Es ist Sonntag in Jerusalem. Wie immer feiern die Benediktiner eine festliche Messe.

Es ist auch immer wieder schön die wunderbar abgestimmten Glocken der Dormitio Kirche zu hören, eine willkommene „Abwechslung“ zu den doch vorherrschenden Rufen der Muezzin in den vielen Moschen.

der Glockenturm der Dormitio-Abtei

Heute hatte ich mich mit Michal verabredet, eine Jüdin, geboren in der Schweiz, seit vielen Jahren in Israel zu Hause. Seit Jahren begleitet sie als kundige Reiseleiterin meine Begegnungsreisen in der Israel-Region. Bekanntermaßen dürfen die Reiseleiter immer nur in Israel bzw. in Palästina führen. Sie bestätigte mir im Gespräch, dass was ich ja schon selbst wahrgenommen habe: Die Massen von Touristen, selbst jetzt in der 2. Hälfte vom November. Noch nie waren im Oktober so viel Touristen in Jerusalem, wie 2018. Michal meint dazu, man müsse sich von Seiten der Verantwortlichen Gedanken machen wie mit solchen Touristenströmen“ umgegangen werden muss. Es steht die Frage im Raum, ob nicht auch in kirchlichen Gebäuden ein Besuch nur nach Anmeldung möglich ist. Derzeit sind die Wartezeiten in der Geburtskirche in Bethlehem,  bis man die Geburtsgrotte erreicht hat, mehr als 2 Stunden.

die frisch renovierte „Außenhaut“ der Geburtskirche

Schon vor einigen Tagen habe ich mich in Jerusalem umgeschaut wo sich denn die seit Mai installierte US-Botschaft befindet. Die Leserschaft wird sich erinnern, welche große Aufregung (und das ist noch milde ausgedrückt) die Ankündigung vor fast genau einem Jahr bei den Palästinensern ausgelöst hatte, das die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt werden soll.

Zu Eröffnung der Botschaft am 15. Mai 2018 berichtete die „Zeit“ u.a.
„Der Status von Jerusalem ist eine der heikelsten Fragen im Nahostkonflikt. Israel hatte den Ostteil samt der historischen Altstadt im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 annektiert. Die Vereinten Nationen erkennen die Annexion aber nicht an. Israel betrachtet ganz Jerusalem als seine „unteilbare“ Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen Ost-Jerusalem als künftige Hauptstadt des von ihnen angestrebten eigenen Staates. Internationaler Konsens war bisher, dass der Status von Jerusalem in einem Friedensabkommen mit den Palästinensern festgelegt werden soll.

Die Eröffnung der Botschaft findet am gleichen Tag statt, an dem Israel sein 70-jähriges Bestehen feiert. Am Dienstag jährt sich zudem zum 70. Mal die Nakba (deutsch: Katastrophe oder Unglück). An diesem Tag erinnern Palästinenserinnen und Palästinenser an die Vertreibung und Flucht von rund 760.000 Menschen, die 1948 auf die Gründung des Staats Israel folgten.“ Der ganze Beitrag der Zeit ist hier zu lesen.
Im April, bei meinem letzten Besuch in der Region, dachte ich noch, die Botschaft würde in dem Gebäude des Generalkonsulat „untergebracht“ werden. Aber ich hatte mich getäuscht. Das Konsulat liegt in West-Jerusalem. Die neueingerichtete Botschaft aber liegt auf der sogenannten grünen Linie und im Niemandsland. Die grüne Linie war bis zum Sechstagekrieg 1967 ein Teil der Außengrenzen Israels. Das Niemandsland erstreckte sich zwischen West- und Ostjerusalem: vom Scopusberg (nahe dem Ölberg) über einen schmalen Streifen im Norden und einen etwas breiteren im Süden der Altstadt, es wurde von Jordanien und Israel gleichermaßen beansprucht. Damit liegt zumindest ein Teil der neuen US-Botschaft auf einem Gelände, das von den UN und den meisten Staaten der Welt als von Israel besetztes Gebiet betrachtet wird.

gediegene Wohngegend

So kommt auch die Info bei Google-Map verständlich, wenn man die Adresse der Botschaft eingibt: David FlusserStraße eingibt. Das Navigationssystem informiert, dass der Weg „möglicherweise über die Landesgrenze führt“ Schon interessant, dass bei Google scheinbar das Völkerrecht noch gilt. Ich habe mich von der Dormitio (die übrigens auch in dem besagten „Niemandsland“ liegt) zu Fuß auf den Weg gemacht. Google-Maps hatte etwas mehr als 3 km Wegstrecke angegeben. Schon bald sah ich das erste Hinweisschild zur US-Embassy. Das Botschaftsgebäude befindet sich in einem (bisher ruhigen), abseits gelegenen Wohnviertel, mit schönen, sandfarbenen Bungalows und Reihenhäusern. Eine Petition einiger Anwohner gegen die Verlegung der Botschaft in ihr Wohnviertel, weil man Verkehr und auch Sperrungen (bei Staatsbesuchen) befürchtete, wurde aber vom höchsten israelischen Gericht abgelehnt.

Als ich dort war kamen auch schon einige Touristenbusse vorgefahren. Sicherlich für manche Jerusalembesucher ein weiteres Highlight (zum abhaken…)

die Touristen kommen auch schon

Dort wo sich das gebäude der Botschaft steht, befindet sich auch das nach 1967 eröffnete Hotel „Diplomat“. Es ist seit Jahren eine Seniorenresidenz, 450 vor allem aus Russland stammende ältere Menschen leben hier. Sie werden innerhalb der nächsten zwei Jahre ihr Heim verlieren. Denn das israelische Einwanderungsministerium, das die Wohnstätte betreibt, musste sich zur Räumung verpflichten, um Platz zu schaffen für das Botschaftspersonal……