Während meines Aufenthaltes im Gästehaus von Talitha Kumi habe ich Elli kennen gelernt. Sie arbeitet als Lehrerin an der Schule und…kümmert sich um wild lebenden „Haustiere“ in Beit Jala und Umgebung. Ich habe sie  gebeten in einem „Gastbeitrag“ in meinem Blog über ihr Engagement zu berichten

 

Seit sechs Jahren lebe ich in Beit Jala bei Bethlehem und unterrichte in der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Schule Talitha Kumi Englisch und Sport.

„Du wirst sehr, sehr krank, wenn du Katzen anfasst!“ (eine „meiner“ 16 gesunden, kastrierten Talithakatzen)

„Du wirst sehr, sehr krank, wenn du Katzen anfasst!“
(eine „meiner“ 16 gesunden, kastrierten Talithakatzen)

In meiner Wohnung leben meine 8 Katzen und ich, im Stockwerk darüber meine arabischen Vermieter.

Meine Westbank-Tiergeschichte begann mit „Mama Mieze“, die es sich kurz vor der Geburt ihrer vier Kleinen in den Kopf setzte, bei mir Unterschlupf zu finden. Ich liebe Katzen – eigentlich mag ich alle Tiere – und so dachte ich: „Wie Maria in Bethlehem, die Katze braucht „einen Stall“. Ein paar Tage später hatte ich 5 Katzen.

Meine Vermieter betrachteten diese Entwicklung sehr skeptisch – Katzen in einer Wohnung, das geht gar nicht! Inzwischen sind es 8, manchmal auch mehr, manche sterben, andere kommen dazu. Meine Vermieter tragen das alles mit Fassung, wofür ich ihnen sehr dankbar bin, denn das ist alles andere als „normal“ in der hiesigen Gesellschaft.

Tiere werden allgemein als unhygienische Krankheitsüberträger gesehen, die aus Häusern fernzuhalten und bei zu großer Population zu töten sind. Das betrifft vor allem die streunenden Hunde.

Unter dem Druck der Bevölkerung lässt sie der Bürgermeister von Beit Jala nachts, meist zwischen 1 und 3 Uhr, von Polizisten erschießen, bzw anschießen. Wie oft höre ich die Schüsse und das Heulen des getroffenen Hundes. Gespräche mit den Polizisten und dem Bürgermeister blieben ohne Erfolg. Unsere Angebote bei der Durchführung von Kastrations- und Impfaktionen für Hunde zu helfen, Sponsoren zu suchen, Tierärzte aus Deutschland einzuladen, stießen auf taube Ohren.

Ich könnte viele schlimme, sehr traurige Geschichten über falsche Haltung, Misshandlung und Tötung von Tieren erzählen und zu manchen dieser Geschichten Bilder zeigen. Das will ich hier aber nicht tun.

Um nicht zu mutlos zu werden angesichts der Vielzahl der leidenden Tiere, versuche ich zu helfen, so weit meine Zeit und auch meine finanziellen Mittel reichen.

In der Schule füttere ich täglich bis zu 16 Katzen, die zum großen Teil kastriert sind – auch ein Konzept, das hier von

Elli bei der morgendliche Fütterung

Elli bei der morgendliche Fütterung

99% der Bevölkerung mit verständnislosem Kopfschütteln quittiert wird. Im November 2013 fand sich ein befreundeter deutscher Tierarzt bereit, alle „Talithakatzen“, die wir fangen konnten, zu kastrieren. Wir luden zu dieser Aktion palästinensische Tierärzte ein, die in ihrer Ausbildung nicht lernen, Katzen oder Hunde zu kastrieren. Diesem Ruf folgten drei Tierärzte aus der näheren Umgebung. Einer, Dr. Yussuf Musallam, erklärte sich im Oktober 2014 zu einer weiteren Kastrationsaktion bereit.

Ich wünsche und hoffe, dass sich nach meinem Weggang Nachfolger finden, die die Katzen weiter versorgen und mit Hilfe Dr. Musallams regelmäßig kastrieren lassen. Unversorgte, streunende Katzen haben eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren.

 

Ich fände es schön, wenn „meine“ Schule Pionierarbeit in Sachen Tierschutz leisten würde, als Beispiel für andere Institutionen, für die Familien unserer Schüler, für die Bewohner Beit Jalas.

Im Unterricht thematisiere ich immer wieder den Umgang mit Tieren. Inzwischen wenden sich die Schüler mit Tierfragen an mich, was mich sehr freut, manchmal aber auch überfordert. Ein sterbender Vogel, eine kranke Katze, eine gefährliche Wespe, ein Hund mit einem Abszess – ich lerne selbst sehr viel dazu.

Ein paar meiner Schüler haben Katzen oder einen (Rasse-)Hund bei sich zu Hause. Wird eines der Tiere krank, wendet man sich landläufig nicht an den Tierarzt, sondern lässt der Natur ihren Lauf. Wenn dennoch Tierfragen auftauchen, wende ich mich an meine israelische Tierärztin, die mir gerne mit Rat und Tat zur Seite steht und Medikamente oft auch zum Selbstkostenpreis überlässt. Es ist schön zu sehen, wie meine (arabischen) Schüler ihre Tiere gesund pflegen und ich freue mich auch über die „heimliche“ Zusammenarbeit von Israelis und Arabern, wenn es um das Wohl dieser Tiere geht. Wie schön wäre es auch, wenn sich eine weitergehende Kooperation ergeben würde – dazu stehen aber leider die politischen Zeichen zurzeit zu schlecht.

 

Neben der Katzengesellschaft, derer ich mich annehme, gibt es auch ein paar Hunde…

„Hunde sind gefährlich – sie beißen dich tot! Wirf schnell                  Steine auf sie, sonst greifen sie dich an!“ (Tönne, ein          sehr typischer Vertreter der „Baladi“ Hunde, der          Westbankstreuner)

„Hunde sind gefährlich – sie beißen dich tot! Wirf schnell        
         Steine auf sie, sonst greifen sie dich an!“ (Tönne, ein
         sehr typischer Vertreter der „Baladi“ Hunde, der
         Westbankstreuner)

Bis vor zwei Jahren kannte ich mich mit Hunden so gut wie gar nicht aus, obwohl ich sie sehr mag. Das hat sich sehr geändert – ich bin auch „auf den Hund gekommen“ und frage mich, wie ich je ohne einen Hund sein konnte. Allerdings geht die Toleranz meiner Vermieter nicht so weit, dass ich einen Hund halten dürfte, und so bin ich „Mitbesitzerin“ zweier geretteter Ex-Streuner. Was mich zum nächsten Thema bringt: Die Suche nach neuen Familien für die Hunde oder die Unterbringung von Notfällen. Rassehunde zu halten, vom Pinscher bis zum Dobermann, kommt in Beit Jala seit einiger Zeit in Mode – von ihren „Baladi“-Streunern, die von ihrer Veranlagung her scheu, aber sehr freundlich und friedfertig – und meiner Erfahrung nach kinderlieb – sind, wollen sie jedoch nichts wissen. Sie sind schließlich „gefährlich und unhygienisch“.

Vielleicht helfen meine Bemühungen ein bisschen, den Menschen in meinem Umfeld zu vermitteln, dass Tiere mehr sind als überflüssige Kreaturen oder Arbeitssklaven.

„Als ich die Hand eines Menschen brauchte, reichte mir jemand seine Pfote.“

 

Wenn Sie ein bisschen mehr über meine „Tier“arbeit hier lesen und auch Bilder sehen wollen, dann schauen Sie bei Google unter „Animal Awareness Palestine“. Dort finden Sie meine Facebookseite.

Ich würde mich sehr über Ihre „gefällt mir“ Unterstützung freuen.