Vor einigen Tagen habe ich über mein erstes Erlebnis einer Olivenernte berichtet. Ich hatte in den letzten Tagen Gelegenheit weitere Erfahrungen mit der Ernte, aber auch mit der gesamten Pflege des Baumes und des Bodens, auf dem die Bäume stehen, zu machen.

ziemlich "wild" gewachsen

ziemlich „wild“ gewachsen

An mehreren Nachmittagen bin ich wieder auf dem kleinen Grundstück von Fatima gewesen, dass sie vor einigen Jahren „großzügiger Weise“ als einziges Erbe ihres Vaters von ihren Brüdern „überlassen“ wurde. Ansonsten haben die Brüder das gesamte ( wohl recht große) Erbe des Vaters, wie es in der arabischen Welt noch immer Sitte ist, unter sich aufgeteilt. Die acht Töchter gingen leer aus, bis eben vor einigen Jahren dieses Grundstück an die Schwestern abgegeben wurde.

Ich hatte schon bei meinem ersten Ernteeinsatz den Eindruck das die Bäume ziemlich wild gewachsen waren, sich wohl seit Jahren selbst überlassen geblieben sind. Das machte das Ernten um so schwieriger. Fatima hatte sich nun in diesem Jahr vorgenommen, die Bäume „in Form“ zu bringen. Hierzu hatte sie  ihr bekannte „Fachleute“ angefragt. Man muss sich das wohl so vorstellen wie das Beschneiden unserer Obstbäume, da gehört auch  einiges an Erfahrung dazu um zu wissen welche Äste abgeschnitten werden können. In den letzten Tagen wurde diese Arbeit mit, wie hier leider oft üblich, ziemlich miesem Handwerkszeug, wie stumpfe Säge, ausgeführt.

Mit der Motorsäge wird "gelichtet"

Mit der Motorsäge wird „gelichtet“

Erst heute kam die ja auch bei uns (Männern) so beliebte Motorsäge  zum  Einsatz. Da blieb dann in wenigen Minuten nicht mehr viel Grün am Baum. Aber so muss es wohl sein, damit der baum wieder „Kraft“ tanken kann.

Gleichzeitig wurde unter dem Baum die Erde aufgehackt, ein runder Wall angelegt, in dem das erhoffte Regenwasser sich dann sammeln  kann. Fatima und ich haben uns um die unglaublich vielen und arg pickenden Disteln gekümmert. Sie wurden ausgemacht und dann gleich verbrannt.

Nach einer Woche Arbeit auf dem Stückchen Land, gab es einen Ernteertrag von 99 kg und jede Menge Olivenholz welches in den nun folgenden, für hiesige Verhältnisse doch kalten „Winternächten“ für etwas Ofenwärme sorgen wird.

als erstes kommt der "Waschgang"

als erstes kommt der „Waschgang“

 

Zum Abend sind wir dann nicht zur Ölpresse nach Beit Jala gefahren, Dort ist jetzt natürlich Hochsaison. Vor uns standen einige PKW`s die im Kofferraum ihre geernteten Oliven in Säcken mitgebracht hatten. Zunächst geht es auf die Wage, hier bekommt man dann einen Zettel auf dem das Gewicht der mitgebrachten Oliven steht. Fatima rechnet, dass sie für ihre 99 kg zwischen 20-30 l Olivenöl bekommt. Für ein kg muss man zwischen einem halben und einem Schekel für die Presse zahlen. Fatima hatte gleich zwei 20 l Kanister mitgebracht in das „ihr“ Öl gefüllt werden soll. Nicht mehr klären konnte ich wann denn nun das Öl abgeholt werden kann.

 

Achtung: Nachtrag zum Beitrag vom 10. November 2014

Gabi Bieberstein vom Internationalen Versöhnungsbund hat in einem Kommentar zu meinem Beitrag über Saeed Amireh und sein Dorf Ni`lin auch einen Link zu einem Interview mit Saeed (mit deutscher Übersetzung) benannt. Durch Gabi habe ich überhaupt erst von Saeed und seinem Dorf Ni`lin erfahren.
Beitrag und Kommentar findet man hier