Viele der Leser meines Blogs werden sich erinnern: im Herbst 2015 bin ich sieben Etappen des Abraham Pfades in Palästina gegangen: von Rumanah im Norden bis Nablus und zwei Etappen im Jordantal: von Auja bis Jericho und rund um das St. Georgs-Kloster im Wadi Kelt. Insgesamt ist der Abrahams Pfad in der Westbank 321 Kilometer und geht bis nach Hebron, wo Abraham mit seinen Söhnen Jakob und Isaak nebst seinen Frauen begraben ist.

Nachdem ich gestern schon mal ein Stück der Etappe von Bethlehem nach Tekoa bis ins Artas-Tal mit seinem schönen katholischen Kloster “zum Verschlossen Garten“ gegangen war, wollte ich heute die Wüstenetappe vom Ma Saba-Kloster zu der in der Nähe von Jericho gelegenen mamlukischen Moschee Nabi Mussa gehen. Hier ist eine Übersicht zum Abrahams Pfad. Auf dem Weg haben mich Anja, Karim und Emad begleitet.

das schöne Kidron-Tal mit schmutzigen Wasser

Insgesamt ist der Weg 19 km lang, auf Anraten unseres Guides haben wir eine etwas kürzere Strecke genommen. Das Wetter heute war für eine (Stein-)Wüstenwanderung genau richtig. Es waren 18 °C vorausgesagt und es wehte ein kräftiger (und kühlender) Wind. Vom Kloster Ma Saba sind wir erst auf der Höhe entlang des von Jerusalem kommenden Kidrontales gefolgt. Hier fließen in 150 Meter Tiefe die schmutzigen und ungeklärten Wasser der Gemeinden Bethlehem und Beit Sahur sowie zahlreicher israelischer Siedlungen. Entsprechend kommt aus dem Tal eine nicht immer angenehm riechende Luft. Die steilen Felsen, die senkrecht abfallen sind für den Betrachter schon sehr imposant.
Schon bald kamen wir an den ersten Beduinencamps vorbei. Sie leben hier seit Hunderten von Jahren unter einfachen Verhältnissen. Sie haben Ziegen und auch Hühner, stellen Handarbeiten zum Verkauf her. Wie alle Beduinen im Westjordanland sind sie der israelischen Militärverwaltung ein Dorn im Auge. Oft werden ihre einfachen Behausungen zerstört, aber sie bauen sie wieder auf.

Schon bald sollten wir merken, dass noch immer die jüdische Pessach-Woche andauert, also heute am Freitag ein Feiertag ist und die Menschen zum Ausflug ruft. Das ganze Gebiet der Jerusalemer-Wüste ist durchzogen von Pisten auf denen 4-Radfahrzeuge auf „Abenteuer-Tour“ gehen können. So war es auch heute, überall führen die schweren Autos, auch Motorräder und verdarben uns so ein wenig das Gefühl der Wüste, wo man ja Stille erwartet und Menschenleere. Es war schon etwas bizarr, dort die Ziegenherde mit dem jungen Beduinen auf dem Esel, da die „wilde Horde“ der 4-Rad-Fahrzeuge. Der junge Beduine machte aus der „Not eine Tugend“, ließ die Kinder auf dem Esel eine Runde drehen und verdiente sich damit ein paar Schekel.

In einem großen Bogen kamen wir wieder zum Ma Saba-Kloster, dieses der Blick von der anderen Seite über das Kidron-Tal. Ein wirklich berauschender Anblick bot sich uns. Unser Guide machte uns auf unscheinbar aussehende Raupen aufmerksam, die in einem Kokon ähnlich eines kleinen Tannenzweiges sich versteckt hatten und jetzt irgendwann als Schmetterlinge schlüpfen werden. In der Ferne sahen wir eine große Wasserfläche in der die „schmutzige Brühe“ aus dem Kidron-Tal gesammelt und in irgendeiner (?) Form natürlich geklärt werden soll. Das dann (etwas) saubere Wasser wird zur Bewässerung der (israelischen!) Dattelpalmen im (palästinensischen!) Jordantal genutzt.
In der Nähe dieses „Gewässers“ sahen wir auch einige Störche, ob die dort Frösche gefunden haben?

die „Jerusalemer (Stein-) Wüste“

Wir hatten am Vormittag bezüglich der notwendigen Rückfahrt (wir hatten unser Fahrzeug am Kloster stehen gelassen, ein Service-Taxi bestellt. Leider kam es – für mein Gefühl – etwas zu früh, so dass wir (schon) gegen 14.30, nach 4 Stunden schöner Wanderzeit (und etwa 12 km Wegstrecke), ins Auto umsteigen mussten. Nach einigen Kilometern erreichten wir die Moschee Nabi Mussa. Laut Reiseführer glauben die Muslime dass hier Moses beerdigt ist. Auf der anderen Seite des Jordantales in Jordanien wird das Grab Mose auf dem Berg Nebo genannt. Einer islamischen Legende zufolge ist es Mose dort unter den anderen Leichen zu „langweilig“ geworden….

die mamlukische Moschee mit dem Mosegrab „Nabi Mussa“

Dieser Ort hier ist eine Pilgerstätte der Moslems. Viele lassen sich auch hier begraben. Heute war hier ein großes Fest mit vielen Besuchern.

3.000 Becher Kaffee am Tag verkauft

Auf dem Weg zu unserem Ausgangspunkt am Ma Saba-Kloster haben wir auch an einer in dieser Gegend ganz berühmten „Kaffestation“ angehalten. Hier werden an einem Tag etwa 3.000 Becher Kaffee (je 1 Schekel) verkauft. Als wir dort waren sahen wir, dass jedes zweite Fahrzeug anhielt und in schneller Perfektion einen Kaffee to Go serviert bekam. Kleine Alltagsfreuden der Palästinenser


 

Tageszitat aus „Recht ströme wie Wasser“

Christen im Heiligen Land: Für sie ist die tägliche Demütigung an den Kontrollpunkten auf dem Weg zu Arbeitsplätzen, Schulen und Krankenhäusern Realität; der Zusammenhalt der Familien, die Verbindung der Gemeinden untereinander sowie der Zugang zu den heiligen Stätten in Jerusalem sind erschwert und teilweise unmöglich.

aus „Gelobtes Land“ – Orientierungshilfe EKD