Diese Erweiterung des Bibelzitates (Johannes 1, 35-39) ist Grundlage meiner Motivation, weshalb ich seit 2012 Gruppen nach Israel&Palästina führe. Wie in der Ausschreibung steht, soll diese Reise eine differenzierte Sichtweise auf die komplexe Region des Nahen Ostens ermöglichen. Sie soll Einblicke in die Situation der palästinensischen Bevölkerung in den sog. Autonomiegebieten gewähren.  Aber auch der landschaftlich wunderschönen Fleck dieser Erde, die Orte mit historischer Bedeutung, in denen die Wiege der drei monotheistischen Weltreligionen stand, soll kennengelernt werden. Nicht zuletzt soll die Reise den Kontakt zu gastfreundlichen, warm- herzigen Menschen herstellen, die trotz ihres oft sehr schwierigen Lebens noch nicht verlernt haben zu lachen.

Mauer in Bethlehem

Mauer in Bethlehem

Ich habe meine Reisebegleiter/innen gefragt wie sie die letzten 10 Tage erlebt haben: Hier gekürzt und in Stichworten ihre Antworten:

  • Besuch in einem „unheiligen“ Land, die Probleme die uns in Deutschland beschäftigen, sind verglichen mit der Situation hier ein „Kinderspiel“
  • Meine schlechten Erwartungen wurden bestätigt
  • Ich hätte nicht gedacht das es hier so schlimm ist
  • Die politische Lage finde ich kathastrophal
  • Es war ein reichhaltiges Programm, ich hatte die Möglichkeit viele Regionen kennen zu lernen und dabei viele Eindrücke zu gewinnen
  • Die vielen menschlichen Begegnungen waren für mich anrührend
  • Mein Blick wurde geschärft, ich werde zu Hause die Berichte in den Medien anders war nehmen
  • Ich hatte die einzigartige Möglichkeit Gegensätze aufzunehmen und bei mir wirken zu lassen
  • Ich wurde reich beschenkt, vor allem durch die Naturereignisse
  • Es war auch ein Genuss von Natur und Religiosität
  • Außergewöhnliche Programmdichte und Vielzahl an menschlichen Begegnungen und interessanten Gesprächspartnern
  • Ich hatte vorher die etwas naive Vorstellung das ich nach dem ich die Situation sehen würde ein Urteil fällen und Lösungsideen entwickeln könnte
  • Durch die Begegnungen mit den Menschen habe ich ein Gespür bekommen, was sie berührt, so kann ich zu Hause davon etwas vermitteln
  • Ich fahre pessimistisch nach Hause, habe das Gefühl das es dort nicht besser wird
  • Das Mosaik war erst groß und unübersichtlich, jetzt habe ich das Gefühl tiefer hinein gekommen zu sein aber auch die Frage wie kann es weiter gehen, was kann sich ändern

Für mich bedeuten die Aussagen meiner Gruppe eine Bestätigung meiner Motivation zu diesem Reiseangebot.

wohin führt der Weg?

wohin führt der Weg?

Ich möchte kurz noch auf eine „Nachwirkung“ -bei mir- bezüglich eines Programmpunktes eingehen, den ich zum ersten malbei meiner Gruppenfahrt eingebaut hatte. Am Sonntag (30.10) hatten wir die Gruppe Roots besucht. Hier wird ja der Versuch gemacht, durch Kontakte zwischen Siedlern und Palästinensern für eine Entspannung zu sorgen. Ich habe am Montagabend mit Daoud Nassar über diese Bewegung gesprochen. Er ist von dieser Bewegung nicht angetan. Natürlich kann man mit den Siedlern sprechen sagt er, aber zunächst muss uns Palästinensern Gerechtigkeit widerfahren, Unrecht muss eingestanden werden. Auch Fatima, noch hier in Deutschland, meinte heute, das wäre so, als wenn jemand einem die Brille wegnehme und dann mit ihm ein Gespräch führe ohne sich darum zu kümmern, dass der Andere ja nichts sieht. Sie sagte, es müsse so sein, wie es die Deutschen gegenüber Israel bezüglich des Holocaust gemacht hätten. Da war zuerst das bedingungslose Eingeständnis der Schuld. Erst dann kam der Versuch durch enorme (nicht nur) finanzielle Unterstützung (bis heute), die Not und das Leid zu lindern damit irgendwann einmal ein freundschaftliches Verhältnis entstehen kann.

Unter diesen mir gut nachvollziehbaren Gesichtspunkten möchte ich mein Resümee über das Gespräch, welches ich am Sonntagabend in diesem Blog geschrieben habe, ein wenig modifizieren und korrigieren.

am Ende wenn alle Waffen verschossen sind, alles Leid überwunden dann -so drückt es dasBild aus welches ich in Nazareth an einer Wand gesehen habe- reichen sich die Geschwister die Hand

am Ende wenn alle Waffen verschossen sind, alles Leid überwunden, dann -so drückt es dasBild aus, welches ich in Nazareth an einer Wand gesehen habe- reichen sich die Geschwister die Hand

Ich erlaube mir nachfolgend den jüdischen Prof. Dr. Ernst Tugendhat, emeritierter Professor für Philosophie an der FU Berlin zu zitieren. In seiner Eröffnungsrede zur Nakba-Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus „Lamm“ am Markt in Tübingen im Juni 2010 sagte er u.a.:
„Frieden, wirklicher Frieden, wäre nicht schon durch die Zweistaatenlösung zu erreichen, sondern nur durch die gegenseitige Anerkennung der beiden Bevölkerungen in ihren Rechten und als Gleiche: die Grundlage von Moral und Recht und so auch des Friedens. Bisher gibt es nur sehr vereinzelt Verständigungsversuche in kleinen Gruppen, die jedoch zeigen, was wir auch sonst wissen, dass, wenn Menschen sich wechselseitig in ihrer Gleichheit als Menschen erfahren, dies zu einem Gefühl von Glück führen kann, und sie zeigen auch, dass beide Bevölkerungen durchaus die Fähigkeit haben, aufeinander zuzugehen. So schwer vorstellbar also eine Verständigung im Ganzen erscheinen mag, sie ist nicht undenkbar, man kann und muss auf sie setzen, eine andere sinnvolle Option gibt es nicht“

 

Wie schon bei den Gruppenreisen 2014 und 2015 habe ich jeden Morgen zu Beginn des Tages das für den Tag vorgesehene Zitat aus dem schön gestalteten Büchlein: „Recht ströme wie Wasser“ vorgelesen. Hier sind von der Gruppe „Freunde von Sabeel, Deutschland“ „Zitate für jeden Tag“ aus Bibel, Koran und Talmud zusammengestellt. Es sind Texte von israelischen und palästinensischen Autor(inn)en, von Juden, Christen und Muslimen – die (so in der Verlagsankündigung) „kein Öl in ein böses Feuer gießen wollen, sondern mit Fakten, Zahlen, Klarstellungen, Erklärungen, auch Rechtfertigungen und Anklagen, zu einem differenzierteren Gesamtbild des Israel-Palästina-Konfliktes beitragen wollen…“ Ja und es hat uns alle immer beeindruckt, wie die Texte immer „gepasst“ haben, wie sie uns angesichts der Realität wie wir sie konkret erlebten immer unter „die Haut gingen“ Das Buch kann für 10,-€ in jeder Buchhandlung erworben werden oder bestellt werden beim Verlag: www.aphorisam.eu

Gerne schließe ich dieses Blogkapitel mit dem heutigen Tageszitat gesagt von Yizhak Rabin dem heute vor 21 Jahren(!) durch einen jüdischen Extremisten ermordeten israelischen Ministerpräsidenten:

 „3000 Jahre Jerusalem sind für uns, jetzt und für immer, eine Botschaft der Toleranz zwischen den Religionen, der Liebe zwischen den Völkern, der Verständigung zwischen Nationen“

Bis zum April im nächsten Jahr in Jerusalem und sicherlich auch in der Westbank - Inch Allah

Bis zum April im nächsten Jahr in Jerusalem und sicherlich auch in der Westbank – Inch Allah