Natürlich musste ich bei meinem doch recht kurzen Trip (10 Tage) nach Palästina, dem Weinberg und seinen Bewohnern einen Besuch abstatten. Hat hier doch alles im April 2012 für mich angefangen. Damals habe ich hier 5 Wochen gearbeitet und anschließend war für mich und mein zukünftige Leben alles anders. Ich konnte das hier erlebte nicht mehr vergessen, war derart angerührt, vom Schicksal der Menschen hier, dass ich mich seit dem für eine Aussöhnung, Frieden und Gerechtigkeit zwischen den Menschen die hier leben einsetze.

Betroffen war ich damals auch von dem Erlebnis eines Taxifahrers, Adib, der mich mit seinem Taxi zum Weinberg gebracht hatte, und im Anschluss von einer zivilen israelischen Kontrolle angehalten und dann mit einem (unbegründeten) Strafbefehl zur Zahlung von1.000 Schekel „verurteilt“ wurde. Hier könnt ihr die Geschichte nachlesen.

Adib der Taxifahrer

Wie es der Zufall wollte (gibt es Zufälle im Leben?), traf ich heute Adib auf der Straße mit seinem Taxi. Er fragte wohin ich denn wolle und ob er mich fahren könne. Ich sagte ihm, dass ich zum Weinberg wolle und ob er sich erinnere, was vor 6 ½ Jahren passiert war. Natürlich konnte er sich erinnern, aber es war ihm augenscheinlich kein Problem, mich heute erneut dorthin zu bringen.

Ich habe es ja in den letzten Jahren, bei meinen regelmäßigen Besuchen auf dem Weinberg geschildert, wie sich die Zufahrt zum Gelände des Weinberges, bedingt durch den Bau der jüdischen Schule, total verändert hat. Wo früher ein holpriger kleiner Pfad war, ist jetzt eine breite Straße die aber eben nicht zum Weinberg sondern zur Schule führt. Das letzte Stück ist dann wieder die kleine Fahrspur, die vor dem Steinhaufen endet (wird der eigentlich immer höher), der schon mehr als 10 Jahren die direkte Zufahrt der vielen Besuchergruppen zum Weinberg hindert.

Mit großem Staunen stand ich dann 500 m weiter vor dem(neuen)  Tor. Was bis zum April, ein sehr baufälliges Gebilde war, dass meiner Meinung nach in keinster Weise ein gewalttätiges Betreten des Geländes verhindert hätte, ist nun ein „stattliches“ stabiles Tor.

das neue Tor zum Weinberg

Als erstes begegnete mir ein Volontär aus den USA, der mit dem Bewässern kleiner Salatpflanzen in einem der Gewächshäuser beschäftigt war. Wie er mir erzählte, ist er derzeit der einzige Freiwillige auf dem Berg. Bis gestern waren zwei Volontäre aus Japan (!) hier. Nicht viel später lief mir Daher über den Weg, der- begründet in der Zeit als ich hier einige Wochen gearbeitet habe – zu einem wirklichen Freund von mir geworden ist. Daoud Nassar, sein Bruder, hatte mir schon vor einigen Wochen, bei einem Treffen am Rande eines Vortrages von ihm in Mönchengladbach erzählt, dass er in diesen Tagen in den USA zu Vorträgen weilt. Ich werde ihn aber, so ist es geplant, am kommenden Mittwoch noch treffen können. Daher musste sich dann auch gleich um zwei (!) Gruppen (aus den USA und Schweden) kümmern, die gerade angekommen waren. Im Verlauf der nächsten Stunden kam dann noch eine weitere Gruppe aus Frankreich.

Es ist wirklich immer erstaunlich wie viel Menschen den Weg zum Weinberg finden. Es ist auch immer wieder erstaunlich, dass es oft auch (wie heute) junge Menschen sind die sich für den Weinberg, seine Geschichte und en Menschen hier interessieren. Wenn man die Besucher/innen dann bei den Vorträgen, heute von Daher aber auch seiner Schwester Amal, beobachtet, wie beeindruckt, oft richtig berührt sie sind, kann man erahnen, welche Botschaft sie mit in ihre Heimat nehmen.

Ich hatte wegen der vielen Gruppen, mit denen Daher „beschäftigt“ war, dann genügend Zeit mir in einem Rundgang über den Weinberg, die Situation anzusehen. Beeindruckend der „Kräutergarten“ erstellt von der Gruppe um Dietrich Bodelschwing von der „Heimstätte Dünne“. Überall sah man (wie gewohnt) frisch gepflanzte Bäumchen. Auch neue (Kompost-)WC-Häuschen, aus denen man auf die neugebaute Schule und die Siedlung Neve Daniel schauen kann, sind erstellt worden.

Irgendwo sah ich eine Hündin mit ihren (6-7) jungen Welpen. Überhaupt, für Hunde ist das Gelände ein Paradies. Ich erinnere mich allerdings mit Schrecken an manche Störung in den Nächten, als ich hier in einem Zelt schlafen wollte.

Sicherlich, heute war das Wetter nicht unbedingt, dazu angetan, sich richtig wohlzufühlen, denn es war bewölkt, ein kalter Wind zog über den Berg, und zum frühen Nachmittag fing es heftig an zu regnen.

Blick in den „Kräutergarten“

Wenn man von Bethlehem mit dem Auto die Straße 60 fährt, kommt nach 5-6 km die Abzweigung die zum Weinberg führt. Fährt man die 60 weiter kommt man nach weiteren 20 km nah Hebron. An diese die Besucher (und eben auch mich) so bewegende Stadt, kam mir dieser tage wieder in den sinn als ich einen weiteren Beitrag einer EAPPI-Freiwilligen las. Sie berichtete von einem Besuch bei der Familie Hashem Al Azzeh. Ich habe die Familie bei einem Besuch mit einer Reisegruppe 2014 kennen gelernt. Sie lebt in unmittelbarer Nähe einer jüdischen Familie in dem abgegrenzten Bereich in der Hebronner Altstadt. Ich hatte dann ein Jahr später vom gewaltsamen Tod (er starb durch Tränengas an einem Herzinfarkt) Hashem erfahren und habe daraufhin in April 2016, bei meinem nächsten Besuch in der Region, seiner Frau besucht. Nun hat Milena von EAPPI die Familie besucht und erzählt in Ihrem Bericht, noch einmal, wie es damals zum Tode von Hashem gekommen ist und wie es der Familie (aber besonders der Frau) heute 3 Jahre später geht. Ein wirklich lesenswerter Beitrag den ich sehr empfehle

Herbst oder doch schon wieder Frühling?
verrückte Natur auf dem Weinberg