An einem Samstagmorgen: vom Leben hinter Stacheldraht und im Karton

Gestern habe ich mich mal am frühen Morgen aufgemacht wollte die etwas weitere Umgebung erkunden,

In Parterre wird gearbeitet

Schwester Hildegard hatte mir für den Weg einen Tipp gegeben.
Aus dem Tor rechts und beim Nasser`s Haus die Straße links verlassen. Das habe ich auch gemacht, wobei mir schon bei den Häusern an denen ich vorbeiging wieder auffiel, hier baut man oft so, dass die Parterre für einen Shop oder eine Werkstatt genutzt werden kann, also mit großen Eisentüren. Die Wohnung(en) sind dann in den oberen Stockwerken.

kleines arabisches "Schlösschen"

Etwas weiter hoch auf dem Berg gelegen, mit wunderbarer Sicht bis in die ebene nach Tel Aviv und an das Mittelmeer, ein „Prachtbau“. Ich frage mich hier immer wieder, wer hier mit welcher Tätigkeit so viel Geld verdient, das er sich ein solches „Schlösschen“ bauen kann. Zum einen sind es sicherlich die „Großverdiener“ zum Beispiel in der Baubranche, die hier total boomt, oft sind es aber auch Palästinenser die zum Beispiel in den USA leben und arbeiten und ihre Ersparnisse hier investieren. Viele Neubauten, gerade auch in den Städten stehen leer, sind, wie bei uns auch, Spekulationsobjekte. Den wer kann sich hier schon eine Miete bei 120 m² von 1500,-$ leisten. Ich habe mal einen jungen Mann aus Deutschland kennengelernt, der hier bei einer NGO arbeitet, (ich habe glaube ich berichtet, er arbeitet bei den Lehrergewerkschaften und bildet Streitschlichter für Schulen aus), der wohnte in einer solchen Wohnung, hier zahlte die entsendende Organisation die fürstliche Miete von 1.000,-$.

zum "Schlösschen" der herschaftliche Eingang

Immer wieder gibt es auch den Verdacht dass es solche Palästinenser sind, die sich solche Häuser bauen, die mit den israelischen Behörden „zusammenarbeiten“ „ auch „Kollaborateure“ genannt. Na ja wie dem auch sei, es fällt schon auf wenn die Häuser baulich aus dem üblichen Rahmen hinaus fallen. Schön anzuschauen mit ihren arabischen Bogenfenstern sind sie allemal.

Auf dem weiteren Weg der der auf dem Bergkamm entlang führte, bekam ich „natürlich“ das Angebot zu einem morgendlichen Kaffee, kam an einem Haus vorbei wo wahrscheinlich gestern Abend die Hochzeit gefeiert wurde, das sieht man daran das es mit Lichterketten die vom Dach nach allen Seiten gehen, geschmückt war.

Israel hinter Stacheldraht

Ja …..und dann ging es nicht mehr weiter, ich war mal wieder der an der Grenzanlage angelangt die das „Gefängnis“ Palästina umgibt. Hier wo die Grenze aus einem doppelten Zaun mit Unmengen von „Nato-Draht“ bestand, mit einer Fahrstraßen für das Militär. Es erinnerte mich schon sehr an die Zustände an unserer Innerdeutschen Grenze zu DDR-Zeiten.
Auf meinem Rückweg kam ich an großen Hallen vorbei, auf meine Fragen was sich denn in den Gebäuden befände bekam ich die kurze und klare Antwort „Chicken“ Auch hier werden für den großen Hähnchenfleischbedarf der Bevölkerung die Tiere in Massenhaltung „gequält“ Wie gut das es mit dem Nationalgericht „Falafel“ eine wunderbar schmeckende Alternative gibt.

Zum Schluss meines morgendlichen Rundganges entdeckte ich in einem Karton noch zwei scheinbar „herrenlose“ sehr süß ausschauende Hunde.

(Hunde-)leben im Karton

Wir Beit Emmaus haben uns gerade in dieser Woche zwei kleine Kätzchen aus dem Tierheim in Jerusalem „zugelegt“, für zwei kleine Hunde sei hier aber kein Platz mehr, beschieden mir auf Nachfrage die Schwestern

Über Marius S. 405 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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