Der regelmäßige Leser meines Blog`s weiß es….ich bin der arabischen Knafeh „verfallen“: denn wer einmal Knafeh probiert hat (besonders die im arabischen Raum unbestritten „Beste“ aus Nablus, will nicht mehr aufhören zu essen. „Vorsicht Suchtgefahr!“
Gestern war ich in der Altstadt von Beit Sahur (einem Nachbarort von Bethlehem) unterwegs. Als ich durch eine offene Türe sah entdeckte ich Berge der dünnen gelblichen Teignudeln, die zur Knafeh gehören wie der (Ziegen-)Käse. Bei mir war Emad der, dank seiner arabischen Muttersprache um Erlaubnis bitten konnte, dass wir uns einmal umsehen konnten. Hier wird also die Teignudel hergestellt aus Mehl, Wasser, Fett, einem „Stabilisator“ der wie das spezielle Farbmittel aus der „Knafeh-Hochburg“ Nablus stammt.

auf dem großen Rad im Hintergrund werden die Teigfäden glatt gestrichen

Der fertige Teig wird dann durch extra gefertigte dünne Düsen gepresst, so dass dünne Fäden entstehen. Diese wiederum werden auf einem großen Rad (1m im Durchmesser) verteilt verteilt und jeweils auf etwa einem halben Meter Länge geschnitten. Die Portionen, die für die Knafeh genutzt werden, kommen dann in einer Mischmaschine gleichenden Trommel, werden mit dem gelben Farbstoff vermengt und anschließend eine Nacht zum trocknen ausgelegt. Anschließend werden die harten Nudeln zerkleinert. Diese Nudelmasse kommt dann auf beide Seiten des Käses der unter Feuer erhitzt und zum Schmelzen gebracht wird. Das ganze wird mit Zucker (Rosen-) Wasser je nach Geschmack gesüßt.

in der „Trommel“ wird der Teig mit der gelben Farbe vermengt.

Hier wurden im Übrigen neben den „Fadennudeln“ für die Knafeh(die man bei uns in

„Teig-Nester“ bereit zum füllen

Deutschland auch in türkischen Läden bekommt), auch kleine „Nudelnester“ hergestellt, die dann mit allerlei leckerem (Honig, Nüsse, Pistazien etc) gefüllt werden können.

Ein interessanter Einblick in ein Handwerk, dass den jungen Mann (etwa 30 Jahre alt), und seinem Bruder ein sicheres Einkommen garantiert, denn Süßes essen alle Palästinenser (wie ich auch….), für ihr Leben gerne.

Schwester Valeria: „Das Leben dreht sich bei uns um das Menschliche“

Schwester Rosa (re) mit Anja

Auch gestern habe ich noch einen kleinen Abstecher in das wunderschöne Artas-Tal gemacht. Dort wollte ich nach der „Blitzbegegnung“ am Sonntag, Schwester Rosa noch einmal treffen. Leider hatte sie auch heute wenig Zeit, konnte Anja, Emad und mir noch kurz die Geschichte des Klosters erzählen, das Anfang letzten Jahrhunderts gegründet wurde. Derzeit sind 5 Schwestern eines italienischen Ordens hier. Schwester Rosa stammt aus Argentinien, zwei Schwestern kommen aus Indien, Schwester Valeria aus Jordanien. Sie ist seit mehr als 50 Jahren hier vor Ort, hat also auch die zeit der Besatzung vollständig mit bekommen. Sie erzählte uns, das sie bevor die Trennungsmauer errichtet wurde, noch regelmäßig nach dem 10 km entfernten Jerusalem fahren konnte. Dies sei heute für sie, als Jordanierin nicht mehr möglich. Verstehe so etwas wer will, eine 72 jährige Schwester darf nicht zu den christlichen Stätten in Jerusalem: Sicherheitsgründe oder doch nur Schikane.

die Quelle in Artas hilft bei Wassermangel

Und wie soll man es bezeichnen das die Menschen im Dorf Artas, wie wir hörten, oftmals wochenlang kein Wasser haben, obwohl sie in einem der wasserreichsten Gegenden von Palästina leben, obwohl mitten im Dorf eine Quelle selbst in den heißesten und trockensten Sommer nicht versiegt. Man kann sicher sein, dass die israelische Siedlung Efrat deren Bewohner von der Höhe in das grüne Tal schauen, keinen einzigen Tag ohne fließend Wasser auskommen müssen

Am Kloster befindet sich ein Kindergarten in dem nicht nur die Kinder aus dem, dem Kloster gegenüberliegenden großen Dorfes Artas gehen, sondern auch Kinder aus dem 5 km entfernten Dorf Al Khadir. Insgesamt sind dort etwa 80 Kinder (im Alter von 4-5 Jahren) unter fachkundiger (palästinensischer) Betreuung. Schwester Rosa betreut an der Klosterpforte eine Krankenstation, einige Bewohner des Ortes helfen den großen Klostergarten zu bearbeiten und können die Erträge auf den Märkten der umliegenden Gemeinden verkaufen. Der Erlös dient als eigene Verdienstquelle. Immer ausgebucht sind auch die Volontärstellen des Klosters, meist kommen junge Menschen aus Italien um hier ein Jahr mitzuarbeiten.

Schwester Valeria

Schwester Valeria erzählte uns zum Abschied auch von einem, wie sie es nannte „kleinen Wunder.“ Bei den Auseinandersetzungen zu Zeiten der 2. Intifada, kam es 2002 einmal zu einer Auseinandersetzung zwischen dem israelischen Militär und Jugendlichen aus dem Dorf, die sich hinter dem Kloster versteckt hatten. Auf einmal sei das Kloster in eine Wolke gehüllt gewesen, so das die Jugendlichen, unerkannt ,sich wieder in ihr Dorf begeben konnten.


Tageszitat aus „Recht ströme wie Wasser“

Der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Palästina stieg durch die Unterstützung Großbritanniens von 10 % im Jahre 1917 auf 17,7 % im Jahre 1931 und 28 % im Jahre 1939

Aus: Reisehandbuch Palästina