12 Personen die israelische Staatsbürgerschaft. Die Menschen hier fühlen sich als Syrer, leben seit 50 Jahren in einem Provisorium, halten Kontakt nach Syrien und protestieren gegen die Besatzung. Der Bürgerkrieg im Nachbarland hat aber ihr Grundgefühl Syrer zu sein nicht verändert. Natürlich sind sie derzeit froh  in einem friedlichen Land zu leben, hier gut versorgt zu sein. Wenn aber in Syrien es wieder Frieden gibt wollen sie wieder mit ihren Landsleuten (darunter sehr viele Drusen) verbunden sein.

der schneebedeckte Hermon des höchster Gipfel (2224m) in Syrien liegt

Am Nachmittag haben wir, wie schon sooft den Benediktinern in Tabga am See einen Besuch abgestattet. Pater Jonas erzählte die Geschichte der Kirche und des Klosters, erzählte aber auch seine persönliche Geschichte, wie es kam, dass er als „Weltpriester“ der lange Jahre in einer Gemeinde in Deutschland gewirkt hatte, vor 19 Jahren zu den Benediktinern und hier ins „Heilige Land“ gekommen ist.

Er zitierte als ausschlaggebenden Grund den bekannten Spruch von Nelly Sachs:

„Alles beginnt mit der Sehnsucht“

Tageszitat aus „Recht ströme wie Wasser“

1948: Damals dachten wir nicht, dass so etwas wie ein palästinensisches Volk existiert. Für uns gab es nur Araber, und diese Araber verfügten über ein riesiges Gebiet, und die Briten, dachten wir, würden niemand unrecht tun, wenn sie bei den Verhandlungen über das Ende des Mandats über Palästina und Transjordanien einen Teil des ihrer Vormundschaft anvertrauten Landes diesen unglücklichen Juden überließen.   (Stèphane Hessel)