Heute nun ging es für uns (für alle zum ersten Mal) über den Jordan nach Jordanien.

Ich hatte bisher von vielen Palästinensern aus dem Westjordanland, die alle nur über Jordanien (Ammann) ausreisen können, schon gehört, wie schwierig, oft schikanös es für sie ist die Grenze bei Jericho zu überqueren.

Koffertransporter

Koffertransporter

Der nachfolgende Bericht in der Zeit beschreibt die Verhältnisse am Grenzübergang (von Jordanien ins Westjordanland…nicht nach Israel) an der Allenby-Brücke sehr treffend.
http://www.zeit.de/1988/10/die-allenby-bruecke-symbol-der-trennung

Auch der damals 12 jährige Karim hatte im April 2014 in einem Gastbeitrag für meinen Blog seine Eindrücke vom Grenzübergang geschildert…für mich beklemmend beschrieben.

Nun also wir mit einem Bus zu einer Stelle wo alle Palästinenser aus ihren Fahrzeugen aussteigen müssen, ihr Gepäck abgeben und dann in spezielle Busse steigen die sie bis an die eigentliche Grenze (etwa 5 km entfernt bringen. Wir durften in unserem Bus sitzen bleiben bis wir 2 km weiter an den ersten Posten der Israelis kamen. Nach dem wir schon eine halbe Stunde gewartet hatten erfuhren das wir mit unserem Bus mit grünem Palästinensischen Kennzeichen nicht weiter fahren dürfen.

vom grünen zum gelben Nummernschild

vom grünen zum gelben Nummernschild

Also wurde vom Busfahrer ein weiterer Bus geordert der ein gelbes israelisches Schild hatte (ob das in der Werkstatt anstelle des grünen Schildes schnell angeschraubt wurde ist mir nicht bekannt). Dann ging es (mittlerweile war eine Stunde vergangen) zum eigentlichen israelischen Checkpoint. Hier wurde nun auch unser Gepäck ausgeladen, auf einen Karren gepackt, während wir in ein Gebäude kamen wo wir dann auch die meist palästinensischen Grenzgänger wider trafen. Hier wurde dann unser Pass geprüft, wir bekamen ein „Ausreise-Visum“, mussten dafür pro Person etwa 25 € zahlen und konnten dann mit diesem Nachweis das Drehkreuz passieren. Draußen nun wartete der jordanische Bus mit dem wir die nächsten drei Tage durch Jordanien fahren.
Nach etwa 2 km durch ein „Niemandsland“ was wie eine Mondlandschaft wirkte, kamen wir auf die Brücke und überquerten irgendwann ein kleines Rinnsal was sich Jordan nennt. Nach etwa zwei Stunden von der ersten Station bei Jericho gerechnet, erreichten wir die jordanische Grenzübergangsstelle, wo uns unsere jordanische Reiseführerin Jasmin erwarte. Nun wurde von jordanischer Seite unsere Pässe geprüft. Nach einer weiteren Stunde konnten wir dann unsere Reise in Jordanien beginnen. Wenn ihr den Zeit-Artikel gelesen habt wisst ihr das es für die Palästinenser oft wesentlich länger dauert. Wir wollen uns also nicht beschweren, auch wenn uns wenig einfällt, was diese Art der Kontrolle (und Bürokratie) nun mit der Sicherheit der Israelis zu tun haben soll, denn wir wollten ja das Westjordanland verlassen…..

Als ich vor einem Jahr das Programm für die Reise plante war für mich klar, dass wir uns auch dem aktuellen Flüchtlingsproblem in Jordanien stellen müssen. So stand heute als erster Programmpunkt der Besuch in einem Flüchtlingslager an. Jordanien mit seinen insgesamt etwa 6 ½ Mio Einwohnern hat insgesamt mehr als 1 ½ Mio Flüchtlinge, wovon in den letzten Jahren etwa 500.000 aus dem benaxhbarten Syrien geflohen sind. Aber es gibt auch eine große Zahl von Flüchtlingen aus dem Irak, an den das Land ebenfalls grenzt.ard

Nun haben wir uns nicht die großen Lager an der Grenze zu Syrien angeschaut, oft mit mehr als 100.000 Menschen die in Zelten leben.

fast nicht zu sehen hinter Mauern das Flüchtlingscamp

fast nicht zu sehen hinter Mauern das Flüchtlingscamp in Madaba

Wie haben in der Stadt Madaba (50 km vom Grenzübergang entfernt) ein kleines Camp besucht, dort leben auf dem Grundstück einer kath.Gemeinde 22 christliche Flüchtlingsfamilien aus Mossul/Irak die im Sommer 2014 dort angekommen sind. Die etwas mehr als 90 Personen sind in kleinen Wohncontainer untergebracht und werden von Mitgliedern der Gemeinde unterstützt. Wir hatten die Möglichkeit mit zwei Vertretern der Gemeinde zu sprechen, gedolmetscht von unserer deutsch und arabisch sprechenden Reiseführerin. So erfuhren wir einiges über Herkunft, Sorgen und Wünsche der Flüchtlingsgruppe.

seit einem Jahr auf beengtem Raum 22 Familien

seit einem Jahr auf beengtem Raum 22 Familien

Das Schlimmste ist wohl, dass keiner mehr Hoffnung hat, dass sich die Situation im Irak verbessert und sie wieder in Ihre Heimat zurück kehren können. Aber auch gesundheitliche Probleme, die Enge, das Nichtstun können zehrt an den Nerven. Mich hat diese Begegnung sehr gerührt, auch deshalb wohl, weil wir so hilflos sind in dem was wir tun können. Und dennoch wir hatten den Eindruck es tut den Menschen gut das wir sie besuchen, sie war nehmen in ihrem Schicksal.

Das wir Ihnen konkret Obst, Gemüse, Reis, Zucker, Milchpulver und Konserven mitgebracht hatte, hat zu mindestens für den Tag ein wenig Licht und Freude verbreitet. Wir wollen versuchen auch bei uns in Deutschland für diese Gruppe konkrete Hilfe zu organisieren. Ich werde mich an Caritas International wenden, die auch dort in Madaba- wie wir erfuhren- unterstützend wirkt.

ein wenig gemütliche "Privatheit"

ein wenig gemütliche „Privatheit“