Gestern bin ich mit Anja nach Nablus gefahren. Sie hatte dort einen Termin wegen der „Familienzusammenführung“ In Palästina. Doch dieser Vorgang ist ein ganz anderes Thema. Anja kommt aus Moers, ist mit einem palästinensischen Arzt verheiratet und lebt derzeit mit ihrem Sohn Karim, der auch die pal. Staatsbürgerschaft besitzt, für ein halbes Jahr in Beit Jala. Siehe auch den „Gastbeitrag“ von Karim in diesem Blog vom April diesen Jahres. Karim geht in dieser Zeit hier auf die christliche Schule Talta Kumi. Hier soll er vor allem seine arabischen Sprachkenntnisse verbessern, aber auch mehr über das Heimatland seines Vaters Emad erfahren.

durch die judäische Wüste

durch die judäische Wüste

Gerne habe ich der Bitte von Anja entsprochen sie auf der doch – für hiesige Verhältnisse- langen Fahrt nach Nablus zu begleiten. Ich kennen Menschen aus Bethlehem die waren in ihrem Leben noch nie, oder nur ein oder zweimal im Norden ihres Landes. Die Fahrstrecke von Beit Jala nach Nablus beträgt etwa 80 km normaler weise muss man eine Fahrtzeit von etwa 1 ½ Std. einkalkulieren. Leider kann man mit einem pal. Nummernschild (Anja hat einen pal. Leihwagen) nicht die etwas kürzere und von den Straßenverhältnissen etwas einfachere Strecke durch Jerusalem nehmen. Die Strecke für alle Palästinenser die vom Süden in den Norden Palästinas wollen führt am Rande Jerusalems durch ein tiefes Tal in der judäischen Wüste hinein, auf dem Weg nach Jericho. Etwa 20 km vor Jericho (240 m unter dem Meeresspiegel) geht es wieder hinauf nach Ramallah und dann weiter nach Nablus.

Hier weitere Berichte aus meinem Blog zu Nablus

Olivenbäume soweit das Auge reicht

Olivenbäume soweit das Auge reicht

Auf der gut ausgebauten Straße 60, auf der auch die israelischen Siedler fahren, ging es dann zügig weiter bis nach Nablus. Unterwegs konnte man rechts und links der Straße geschätzte „Hundert-Tausende“ Olivenbäume sehen. Vereinzelt sahen wir Menschen in größeren Gruppen bei der Ernte. Wir fragten uns, ob wirklich alle diese unglaublich vielen Olivenbäume geerntet werden. Ich will dies auch in den nächsten Wochen in Erfahrung bringen, und ja auch selbst meinen „aktiven“ Beitrag zur Ernte leisten.

In Nablus angekommen fanden wir gleich eine Parkmöglichkeit mit einer Parkuhr (!). Wir wissen nicht ob die einheimischen die Parkuhr „bedienen“ „Politessen“ haben wir keine gesichtet. Wir haben jedenfalls bezahlt: für eine halbe Stunde 1 Schekel, etwa 20 Cent…..

Knafeh:  Zum Schluss das Zuckerwasser

Knafeh: Zum Schluss das Zuckerwasser

Da der Mann, mit dem Anja verabredet war, noch in Jerusalem weilte haben wir uns in dem wirklich sehenswerten Souk der Altstadt von Nablus umgeschaut. Bereits letzte vorletzte Woche sind wir mit der Gruppe hier durch geschlendert, wollten vor allem den berühmtesten Knafeh-„Bäcker“ von Nablus finden was uns damals nicht gelungen ist. Heute mit Hilfe von Anja die Dank eines arabisch Kurses sich schon gut mit Fragen verständigen kann, haben wir die „berühmteste und beliebteste aller Knafeh-Bäcker in Palästina gefunden: die Al Aqsa Knafeh von Nablus.

Teignudeln

Teignudeln

Hier stehen und sitzen die Menschen und großen Gruppen und essen die heiße und süße Köstlichkeit. Knafeh schmeckt süß, aber nicht so süß wie wir es z. B. von den türkischen Süßspeisen, die ja oft sehr Fett/Oel-haltig sind, kennen. Auf in Butter/Öl vermengten Teignudeln kommt ein spezieller rot gefärbter Zucker, darüber dann der Ziegenkäse (man kann wohl auch Mozarella nehmen) Das ganze wird dann erhitzt bis der Käse schmilzt. Zum Schluss wird das Blech gedreht, es kommt noch Zuckerwasser drauf und die Knafeh ist fertig. Her könnt ihr Euch den Vorgang in einem Film ansehen die Menschen.

Knafeh Nablus: http://www.youtube.com/watch?v=m76rMMF-eTM

 

Nachdem wir uns an der Leckerei „gelabt“ hatten, (der Preis für eine Portion sagenhafte 4 Schekel) und auch für Karim, der in der Schule war, Knafeh „To go“ einpacken ließen, haben wir uns in ein großes Verwaltungsgebäude begeben wo Anja wegen Ihrer Familienangelegenheit erfolgreiche Gespräche führte.

So gegen viertel vor zwei wollten wir die Rückreise antreten…Leider sprang der Motor des Fiat-Pinto nicht an. Dank „Starthilfe durch Männer der nahegelegenen Polizeistation konnten wir die Rückfahrt doch beginnen. Leider kamen wir nicht soweit, einige Kilometer außerhalb von Nablus begann der Motor zu ruckeln, alle Lampen am

"Starthife"  auf der Straße 60

„Starthife“
auf der Straße 60

Armaturenbrett leuchteten auf und wir mussten auf der sehr belebten Straße 60 eine Zwangspause einlegen. Anja sprach mit dem Autovermieter, der zusagte mit einem Ersatzauto zu kommen. Leider dauerte es von unserem ersten Anruf fast 3 Stunden bis auch wirklich der neue Wagen eintraf. In der Zwischenzeit kamen viele hilfsbereite Palästinenser die uns anboten den Schaden zu beheben. Allerdings wollte alle das wir in ihre Werkstatt kommen….Zum Schluss kam auch ein Siedler, der uns als „nicht“ Palästinenser erkannt hatte und seine Hilfe anbot.

Gegen 21.00 Uhr waren wir dann mit einen neuen Cevrolet in Beit jala angekommen.