… wieder hat mich Marius dankenswerterweise eingeladen, in seinem Blog über die Tiere hier in der Umgebung und meinen Bemühungen, ihnen zu helfen, zu schreiben. Siehe auch den ersten Beitrag.

Seit meinem letzten Beitrag sind 5 Monate vergangen.

Beit Jala hat inzwischen einen neuen Bürgermeister, dem ich – mit Hilfe einer guten Freundin aus dem Jenaer Tierschutz – eine lange Unterschriftenliste, bestehend aus Unterschriften deutscher Tierliebhaber, sowie von Schülern meiner Schule, überreichen konnte, mit der Bitte, die streunenden Hunde nicht mehr zu erschießen oder vergiften, sondern sie zu fangen, kastrieren und impfen und wieder frei zu lassen.

(Von re n li: der Bürgermeister von Beit Jala, Nicola Khamis, Juliane Lukas aus Jena, Eleonore Straub)

(Von re n li: der Bürgermeister von Beit Jala, Nicola Khamis, Juliane Lukas aus Jena, Eleonore Straub)

Zu meiner großen Überraschung und Freude zeigte er sich sofort aufgeschlossen und meinte: „I don’t want to shoot the dogs, but we already got 250 bullets. Give me a concept for the catch-castrate-realease program, so I can convince the city council.“ Nun arbeiten Freunde in Ramallah und ich mit der “Palestinian Animal League” an einem durchführbaren Konzept.

 

 

 

 

 

(meine zwei kastrierten und geimpften Streuner)

(meine zwei kastrierten und geimpften Streuner)

Meine zwei Streuner, die ich seit ca. zwei Jahren „betreue“ sind sozusagen die Pilothunde – wir haben sie gefangen, sie sind kastriert und geimpft. Sie leben „wild“ im Freien, tragen aber zum Zeichen, dass sich jemand um sie kümmert, Halsbänder. Die Hunde wurden in Israel kastriert, da es in Palästina meines Wissens keine Tierärzte gibt, die Hündinnen sterilisieren können.

 

Allerdings leben sie mit ca. 6 Rüden zusammen, was die Anwohner ziemlich ärgert. „You are causing problems with the dogs.“ musste ich mir kürzlich anhören, als von meinen zwei Streunern zurückkam. „We will call the police to shoot them.“   Wie so oft versuchte ich geduldig zu erklären, dass „meine“ zwei Hunde schon kastriert und geimpft sind, dass die anderen Hunde folgen werden. Leider stoße ich so oft auf Unverständnis und taube Ohren – das Kastrationskonzept ist einfach noch zu neu und fremd.

So kann ich nur hoffen, dass die Anwohner noch Geduld aufbringen…

(schlafende Streuner)

(schlafende Streuner)

Durch Vermittlung der Jenaer Tierschützerin wird im Juni ein Tierarzt aus Ramallah ein zweiwöchiges „Praktikum“ an der Jenaer Tierklinik durchführen. Weitere Tierärzte sind eingeladen, seinem Beispiel zu folgen. Ich bin sehr gespannt, was Dr Taha Jaber erzählen wird.

 

Die Schülerin Anastasya mit zwei der Welpen.

Die Schülerin Anastasya mit zwei der Welpen.

Lange Zeit habe ich nach einer Lösung für die zwei Hunde an unserer Schule gesucht. Sie sind trotz langjähriger Fütterung noch zu scheu, um sie leicht zu fangen und zu kastrieren. Das muss aber dringend geschehen, denn sie hatten schon Nachwuchs: Im Januar wurden fünf Welpen geboren, vier haben überlebt. Nach 9 Wochen habe ich sie einem Winzer in Israel übergeben, der sich um sie kümmert.   Doch diese 9 Wochen waren sehr, sehr anstrengend, denn es war nicht einfach, die Welpen vor den Augen von 800 arabischen Schülern zu verstecken, die evtl. mit Steinewerfen, Treten oder aber dem Stehlen der Welpen reagiert hätten. Anastasya hat schon sehr viel geholfen!

In Israel gibt es die Möglichkeit, Streuner mit einem Betäubungsgewehr zur Strecke zu bringen. In der Westbank verbietet die israelische Regierung den Besitz eines Betäubungsgewehrs.

Also habe ich mich jetzt doch dazu durchgerungen Fallen zu stellen (in die zuerst mal alle Talitha-Katzen gehen werden). Gestern habe ich zwei Fallen gekauft und werde in der nächsten Woche mein Glück versuchen.

 

KatzenDen Talithakatzen geht es gut. Nach den Weihnachtsferien, die ich in Deutschland verbrachte, waren es allerdings nur noch 8 Katzen, davon 4 nicht kastriert – also werde ich demnächst wieder eine kleine Kastrationsrunde durchführen, jedoch nicht wie geplant (und versprochen) mit Dr Musallam, denn er hat eine Stelle in der Abteilung „Gesundheit“ der Stadt Bethlehem angenommen. Im Moment suche ich nach einem Tierarzt…

Die „Animal and Nature Awareness“ Gruppe in Talitha Kumi

Die „Animal and Nature Awareness“ Gruppe in Talitha Kumi

Meine „Animal and Nature Awareness Palestine“ Gruppe an der Schule ist eifrig dabei, über Tierhaltung, Tierverhalten und Umwelt zu lernen. Sie hat mich beim Schutz der Welpen sehr unterstützt. Ohne sie wäre mir die ganze Sache über die Ohren gewachsen. Jetzt will ich beginnen, sie zur Tierfütterung mitzunehmen. Meine große Hoffnung ist, dass die Gruppe die Pflege der Tiere übernehmen wird. Das wird alles andere als einfach sein, denn hier sagt man gerne: „Ach, warum jetzt, das geht doch auch morgen.“ (Und dann wird es übermorgen oder wird überhaupt nicht erledigt.)

Einzelne Schüler begleiten mich auch zum israel. Tierarzt oder helfen mir, verletzte Tiere zu pflegen oder nehmen sie bei sich auf. In diesen Momenten schöpfe ich immer wieder Hoffnung, dass meine Arbeit doch wenigstens kleine Früchte trägt.

Oft überschätzen sich die Schüler aber. So hat vor wenigen Wochen eine Schülerin die Fütterung und Pflege von vier drei Tage alten Kätzchen, die in Talitha als Waisen gefunden wurden, übernommen. Sie stellte die vier in einem Karton in die Sonne. Als sie zwei Stunden später zurückkam, waren alle vier tot: Ein Kater hatte sie getötet. Wir hatten zuvor über diese Möglichkeit gesprochen, denn ich habe das hier schon zwei Mal erlebt…

Der Hund der „Pflegefamilie“ mit dem zugelaufenen Welpen

Der Hund der „Pflegefamilie“ mit dem zugelaufenen Welpen

Eine andere Schülerin nahm einen Welpen auf, der Schülern aufs Schulgelände gefolgt war. Ich wollte eine Familie für ihn suchen. Ihre Eltern gaben den Hund einfach an eine weitere Familie, die ihn jetzt in einem Rohbau hält. Mein Versuch, den Hund zurückzunehmen (ich wollte ihn in Jerusalem am „Dog Adoption Day“ anbieten), schlug fehl, sämtliche Vorschläge, wie der Hund ein besseres Leben haben könnte, ebenso.

 

Wenn Sie mehr Geschichten/Schicksale lesen wollen, dann schauen Sie auf meine Facebook Seite: „Animal Awareness Palestine“ oder über google „Animal Awareness Westbank“.

Bisher habe ich vom Futter über die Fallen bis zu den Tierärzten alles selbst bezahlt und merke, dass mein finanzieller Rahmen gesprengt wird. Die Tiere will ich aber auf keine Fall im Stich lassen, will sie weiter versorgt wissen, wenn ich das Land verlasse. Ich habe ein Konzept erstellt, WIE die „Animal and Nature Awareness Palestine“ Gruppe die Hege und Pflege der Tiere und ihrer Umgebung durchführen kann, doch für alles ist eine gute finanzielle Basis notwendig.
Ich bitte Sie daher herzlich, auf das folgende Konto des Berliner Missionswerks – Schulträger von Talitha Kumi – einen kleinen Spendenbeitrag zu leisten. Er wird den Talitha-Tieren zu Gute kommen.

Spendenkonto: Evangelische Bank, IBAN DE66 5206 0410 0003 9097 60; BIC GENODEF1EK1

Spendenzweck: „Tier-und Umweltschutz in Palästina“

 

Herzlichen Dank!       Eleonore Straub