
Nun bin ich also wieder da, habe die Kontrollen am Flughafen in Tel Aviv gut überstanden.
Wieder war meine Anspannung vor der Passkontrolle gewohnt stark, vielleicht sogar etwas stärker als bei meiner letzten Einreise im März 2023 hatte ich doch, entgegen meiner bisherigen Gewohnheiten mich auch auf der Homepage des auswärtigen Amtes informiert. Da heißt es zu Einreise:
Das israelische Parlament verabschiedete ein Gesetz, wonach nicht-israelischen Staatsangehörigen die Einreise nach Israel grundsätzlich verweigert wird, wenn sie öffentlich und wissentlich zum Boykott Israels aufgerufen oder sich verpflichtet haben, sich an einem solchen Boykott zu beteiligen. Gleiches gilt, wenn sie einer Organisation angehören oder bei einer Einrichtung arbeiten, die zu einem solchen Boykott aufgerufen hat. Hierunter fällt auch der Boykott von Siedlungen im Westjordanland oder Ost-Jerusalem. Ich rufe zwar nicht aktiv zum Boykott auf, auch unterstützt pax christi nicht die weltweite Boykottbewegung BDS* (*Inspiriert vom Kampf der Südafrikaner*innen gegen Apartheid ruft die palästinensische Zivilgesellschaft zu Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel auf, bis dieses internationalem Recht und den universellen Prinzipien der Menschenrechte nachkommt.) Aber man weiß eben nie genau, was in den Computern über einen gespeichert ist. Neu war im Übrigen auch, dass ich mir für die visumsfreie Einreise nach Israel eine vorherige elektronische Einreisebestätigung durch das elektronische System „ETA-IL“ besorgen musste. Ohne diese Bescheinigung, die ohne große Mühe digital zu besorgen war, würde die Fluggesellschaft eine Mitnahme ablehnen. Allerdings heißt es in dieser Bescheinigung ausdrücklich, dass die endgültige Entscheidung, ob ich in Israel einreisen darf, bei der Passkontrolle fällt. Nun ist sie zu meinen Gunsten gefallen, wie schön.

am Airport Bilder der Entführten Israelis
Ich bin mit einer kleine Reisegruppe hier angekommen: Gregor mit seiner Frau Roswitha, beud e kenne ich von der gemeinsamen Unterstützung des Tent of Nations. Außerdem ist Peter mitgefahren, ein pax christi Mitglied aus Köln, den ich im vergangene Jahr kennen gelernt habe. Er war auch sehr aktiv in der Unterstützung der Kundgebung am 15 Februar, hat auch die Kölner Gruppe der GEW beteiligt.
Untergebracht sind wir die ersten drei Nächte im Gästehau der schwedischen Schwestern Brigittinen, am Fuße des Ölberges, wo ich vor 3 Jahren im März 2022 schon einmal Gast sein durfte. Als wir dort ankamen, war es gerade Dunkel geworden und in der beginnenden Dunkelheit strahlte uns der goldene Glanz des Felsendomes jenseits des Tales entgegen.

Mit Peter habe ich mich dann noch aufgemacht um ein wenig die Stimmung in der Altstadt, etwa 15 Geh-Minuten von unserem Quartier entfernt „aufzusaugen“. Mal wider bin ich in Zeiten des Ramadan in Jerusalem, wie zuletzt vor 2 Jahren. Die Altstadt ist voller Menschen, die zunächst alle auf dem Heiligen Platz an der Al Aqsa-Moschee beten, um dann einzutauchen in die brodelnden Gassen. Alle Geschäfte snd offen: Irgendwie ist es wie bei einem großen Volksfest bei uns. Und gleich beschleichen einem die Gedanken: aber hier ist doch Krieg, Gaza ist nicht mehr als 50 km entfernt. Nein heute Abend habe ich nichts von der Stimmung gespürt, die mich zu Hause, bis zuletzt betroffen gemacht hat

Der Mond über den Damaskus-Tor und viel Volk in den Gassen I
Ich bin nun sehr gespannt, wie ich die Stimmung hier in Jerusalem und später ab Mittwoch in Beit Jala und Bethlehem erleben werde. Schon morgen habe ich einige Gesprächskontakte, so u.a. mit Helga Baumgarten, die ich im schönen Café im American Colony-Hotel treffen werde.
Zum Schluss noch ein Hinweis auf einen offenen Brief, den viele Gruppen in Deutschland am Freitag an die Parteien, die nun eine Koalition bilden wollen, geschickt haben.
„Völkerrecht kennt keine Staatsraison“
Damit das (Mit-) Erleben meiner Reise für Euch die Daheim-Gebliebenen auch „vollständig“ wird, werde meinen Tagesberichte auch wieder mit dem Zitat des Tages aus dem Büchlein„Recht ströme wie Wasser“, erschienen im Aphorismus Verlag (ISBN 978-3-86575-054-9) beenden:
Tageszitat aus „Recht ströme wie Wasser“
Wer seinen Freund zu Unrecht verdächtigte, soll ihn gleich um Verzeihung bitten. (Talmud – Bavli Berachot 31)
Hinterlasse jetzt einen Kommentar