Ja es gibt in unserem Leben viele Dinge die sich wieder holen. Nicht alle sind von angenehmer Natur. Aber das es hier im „Heiligen Land“ die Möglichkeit gibt, am Ostermontag den Gang nach Emmaus“ nach zu empfinden, ist mehr als ein schöner Brauch für mich. Bereits zweimal 2014 und 2015 habe ich diese schöne Wanderung schon gemacht. Ich empfehle den Bloglesern, die meine früheren Berichte noch nicht gelesen haben, bzw. sich nicht mehr erinnern, zunächst diese Berichte zu lesen, denn ich werde heute nicht mehr auf die Wegestrecke und auch auf den Ablauf des Tages, der sich in etwa gleicht im Detail eingehen.
Heute musste ich also zum ersten mal wieder „die Seiten wechseln“, den die Wandergruppe trifft sich traditionell am Jaffa-Tor, an der Altstadt von Jerusalem. So hatte ich nach langer Zeit mal wieder das für mich doch immer wieder sehr bedrückende Erlebnis einer Checkpoint-Kontrolle. Ich habe es ja schon sooft geschildert: der

am Checkpoint: tägliche Demütigung wird scheinbar klaglos „ertragen“

palästinensische Bus hält ein wenig am Rande des Grenzpostens, alle jungen Palästinenser müssen aussteigen, im Bus sitzen dann noch die alten Palästinenser (ich schätze die über 50 Jahre) du eben solche wie ich mit, Ausländer mit einem Visum. Ich finde es einfach beschämend, wie hier in die Menschen in zwei Klassen aufgeteilt werden, und sie nehmen es scheinbar so gleichgültig hin. Auf der Rpückfahrt sah ich wie der Gegenbus an einer Haltestelle in Jerusalem bvon israelischen Polizisten an der Weiterfhrt gehindert wurde. Alle Insassen wurden scheinbar 1 km hinter dem Checkpoint erneut überprüft. Es ist das Verhalten einer Besatzungsmacht, die tagtäglich zeigt wer hier das sagen hat. Sicherheit wird dadurch nicht geschaffen.

Bitte entschuldigt das ich in meinem Tagesbericht einmal abgeschweift bin, aber wenn man dieses Unrecht so hautnah spürt, muss man darüber schreiben.
Jetzt aber zum Emmaus-Gang. Wer die Biblische-Geschichte nicht so genau kennt, kann sie gerne hier nach lesen. Wie bisher immer, empfing der Organisator dieser Wanderung, der Franziskaner Pater Gregor Geiger die etwa 100 Personen starke Gruppe am Jaffator, Menschen aus Deutschland, Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Venezuela, und eine kleine Gruppe aus Afrika. Mit den Worten aus der Bibel: „Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, dass sechzig Stadien (1 Stadie etwa 250m) von Jerusalem entfernt ist.“ Da heute der letzte Tag des Pessach-Festes der Juden war, n dem wie an Schabbat nur wenig Autos fahren, und keine Busse und auch nicht die Straßenbahn, war es in der Jerusalemer Innenstadt, durch die die große Gruppe zunächst wanderte, entsprechend ruhig. Kurz hinter dem zentralen Busbahnhof verlässt man das Stadtgebiet und steigt in einem tal abwärts. Nach etwa 500 m geht man durch ein altes „verlassenes“ Dorf. Bis heute habe ich mir wenig Gedanken zu dem Dorf gemacht, es war mir irgendwie klar, das es ein palästinensisches Dorf gewesen sein muss, das die Menschen es wohl 1948 verlassen haben müssen, aber eben nicht mehr. Heute nun ar es Thema in einer kleinen gesprächsgruppe der ich mich ein wenug angeschlossen hatte. Hier erfuhr ich eben zunächst einmal den Namen des Dorfes: Lifta.

das „Verlassene“ Dorf Lifts am Rande von Jerusalem

Es stimmt dieses Dorf wurde 1948 von den Bewohnern, eben nicht „Verlassen“ sondern die Bewohner wurden mit Gewalt vertrieben. Erstaunlich ist es, dass dieses Dorf eben nicht wie viele andere Palästinensische Dörfer, gänzlich zerstört wurde (oft wurden auch mit Hilfe des Jüdischen National-Fond (JNF) der dafür auch Spenden in Deutschland sammelte, solche zerstörten Dörfer durch Aufforstungen „versteckt“. Es gab Überlegungen, diese teilweise noch gut erhaltenen Häuser als „Mahnmal“ stehen zu lassen. Nun aber gibt es Pläne dort eine moderne Israelische Siedlung zu errichten. Derzeit prüft das Oberste israelische Gericht diesen Fall. Mit diesem Link kann man sich einen Beitrag des ARD Korrespondenzen zum „Fall Lifta“ anhören.

im schönen Garten von Beit Emmaus

Gegen 15 Uhr erreichten wir die palästinensischen Orte Biddu und Qubeibah. Beide Orte kenne ich durch meinen 10 wöchigen saufenthalt im Mai/Juni 2013 sehr gut. Ich war überrascht das auch hier in diesem Randgebiet des Westjordanlandes rege Bautätigkeit herrschte und eben auch von großen, herrschaftlichen Gebäuden. Wie sagte mir Mohamed, einer der Mitarbeiter im der Alten- und Pflegeheim wo ich auch tätig war: viele seiner Landsleute, die mittlerweile im Ausland gutes Geld gemacht haben setzen sich hier große Villen hin, kommen 2-3 Wochen im Sommer zum Urlaub, ansonsten steht das Haus leer. Viele der jungen Einheimischen würden versuchen ins Ausland zu gehen. Hier in Palästina verdient man, wenn man Arbeit hat, vielleicht 100 Schekel am Tag. Zieht man das Geld für Tabak, Fahrtkosten und Essen ab, bleiben vielleicht die Hälfte des Verdienstes. Aber davon kann

eine schöne Villa

weder eine Familie ernähren, noch sich sonst etwas leisten, wie beispielsweise ein Auto oder ein Haus. Kann man in Israel arbeiten, verdient man schon mehr , zwischen 200 und 500 Schekel (je nach Arbeit und Qualifizierung) sind dann schon möglich. Aber dann heißt es nicht nur dass man um 3 Uhr in der frühe sich zum Checkpoint aufmachen muss, man muss dann auch die Schikanen des Übertritts „ertragen“. In der Regel kommen diese Arbeiter erst am späten Abend wieder heim. Da ist für den jungen Menschen die Sehnsucht im Ausland „das große Geld“ zu verdienen schon etwas nach zu vollziehen. Mohamed im Übrigen ist mit seinem Leben zufrieden. Er hat eine gute Arbeit im Garten, hat vor einiger Zeit geheiratet und ist gerade stolzer Vater eines kleinen Sohnes geworden.

nach 4 Stunden Wanderung eine Stärkung mit Humus und Pitabrot

Traditionell gab es zum Abschluss der Emmaus-Wanderung einen schönen Gottesdienst. Wieder wurden Fürbitten in vielen Sprachen gesprochen. Eine lautete: mögen doch die Juden, Christen und Moslems, so wie die drei Wanderer nach Emmaus, ins Gespräch kommen….


Tageszitat aus „Recht ströme wie Wasser“

Seit 1967 hat Israel nach Schätzungen der Vereinten Nationen 700.000 Palästinenser verhaftet. Das ist ein Fünftel der Gesamtbevölkerung in den besetzten Gebieten. Infolge täglicher Verhaftungen erhöhen sich die Zahlen so rapide, dass keine genauen Angaben gemacht werden können. Aktuell sind mehr als 6.000 Palästinenser in Haft. Seit 1974 wird auf Beschluss des Palästinensischen Nationalrats jährlich am heutigen 17. April an die palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen gedacht.

Hier auf dem Rücken der Hügel,
im Angesicht des Sonnenuntergangs
Und des Kraters der Zeit
Nahe den Gärten
Ihres Schattens beraubt
Tun wir was Gefangene tun
Und Arbeitslose:
Wir ziehen die Hoffnung groß
von Mahmoud Darwisch (Mahmoud Darwish ist die wichtigste poetische Stimme Palästinas und der wohl populärste arabische Lyriker der Gegenwart.

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