Sicherlich kennt jeder diese Redensart und sie stimmt auch immer. Mal ist es viel, mal weniger, über was es über die Reise zu berichten gibt. Vieles Berichtenswerte habe ich in den letzten 11 Tagen aufgeschrieben, habe beschrieben, was wir gesehen und gehört haben.
Die regelmäßigen Leser/innen dieses Bloges werden verstehen, das ich auf die Frage, die mir oft nach einem solchen Aufenthalt in Israel & Palästina hier zu Hause  gestellt wird „Na, war es schön“ nicht so recht weiß wie ich antworten soll.

Die judäische Wüste: Gewaltig

Weil es eben nicht eine normale Urlaubsreise ist, wo man das schöne Wetter, die Natur, das leckere Essen  genießt. 
Auch bei dieser Reise habe ich mit der Gruppe so vieles erlebt: Bewegendes, Interessantes, Schönes, Trauriges, Aufregendes, Bedrückendes, Unverständliches, Gewaltiges, Hoffnungsvolles. Durch die einzelnen Tagesberichte kann der Leser, die Leserin ein wenig besser verstehen wie es zu solchen vielfältigen Beschreibung der Reise kommt. 

Was bleibt bei mir hängen, was war mir wichtig auf dieser Reise

Jedes Mal nach einer solchen Reise frage ich mich, was bringt es, warum tue ich mir diese Strapazen an, warum fahre ich nicht einfach in ein schönes Land, mache wie oben beschrieben eine ganz normale Urlaubsreise. Immer wieder komme ich aber zu der selben Antwort, ich möchte die Menschen, Gruppen und Organisationen, die ich im Laufe der letzten sieben Jahre dort kennen und schätzen gelernt habe, nicht „ihrem Schicksal“ alleine überlassen. Dadurch, dass ich durch meine Gruppenreisen es auch andere Menschen ermögliche, diese Kontakte herzustellen, erweitert sich diese Unterstützung. Darüber hinaus begreife ich bei jeder Reise ein wenig mehr, wie die Menschen hier denken und fühlen und begreife immer mehr auf was es hier wirklich ankommt .

die Natur: Wundervoll

So ist die besondere Erkenntnis dieser Reise und somit Motivation meines zukünftigen Engagement für mich:

Es geht nicht um pro Israel oder pro Palästina

Es geht für die Menschen hier und somit auch für mich um

Pro Menschenrecht

Es ist mir also noch nie so klar geworden, wie auf dieser Reise, auf was es hier – und damit auch für mich – wirklich ankommt.

Vielleicht war es Schwester Rosa ,die uns so dringend ans Herz gelegt hat:

„Es ist immer wichtig an den Kern zu kommen“

Nachfolgend nun einige Einschätzungen der Reiseteilnehmer/innen.
Ich hatte darum gebeten, ach dem ich vor der Reise die Motivation abgefragt hatte, nun rückblickend ein persönliches Resümee zu ziehen.


Noch liegen mir nicht alle Einschätzungen aus der Gruppe vor, ich werde sie dann, nach Erhalt, nach und nach in diesen abschließenden Blog Text zur Frühlingsreise 2019 einfügen

Mit Blick in die Zukunft, sei hier schon angekündigt,  dass es auch im kommenden Frühjahr 2020 „Inch Allah“ ein solches Angebot einer Begegnungsreise geben wird. 

Hier kommen nun die Teilnehmer/innen der Reise zu Wort

Die Gräber Gräber sein lassen. (Andrea) Provokateuren keinen Platz im eigenen Kopf einräumen und sich nicht vereinnahmen lassen, sich vom Schwarz-Weiß-Denken verabschieden. (Daoud) Den Zweig des Ölbaums als Zeichen des Friedens bei sich tragen. (Michal) Mauern und Barrieren des Denkens durchlässig machen. Die Perspektiven wechseln und die Ängste und Sehnsüchte des Anderen ernst nehmen, auch wenn sie nicht mit meinen übereinstimmen.
Den Stern von Bethlehem in das Herz hinein nehmen. (Sr. Rosa) Denn im Herzen findet sich der Ausgangspunkt für wahre Begegnung und die Geste der offenen Hand, die Menschen entgegengestreckt wird. 
Aus dem Labyrinth der Unmenschlichkeit heraustreten, wie es die Architektur in Yad Vashem erlebbar macht und sich vom freien Blick der Hoffnung leiten lassen, begleitet von den Seelchen der ermordeten Kinder, denen wir im Mahnmal begegnet sind. 
Sich nicht durch Provokationen, Abgrenzungen, Grenzüberschreitungen, negativen Erfahrungen entmutigen lassen. Konsequent weiter machen, orientiert am Maßstab der Mitmenschlichkeit und der allgemeinen Menschenrechte. 
So entwickeln sich im Miteinander Wege der Begegnung und der gegenseitigen Sorge füreinander, von denen wir viele bewundernswerte Beispiele erleben durften.
Georg

Alltag am Damaskus-Tor

Das gewaltige Ausmaß der israelischen Besetzung und die Unterdrückung in allen Lebensbereichen war mir vor Reiseantritt nicht so klar. Ich wollte ja ursprünglich erfahren, wie Israelis und Palästinenser es schaffen, nebeneinander zu leben und mit gegenseitigen Bedrohungen zurecht zu kommen- und bin wirklich schockiert und entsetzt, gesehen zu haben, wie die Menschenrechte der Palästinenser mit Füßen getreten werden. Die Welt guckt tatenlos zu, oder es wird noch durch Trump Öl ins Feuer gegossen. Nach dem Besuch von Yad Vashem ( mit sehr beeindruckender Architektur und grandios aufbereiteter Ausstellung )reifte in mir der Verdacht, dass die Juden den Palästinensern das antun, was ihnen selbst widerfahren ist. Um nie mehr hilf-und machtlos zu sein und sich nicht  „wie ein Lamm zur Schlachtbank führen zu lassen“, reagieren die Israelis extrem aggressiv und völlig überzogen brutal und begründen ihr Verhalten stets mit dem Deckmantel der Sicherheit.

Das sehr interessante Gespräch mit dem  Vertreter von Al Haq hat die Situation für mich noch einmal auf eine „höhere und objektivierbare“ Ebene gehoben, und in Erinnerung ist mir geblieben, dass es nicht um „pro Israelis“ oder „pro Palästinenser“ gehen kann, sondern um „pro Menschenrechte“. Über 50 Jahre Besatzung führen ja auch dazu, dass sich eine Gesellschaft nicht entwickeln kann. Mit dem Matschotum der patriarchalischen Gesellschaft und der Wertigkeit der Frau in der arabischen Welt tue ich mich allerdings auch sehr schwer. Landschaftlich hat mir das Land sehr gut gefallen; so abwechslungsreich hätte ich es mir nicht vorgestellt, und es war sehr schön, dass Vieles blühte und grünte.

Alle Menschen, die wir trafen, sind großartig, aber am meisten haben mich die Begegnungen und die Arbeit von Ronny Hammermann, Ursula und Faten berührt und persönlich beeindruckt. Es braucht mehr solcher Menschen, um diese Situation möglicherweise doch noch verändern zu können. Auch wenn das Friedensdorf, das wir noch am letzten Tag besuchten, Hoffnung macht, ist meine Stimmung nach dieser Reise doch recht resignativ. Noch nie war ich so erleichtert, wieder in mein auch nicht optimales, aber relativ sicheres Deutschland zurück kehren zu können. 

Martina.

im Garten Gethsemaneh

Wunderschön ist Palästina: bergisch, blühend und nach diesem regenreichen Winter sogar grün. Sehr engagierte und liebe Menschen haben wir kennengelernt. Sie setzen ihre ganze Kraft dafür ein, der drusischen und der palästinensischen Bevölkerung beizustehen, Hoffnung auf Veränderung wachzuhalten und ausländischen Gästen Einblick in die Verhältnisse zu geben. Alle Mitreisenden erlebten die Spannung, in der die Palästinenser leben, fast physisch.  

Diskutiert wurde immer, auch mit unserer jüdisch-israelischen Reiseführerin auf israelischem Gebiet.  Täglich hatten wir beim Passieren der  Checkpoints, der Mauer, Kontrollen  etc. die  Apartheit vor Augen. 

Und dann kam aus Deutschland die Nachricht, dass die FDP einen Antrag in den Bundestag eingebracht hat: Unterstützung Israels bei Abstimmungen im Rahmen der Vereinten Nationen. Zum Glück wurde der Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt. 

Während unserer Reise hörten wir täglich von Menschenrechtsverletzungen Israels: Menschen – auch Kinder und Jugendliche –  werden zu Unrecht und unwürdig gefangengenommen,  sie dürfen ihr Land gar nicht oder unter komplizierten Bedingungen verlassen, ihr Land wird von den Israelis rechtlos in Besitz genommen. 

Fazit für uns: 

1. Menschenrecht für alle, Palästinenser und Israelis.
2. Das Recht die jeweils eigene Religion in einem säkularen Staat  ausüben zu dürfen.
Friedhelm und Gisela

auf dem See Genezareth

Was mir bleibt von der Reise sind vor allem die Begegnungen mit wunderbaren und sehr authentischen Menschen, insbesondere Frauen, die sich trotz der schwierigen und angespannten politischen Lage sehr für Menschen- und Frauenrechte und die Linderung der Not ihrer Mitmenschen einsetzen. Das gibt diesen Menschen Stärke und auch Kraft weiter zu machen und nicht aufzugeben. Für mich war das manchmal kaum vorstellbar, dass sie nicht resignieren, wenn fast jeden Tag dort auf Menschen geschossen wird, Menschen eingesperrt werden, Frauenrechte kaum existieren.

Eine besonders schlimme Situation war der Besuch des Kinderheimes in Bethlehem. Hier müssen Frauen ihre Babys im 6. Monat gebären und zurück lassen, damit die Gesellschaft nicht mitbekommt, dass sie unehelich schwanger geworden sind und ihre „Ehre“ und die ihrer Familie erhalten bleibt. Das habe ich als sehr unmenschlich erlebt.

Es gibt viele Widersprüche in diesem Land, sowohl auf israelischem als auch auf palästinensichem Gebiet. Ich habe diese Widersprüche als Zerreißprobe erlebt und empfand die Reise sowohl physisch als auch psychisch sehr anstrengend. Es wirkt auch noch vieles nach! Trotz allem bin ich froh, dass ich mir mit Hilfe einer guten Reiseleitung selbst ein Bild vor Ort machen konnte. 

Die biblischen Orte, die wir besuchten, waren für mich nicht so spannend. Es war eher abstoßend, wie diese Orte überrannt werden und wie kitschig sie zum Teil herausgeputzt sind. Was mir dazu bleibt, ist eher ein Gesamteindruck vom Land und wie es zu der Zeit von Jesus gewesen sein könnte.
Brunhilde

die Wüste blüht

Eine dichte und bewegende Reise hat mir ungewohnte Perspektiven eröffnet. Insbesondere die Begegnung mit aktiven Frauen, die neben ihrer persönlichen Lebensführung Zeit und Energie für das Gemeinwesen, für benachteiligte Personen oder Gruppen aufbringen, nötigt mir höchsten Respekt ab. 
Ich wünsche den Frauen und Männern einen nicht nachlassenden Mut, das Licht auf ansonsten ungesehenes Unrecht zu lenken und durch ihr Verhalten für die Einhaltung internationalen Rechts zu kämpfen. Unser letzter Programmpunkt vor der Rückreise brachte das große Dilemma und die Hoffnung im Kleinen auf einen Nenner. Jenes einzige Dorf im Kernstaat Israel, wo Juden und Araber zusammen leben, zeigt, worauf es ankäme. Im Sprechen über das Geschehene, im Erleben und Fühlen des Gegenübers kann ein heilsamer Prozess angestoßen werden, der hoffentlich Nachahmung findet! 
Paul

Blick auf den (Ost-) Jerusalemer Stadtteil Silwan

Ich bin mit der Motivation auf diese Reise gegangen mein Schulbuchwissen mit Begegnungen und verschiedenen Sichtweisen anzureichern und wurde nicht enttäuscht. Es hat mich sehr gefreut, Daoud Nassar auf dem Weinberg statt im Klassenzimmer wiederzutreffen und auch über die wertvolle Arbeit seiner Frau Jihan zu erfahren. Sie führt im Dorf Nahalin ein Women Center wo sie u.a. Englisch- und Erste Hilfe-Kurse für palästinensische Frauen anbietet. Die starken Frauen, welche sich auf beiden Seiten für den Frieden einsetzen, haben mich sehr beeindruckt. Im scheinbar Kleinen Grosses zu bewirken oder anders: Die Gräber Gräber sein lassen und sich um die Lebenden kümmern – das birgt für mich den Kern, der Schwester Rosa angesprochen hat. Kamal Mukarkers Aussage: „Eine Lösung des Konflikts kann es nur mit einem säkularen Staat Israel neben einem säkularen Staat Palästina geben“ hat mir eingeleuchtet zusammen mit Amjad Mitris Aussage, dass es nicht darum gehe pro-Israel oder pro-Palästina zu sein, sondern pro-Menschenrechte. Wer mit offenen Augen durch Israel reist, sieht, dass da etwas falsch läuft: Trotz buntem Treiben in der Altstadt in Jerusalem, dem Vogelgesang im Kibbuz, der Ferienstimmung am Toten Meer, der Stille in der Wüste – immer wieder ist da das Militär, die Waffen, verminte Gebiete, die Checkpoints, die Mauern, der Stacheldraht, die mobilen Straßensperren.

Ich hoffe, die Israelis lassen sich am 9. April nicht durch das ewig gleiche Argument der Sicherheitspolitik beeinflussen und wählen keine Hardliner.

Ich hoffe auch auf politische Veränderungen in den palästinensischen Gebieten. Ich hoffe, die Menschen lassen sich nicht radikalisieren und zur Gewalt verleiten und wehren sich gegen die zunehmenden Entwicklungen in Richtung Polizeistaat. 

Ich hoffe, es werden auf beiden Seiten konsensfähige PolitikerInnen gewählt, die sich für einen dauerhaften Frieden mit ihren Nachbarn einsetzen. 

Von den Eindrücken dieser Reise werde ich noch lange zehren und denke, dass die nette Dame am Empfang der Abraham Herberge recht hatte, als sie mir beim Abschied sagte: „I think you will come back!“
Andrea

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