Heute bin ich wirklich angekommen in Jerusalem, genauer gesagt in der Altstadt.

In meinem Reiseführer heißt es: Die Altstadt ist ein einziges Abenteuer der Sinneseindrücke, eine Schaubühne der Religionen und Rassen, eine Lebensgemeinschaft unterschiedlichster Menschen verschiedenster Herkunft auf engstem Raum. Diese Quadratmeile von alten und uralten Häusern, Palästen, Kirchen, Synagogen, Moscheen und Klöstern wird von einem unentwirrbaren Knäuel von Gassen und schmalen Sträßlein durchzogen (aus: Palästina-Reisen zu den Menschen, Know-How-Verlag).

am Damaskustor: palästinensische Frauen bieten frische Ware aus der Umgebung an.

am Damaskustor: palästinensische Frauen (und ein Mann 🙂 ) bieten frische Ware aus der Umgebung an.

Und dennoch ist diese Altstadt nicht zu vergleichen mit den Souks in Kairo, Marrakech oder selbst im palästinensischen Nablus. Hier ist alles etwas sauberer und ruhiger.

Dennoch, wenn man durch die Gassen bummelt (mittlerweile kenne ich mich auch gut aus und verlaufe mich nicht mehr) ist es etwas besonderes. Da ist zum Einen die Nähe

das "christliche Heiligtum": die Grabeskirche

das „christliche Heiligtum“: die Grabeskirche

zu drei besonderen Orten der drei großen Weltreligionen: die Grabeskirche, der Tempelplatz mit dem Felsendom und der Al Aqsa-Moschee und die West(Klage-)mauer. Das besondere Gefühl hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Jerusalemer Altstadt in vier Quartiere aufgeteilt ist: das muslimische ist das Größte, das jüdische das sauberste. Die beiden anderen Viertel sind das christliche und das armenische. Zwar sind die Übergänge von einem zum anderen Quartier fließend, aber jedes Quartier hat schon seine besondere Prägung. Der Unterschied zwischen dem Muslimischen und dem jüdischen ist am Größten noch….
Womit ich bei dem Problem bin, dass den ganzen Ostteil der Stadt „beschäftigt“, oder um es krasser auszudrücken sich zu einem „Pulverfass“ entwickelt.

wie eine "Trutzburg" ein jüdisches Haus mitten im muslimischen Viertel

wie eine „Trutzburg“ ein jüdisches Haus mitten im muslimischen Viertel

Ich hatte über diese Situation der „Übernahme“ von Häusern der Palästinenser durch Juden schon mehrfach berichtet, zuletzt am 28. Oktober 2014. Auch heute vielen sie mir wieder ins Auge, die mit israelischen Fahnen provozierend beflaggten Häuser, mitten im muslimischen Viertel der Altstadt. Meist mit Kameras bewacht, mit Stacheldraht verrammelt und in der Regel mit bewaffneten Wachen vor der Türe und auf der Dachterrasse. Der aufmerksame und empfindsame Besucher spürt schon beim Vorbeigehen großes Unbehagen.

Ein gutes Gefühl hatte ich bei meinem „Antrittsbesuch“ bei Georg Röwekamp dem neuen Repräsentanten des Deutschen Verein vom Heiligen Land (DVHL) in Jerusalem. Er hat zu 1. März Bernd Mussinghof abgelöst mit dem ich in den letzten Jahren häufiger- besonders im Zusammenhang mit Fragen/Themen rund um das „Tent of Nations“- Kontakt hatte.

Der DVHL betreut fünf eigene Liegenschaften, darunter die Brotvermehrungskirche und das Gästehaus in Tabgha, die Schmidt-Schule mit dem Paulus-Haus in Jerusalem und die Dormitio-Abtei mit ihrem theologischen Studienjahr. Der Verein engagiert sich im Bildungs- und im karitativen Bereich. Zu seinen Hauptaufgaben gehört außerdem die Organisation und Durchführung von Pilgerreisen, aber auch die Arbeit von Freiwilligen (Volontären) in verschiedenen Einrichtungen in Israel und Palästina. Durch den DVHL kamen in den letzten Jahren immer wieder junge Volontäre für jeweils ein Jahr auf den Weinberg der Familie Nassar. Mit dem 2002 eingerichteten Büro des DVHL in Jerusalem ist es das einzige deutsche katholische Hilfswerk mit festen örtlichen Strukturen im Nahen Osten. (http://www.dvhl.de)