Ein Sonntag in Jerusalem

Mehr als an den anderen Tagen bestimmt das Geläut der christlichen Kirchen in dieser „heiligen Stadt“. So haben auch die deutschsprachigen Christen die Möglichkeit katholische und evangelische Gottesdienste in ihrer Sprache zu besuchen.
Da ich nur an einem Sonntag hier in Jerusalem zu Gast bin, habe ich die Gelegenheit genutzt, sowohl das Konventamt in meiner „Heimat“-Basilika-Dormitio um 9.00 Uhr zu besuchen, als auch den Gottesdienst der evangelischen Erlöserkirchengemeine, die ihre Kirche in unmittelbarer Nähe der Grabeskirche, im Zentrum der Altstadt hat (etwa 10 Minuten Fußweg vom Zionsberg) Die Erlöserkirche wurde 1898 in Gegenwart des deutschen Kaiserpaares eingeweiht. Weitere Infos unter: www.evangelisch-in-jerusalem.org

Dormitio-Basilika


Während das Konventamt der Benediktiner in, einem mit Pilgergruppen gut gefülltem Gotteshaus, seinen –für mich gewohnten – ruhigen und mit wunderschönen Gesängen gepaarten 75 minütigen Verlauf nahm, war der Abendmahlgottesdienst der evangelischen Christen für mich schon ein ganz besonderes Erlebnis. Das lag sicherlich zum einen daran das es sehr lange her ist, das ich bei einem protestantischen Gottesdienst dabei war. Der Gottesdienst hier, der um 10.30 begann, war aber gleichzeitig der Abschiedsgottesdienst des hiesigen Probstes, Dr Uwe Gräbe. So nahm er nicht nur, was die Gottesdienstdauer anging (ca. 2 Stunden), es leicht mit den katholischen Brüdern und Schwestern auf, nein er hatte auch, bedingt durch die „Entpflichtung“ des seit 6 Jahre hier gelebt und gearbeiteten Probstes einen besonderen Charakter. Zunächst waren es auch hier wieder, wie vor ein paar Tagen in Tabgha bei der Klostereinweihung, zahlreiche „Ehrengäste“ anwesend: so Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde aus Ramalah, der deutschen Botschaft, Vertreter verschiedene christlicher Kirchen, der jüdischen und der muslemischen Gemeinden. Der Gottesdienst wurde durch eine prächtig gespielte Orgel, einem Violine-Solisten und einem Chor musikalisch wunderbar umrahmt. Mir wurde im Verlauf des Gottesdienstes mehr als deutlich, wie viel Parallelen die katholische und die evangelische Liturgie letztlich verbinden.

die goldene Kuppel des Felsendomes auf dem Tempelberg und "darunter" die West(Klage)-Mauer


In seiner Abschiedspredigt ging Dr. Gräbe natürlich auch auf die hier mit seiner Familie verbrachten sechs Jahre ein, seine Erlebnisse und Erfahrungen in dieser so besonderen Stadt. Er schilderte seine so vielfältigen Erlebnisse und Erfahrungen im religiösen und auch im politischen Bereich. Er sprach von dem Blick von seiner Terrasse auf die drei Kuppel der drei großen Kirchen die die Altstadt prägen: die goldene des Felsendomes, die weiße der neuen großen jüdischen Synagoge und die eher gräuliche der in der direkten Nachbarschaft befindlichen Grabeskirche. So manchmal hätte man bei den Religionsvertretern den Eindruck, dass jeder den anderen davon überzeugen will, das nur sein Gott der wirklich richtige sei.

die weiße Kuppel der neuen großen Synagoge im jüdischen Viertel der Altstadt gelegen


Er sprach auch von seinen Mitarbeitern die zum Teil aus Bethlehem kommend, morgens am Checkpoint nicht wissen ob es 20 Minuten oder zwei Stunden dauert. Bei mir hängen geblieben ist auch eine Grunderfahrung die er hier gemacht hat im „Dialog des Lebens“. Es sei besser zu lernen als zu (be)lehren. Denn wer lernt sei bereit mit anderen zu sprechen, etwas vom anderen anzunehmen, sich zu verändern. Welche guten Gedanken für die oft so unlösbar erscheinende Probleme und Situation hier im Hl. Land, sowohl unter den Kirchen, Religionen wie auch im politischen Bereich.
Der in die Tiefe gehende Gottesdienst endete mit dem Reisesegen für den scheidenden Probst und seiner Familie und dem vom Chor wunderbar vorgetragenen irischen Lied:
Möge die Straße uns zusammen führen
irisches Segenslied
1.
Möge die Straße uns zusammen führen
und der Wind in deinem Rücken sein,
sanft falle Regen auf deine Felder
und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein
Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand,
und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.
3.
Hab unterm Kopf ein warmes Kissen,
habe Kleidung und das täglich Brot,
sei über vierzig Jahre im Himmel,
bevor der Teufel merkt, du bist schon tot.
Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand,
und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.
2.
Führe die Straße, die du gehst
immer nur zu deinem Ziel bergab,
hab, wenn es kühl wird warme Gedanken,
und den hellen Mond in dunkler Nacht.
Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand,
und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.
4.
Bis wir uns mal wiedersehen,
hoffe ich, dass Gott dich nicht verlässt,
er halte dich in seinen Händen,
doch drücke seine Faust dich nie zu fest.
Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand,
und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.

Jerusalem Stadt der extremen Unterschiede

Wer schon mal die Chance hatte nach Jerusalem zu kommen wird es schon mit eigenen Augen gesehen haben: auf engstem Raum stoßen hier nicht nur verschieden Religionen aufeinander, selten gibt es so glaube ich, eine Stadt, wo ein solches Nebeneinander an verschiedenartigsten Kulturen, Menschen, Sitten und Gebräuche auf so engen Raum (1 Quadratkilometer) zu erleben ist.
Ich möchte nachfolgend an verschieden Bildern die ich in den letzten Tagen gemacht habe diese großen Unterschiede auf engstem Raum deutlich machen.

moderne Straßenbahnhaltestelle(die Bahn fährt seit letztem Jahr)


Bushaltestelle am Damakus Tor in Ost-Jerusalem


in unmittelbarer Nähe der Altstadt (Jaffa Tor) die 2007 eröffnete Einkaufmeile im Mamilla-Viertel, hier sollen die Wohnungen im Bereich von 2-3 Mio $ kosten


Einkaufsstraße am Damaskus Tor


schwer bepackt geht es nach Hause


mit leichtem Gepäck


links das Haus ist im Westen, die Unterschiede sind nicht sogleich zu erkennen, das Haus in Ostjerusalem hat neben den Solaranlagen große Wassertanks auf dem Dach, die Nachbarn im Westen haben immer fließendes Wasser

Mutige und starke Frauen in Schwarz

Ich hatte schon in Deutschland von ihnen gehört, auch in meinem speziellen Reiseführer (Reise Know How-Verlag „Palästina-Reisen zu den Menschen“) sind sie erwähnt die „Woman in Black“ www.coalitionofwoman.org

Jeden Freitag Mittag stehen sie mitten in Jerusalem: die Frauen in Schwarz - The Woman in Black


Seit 1987 stehen die Frauen in Schwarz an jedem Freitag von 13.00 bis 14.00 Uhr mitten im geschäftigen Jerusalem auf einer belebten Kreuzung und halten eine Mahnwache ab. Eine Stunde stehen sie da und fordern mit Tafeln auf Englisch und Hebräisch: „STOP THE OCCUPATION“ das Ende der Besetzung Palästinas durch Israel. Sie halten die Angriffe von Vorübergehenden aus, stellen sich aber auch den –wenigen- Gesprächsbereiten. Die Gruppe, die einmal bis zu 150 Mitglieder hatte ist in den letzten Jahren kleiner geworden. Sie wurde für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Ich hatte die Möglichkeit mit zwei schon sehr alten Frauen zu sprechen, die beide der deutschen Sprache mächtig da aus Deutschland kommend: da war Renate Wolfsen, geb. Kaufmann, in Freiburg im Jahre 1928 geboren, 1938 vor den Nazis nach Amerika geflohen, seit 1958 lebt sie in Jerusalem mit ihrer Familie ( sie hat zwei Kinder). Auf die Frage warum sie sich hier engagiert meinte die alte dame das sie gerade mit ihren Erfahrungen in Deutschland weiß wie wichtig es ist frühzeitig seine Stimme zu erheben und zu protestieren.

Renate Wolfson eine alte aber sehr mutige und starke Frau


welch ein Gesicht welch eine Austrahlung


Ähnlich sieht es auch Yaell, 1934 in Hannover geboren, die die Naziverfolgung in Deutschland überlebt hat (das wäre eine abendfüllende Geschichte wie ich das geschafft habe meinte sie dazu…). Sie ist vor 21 Jahren nach Jerusalem gezogen und hofft auf einsichtigere Politiker auf beiden Seiten. Als „Zeitzeugin“ kommt sie wohl hier und da nach Deutschland um vor allem in Schulklassen über Ihre Erlebnisse in der Nazizeit zu berichten.

Yaell mit zwei deutschen Freundinnen eine (rechts) hat auch schon für EAPPI gearbeitet


Nicht unerwähnt sollte sein das eine kleine Gruppe mit israelischen Fahnen gewappnet, auf der anderen Straßenseite gegen die Aktion der Woman in Black demonstrierten. Vor Jahren wo die Gruppe noch größer war seien solche gegenproteste auch schon mal in handfeste Streitereien ausgeartet.
Am gleichen Tag gab es eine weitere Demonstration in Ost-Jerusalem. Ein kleiner Demonstrationszug von Palästinensern und einigen Sympathisanten ging vom zentralen Damaskus Tor zu einer kleinen Siedlung die vom Abriss bedroht ist. Hier wollen die Israelis moderne Hotelanlagen errichten.

Protest am Damaskus Tor gegen Häuserabriss


auch diese Familie soll ihr Heim verlieren


Insgesamt gibt es speziell in Jerusalem viel Grppen, jüdische, christliche und islamische die sich für unterschiedliche Problembereiche im Konflikt zwischen Israel und Palästina vorallem für die betroffenen Menschen einsetzten. Ich werde darüber noch berichten.

Solchen Hotelbauten wie hier im Hintergrund zu sehen, sollen diese ärmlichen Behausungen weichen


Aktueller Nachtrag:
in ihrer aktuellen Onlineausgabe vom 19. mai 2012 beschäftigt sich die Neue züricher zeitung (NZZ) mit dem Konflikt um die Grundstücke in Ost-Jerusalem. Ach die Protestbewegung, die ich ja live miterlebte wird dort erwähnt. Sie demonstriert hier an jedem samstag. Doch lest selbst unter:
www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/geschichte_und_gesetze_1.10745778.html

“Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?”

…so heißt es am heutigen Himmelfahrtstag in der Apostelgeschichte. Für mich, aber auch für einige Männer von Galiläa hatte die heutige Lesung doppelte Bedeutung….in Tabgha, am See Genezareth – auch galiläisches Meer genannt- wurde heute ein Kloster eingeweiht. Seit 1939 beten und arbeiten hier Mönche der Benediktiner Abtei Dormitio wo ich ja seit vorgestern zu Gast sein darf. Hier in Tabgha betreuen sie insbesondere das Heiligtum der Brotvermehrung, das ebenso wie die Marienkirche auf dem Zion Eigentum des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande ist.
Internet: www.dormitio.net/orte/tabgha/index.html

Die "Brotvermehrungskirche in Tabgha - rechts wurde das neue Kloster angebaut


Mit einem Bus fuhren alle Mönche aus Jerusalem, einige Schwestern und auch Volontäre mit einem Bus in etwa 3 ½ Stunden von Jerusalem nach Tabgha. Es war schon ein großes Ereignis. Neben einigen Bischöfen und Patriarchen hier aus Jerusalem, der deutsche Botschafter war angereist und….ja unser Kardinal, Joachim Meißner aus Köln, war in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des o.g. Vereines angereist. Na ja den hätte ich persönlich nicht unbedingt dabei gebraucht, aber so kam es auch zu einer Begegnung von Gnadentalern: Oliver Boss, einigen Leser/innen meines Blog möglicherweise bekannt, kam als langjähriger Sekretär des Kardinals natürlich auch mit. Und er hat schon gestaunt mich hier in Tabgha zu treffen. So erfuhr ich von ihm das Neueste aus der Heimat: Viva wir haben einen neuen Kaplan der nach der Sommerpause in unsere Pfarreien Gemeinschaft kommt.

Großer Einzug u.a. mit Kardinal Meißner und in seinem Gefolge ein Gnadentaler: Oliver Boss


So nun aber wieder zurück an den See. Ich will jetzt nicht länger auf die Messfeier und die Weihe eingehen sondern möchte abschließend einige Bilder sprechen lassen.

Innenhof des neuen Klosters


Kreuzgang mit altem Olivenbaum vor der Kirche


wunderbare offene Kapelle mit direktem Blick auf den See Genesareth


Auf der langen Rückfahrt nach Jerusalemhatte ich Zeit über den Tag und die anwesenden Gäste nachzudenken. Viele die da waren sind eng mit dem Kloster und der Einrichtung in Tabgha verbunden. Schon interessant dass ich, wenn ich erzählte das ich aus Neuss komme, mehrmals gefragt wurde ob ich Frau Werhahn kennen würde. Sie hat sich wohl auch sehr (wahrscheinlich auch finanziell) um diese Einrichtung hier in Tabgha bemüht. Meine Antwort war meist die: ja kennen schon aber nie begegnet da ich in diesen Kreisen ja hier in Neuss nicht verkehre.. 
Hier erscheint die Welt noch in Ordnung. Der Konflikt mit den Palästinensern scheint weit weg zu sein.

Blick zurück auf den See und die galiläischen Berge


Der Eine oder die Andere wird sich vielleicht gefragt haben, wie ging das in der Apostelgeschichte eigentlich weiter mit den Männern aus Galiäa?…In der Apostelgeschichte heißt es weiter:”…Dieser Jesus, der von Euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen”
Wewnn das kein klares Versprechen ist..am heutigen Himmelfahrtstag in Tabgha in Galiläa.

Gespräch mit der „anderen Seite“

Vor zwei Jahren war ich das erste Mal in Israel. Mein Kollege Wilfried Jahn aus Berlin hatte damals Kontakt zu einem jüdisch geprägten Reiseveranstalter: der Jüdische Nationalfonds e.V. – Keren Kayemeth LeIsrael (JNF-KKL). Der Jüdische Nationalfonds wurde 1901 auf dem 5. Zionistenkongress in Basel ins Leben gerufen. Der Fonds sollte es ermöglichen, durch Spenden von jüdischen Bürgern in aller Welt Land im damaligen osmanischen Palästina zu kaufen, Wüstenstriche, Felslandschaften und ausgetrockneten Boden zu erschließen und zu besiedeln. www.jnf-kkl.de
Die Reise wurde hier in Israel organisiert von Keshet einem israelischen Reiseveranstalter.(www.keshetisrael.co.il ) Geleitet wurde die Reise, an der u.a. viele Schweizer und österreichische Juden teilahmen von einem gebürtigen Schweizer Juden, der seit Jahren in Israel lebt: Moshe Gabay. Mit ihm hatte ich mich heute zu einem Gespräch in seinem Büro verabredet. Ich hatte mir erhofft ihm von meinen Erlebnissen auf der „anderen Seite“ erzählen zu können und seine Einschätzung dazu zu erfahren. Ich hatte ihn vor 2 Jahren als einen politisch sehr interessierten, „geschichtsfesten“, aber auch klare Meinung vertretenden Menschen erlebt.
Nachfolgend, das verständlicherweise, nur gekürzt nach meinen Erinnerungen wiedergegebene gut zwei stündige Gespräch, das für mich letztlich die Erkenntnis brachte, das es unbedingt wichtig ist – so auch für die Reisegruppe die ich im Oktober nach Israel und Palästina führe, beide Seiten zu sehen und zu hören.
von höchstem internationalen Interesse
in einem Jahr sind im Libyen-Konflikt im vergangenen Jahr mit bis zu 50.000 Toten mehr Menschen umgekommen als in der ganzen Zeit seit 1948 im Konflikt zwischen Israel und Palästina auf beiden Seiten. Im Syrischen Bürgerkrieg starben bisher `mit bis zu 20.000 Toten schon genau soviel Menschen wie es in der ganzen Zeit in militärische und zivile Opfer auf Seiten Israel gab. Trotzdem ist der Aufschrei der Welt vergleichsweise viel geringer wenn es Konflikte und Opfer in anderen teilen der Welt gibt.

Flüchtlinge
Auch Juden (etwa 600 000) mussten 1948 aus den arabischen Staaten nach Israel fliehen, haben Haus und Grund für immer, sie haben keinen (UN)-Flüchtlingsstatus bekommen, was bis heute (in der dritten Generation, auch das ist einmalig und nur bei palästinensischen Flüchtlingen der Fall) bei den Palästinensern bedeutet, u.a. keine Miete, keinen Strom, kein Schulgeld, kein Geld für die medizinische Versorgung zahlen zu müssen. Diese Flüchtlinge hat der Israelische Staat integriert. Moshe fragt warum hat die UN den Palästinensern als einzige Nation eine eigene Flüchtlingsorganisation „geschenkt“, alle anderen Flüchtlinge werden weltweit von der Un-Flüchtlingsorganisation UNHCR unterstützt. Moshe war vor einiger Zeit in Jordanien: dort leben aktuell (neben den palästinensischen Flüchtlingen 600 000 irakische Flüchtlinge ohne Flüchtlingsstatus.

Flüchtlingslager in Bethlehem


Hebron
Bis zu dem Massaker 1929 bei dem 67 Juden ermordet und alle anderen vertrieben wurden, lebten viele Juden in Hebron, es war also auch eine jüdische Stadt. Man kann es gut sehen an vielen Häusern die früher Juden gehörten sind noch deren Schriftzeichen zu erkennen. Jetzt leben mal gerade 400 Juden in einer Straße in der Stadt. und er fragt mich auch noch: meinst Du wenn die verschwinden gibt es Frieden?

unten Basar, oben wohnen die jüdischen Siedler, da braucht es ein Netz um Unrat der von oben geworfen wird aufzufangen


Siedlungen
Moshe verweist auf die strategische Lage der meisten Siedlungen, die auf den Bergen liegen, dies bedeute mehr Sicherheit und Schutz für Israel. Was ist wenn es in dem benachbarten Jordanien einen politischen Umsturz gibt, die radikalen „Moslem-Bruderschaften an die Macht kommen. Da ist es gut die Berghöhen besetzt zu haben.

Siedlungen zum "strategischen Schutz" auf den Berghöhen - hier bei Jerusalem


Soldaten
Er sieht die jungen SoldatInnen oft mit der ihnen gestellten Aufgabe überfordert, aus der Sorge in schwierigen Situationen etwas falsch zu machen, wird leider oft über`s Ziel hinaus geschossen, was in dem schrecklichen Vorfall in Jenin dazu führte das ein Soldat 2005 aus purer Angst, der 11 jährige Ahmed der vor ihm stand, könne ihn erschießen (und dabei nicht die Spielzeugpistole erkannte) und den Jungen erschoss. Dessen Vater hat später die Organe u.a. das Herz einem jüdischen Kindern gespendet. (hierzu gibt es einen sehenswerten Dokumentarfilm „das Herz von Jenin“, in dem der Vater die jüdischen Familien besucht. Er hat u.a. den deutschen Filmpreis 2009 bekommen.)

Soldaten mit Waffe am Chechpoint


die Sache mit dem Brunnen
Zum Schluss erzählte mir Mosche noch eine Geschichte von einem Brunnen. Irgendwo in Samaria war zwischen einer jüdischen Siedlung und einer palästinensischen Ortschaft war im Tal ein Brunnen der seit Jahren nicht benutz, ja zerstört war. Keinen hat es gekümmert. Die Siedler haben sich eines Tages daran gemacht den Brunnen zu reparieren, um den Brunnen wurde ein kleinen Park angelegt. Eine kleine Idylle war entstanden, so meinten die Siedler. Das sahen die Palästinenser aber ganz anders. Es entbrannte großer Streit darüber, das die Siedler es „gewagt“ hatten auf palästinensischem Grund einen Brunnen zu erneuern.
Dabei haben erst die Juden dafür gesorgt das es hier grün wurde, eine wirkliche landwirtschaft gab es früher hier nicht, so Moshe Gabay.

Morgen ist Himmelfahrtstag: dazu passend die deutsch-lutherische Himmelfahrtskirche auf dem Gelände des Auguste-Victoria-Hospital, nahe dem Ölberg

“Seitenwechsel”

Nach mehr als drei Wochen leben in Palästina habe ich nun heute „die Seiten“ gewechselt. Von Beit Jala mit dem Bus 21 ca. 10 Km nach Jerusalem. Dort wohne ich bei den Benediktinern im Dormitio-Kloster auf dem Zionsberg, unmittelbar an der Altstadt von Jerusalem gelegen.

das Dormitio-Kloster auf dem Zionsberg in Jerusalem


Die Fahrt von Beit Jala, für mich ein „kleiner Schritt“ eine einfache Angelegenheit. Man stoppe den Bus 21, stelle den Koffer in den Kofferraum, löse eine Fahrkarte für 7,20 Schekel und setze sich gemütlich in den Bus. Der Bus fährt über den Checkpoint bei Beit Jala der an der Straße von Jerusalem nach Hebron liegt. Wie ich schon mal erwähnt hatte, kann man von Jerusalem/Israel kommend ohne Kontrolle ins palästinensische Westjordanland fahren, bei der „Ausreise“ wird hier gesondert abgefertigt und kontrolliert, d.h. da hier auch viele Siedler mit ihren Fahrzeugen durchfahren um zu ihren Siedlungen auf palästinensischem Gebiet zu kommen, gibt es ein zwei Klassensystem, da die Spur für die Siedler die meist durch gewunken werden, da die Spur für die Palästinenser die auch ein israelisches Nummernschild haben und passieren dürfen. Die Insassen im Bus, westliche Touristen und solche Palästinenser die eine spezielle ID Karte haben (z.B. weil sie in israelischen haushalten arbeiten und pünktlich zur Arbeit kommen müssen). Diese müssen aussteigen, ihren Ausweis vorzeigen und wieder ein steigen. Alles relativ easy, wenn man mal von den gelangweilten, oft überheblich wirkenden jungen Burschen und Mädels absieht die als israelische Polizisten hier kontrollieren.

der "leichte" Checkpoint bei Beit Jala


Ganz anders ist aber die Stimmung an solchen Checkpoint der Bethlehem mit Jerusalem oder Ramalah mit Jerusalem verbindet. Durch diese Grenzen müssen die meisten Palästinenser die in Jerusalem arbeiten hindurch. Vorletzten Samstag als ich in Ramalah (mein Blog vom 5. Mai) habe ich die Grenzkontrollen am eigenen Leibe gespürt.
Der Gang durch den Checkpoint.

wo geht es hier über die Grenze?


Wenn man aus dem Bus gestiegen ist, steht man erst mal verloren da, hängt sich dann an die vor einem gehenden Mitreisenden und geht hinter her. Alles wirkt kalt, unfreundlich abstoßend. Ich fühle mich ziemlich alleine gelassen und hilflos und rechtlos. Am ersten Drehkreuz geht’s nicht weiter, also versucht man es am zweiten. Dann muss man einen schmalen vergitterten Weg nehmen. Ich frage mich wie kommen hier und an den Drehkreuzen die Menschen mit Gepäck durch?

wie beim Viehtransport


Am 2. Drehkreuz schließlich ein Stau. Heute an einem Samstagnachmittag nicht so lange. An einem normalen Werktag kann es passieren das die Menschen die zur Arbeit nach Jerusalem wollen hier um 4 Uhr morgen anstehen damit sie rechtzeitig um 7 Uhr auf der Arbeit sind(die Strecke von Ramalah nach Jerusalem ist normalerweise in 15-20 Minuten mit dem Bus zu bewältigen). Es kommt aber auch vor das der Checkpoint aus irgendeinem Grund ganz gesperrt ist, dann können die Palästinenser gar nicht zur Arbeit. Und was passiert wenn das häufiger vorkommt….ja richtig dann werden sie entlassen.

Hier war der "Engpass"


Es können immer zwei Menschen durch das Drehkreuz, dann wird es gesperrt. Hinter dem Drehkreuz müssen sich alle ihrer metallenen Gegenstände (Gürel, Handy etc.) entledigen müssen -wie auf dem Flughafen üblich – bevor sie durch eine Metallschleuse gehen. Nach der Schleuse zeigt man einem Soldaten hinter der Glaswand den Ausweis, ich musste meinen noch auf ein Lesegerät legen. Was werden die mit meinen Daten machen frage ich mich. Dann wieder ein Drehkreuz, irgendwann ertönt ein Zeichen und man kann hindurch und ist auf der anderen „freien“(israelischen) Seite und kann wieder in seinen Bus steigen.

geschafft...wir können wieder in den Bus steigen


Ein Erlebnis der „besonderen Art“ was man nicht häufig braucht. Für die Menschen hier ist es allerdings schrecklicher und erniedrigender Alltag.

Nationaler Gedenktag NAKBA – Katastrophe

Ich habe schon in meinem Blog vom 7. Mai im Zusammenhang mit dem großen Flüchtlingslager „Dheishe“ in Bethlehem, über das Elend der mittlerweile mehr als 3 Millionen Palästinenser berichtet, die immer noch darauf warten in ihre Heimat, die im jetzigen Staat Israel liegt, zurückkehren zu können.
Heute am 15. Mai jährt sich dieser Tag der beginnenden Flucht von bis zu 1 Millionen Palästinenser aus Angst vor Massakern durch die israelische Armee, in die umliegenden arabischen Staaten. Noch heute leben die mittlerweile durch Geburten angewachsene Zahl von bis zu 5 Mio Menschen fern ihrer Heimat davon 1,5 Mio in Flüchtlingslagern dort oft unter menschenunwürdigen Bedingungen. Dieser 15. Mai wird nun alljährlich als Nakba dem

Aktionsplakat mit Kakteen, die meist als einzig erhaltenes Merkmal an den Ort erinnern, von dem man vor 64 Jahren geflüchtet ist


Tag der Katastrophe oder Unglück mit Gedächtnisveranstaltungen, aber auch mit Demonstrationen begannen, bei denen es häufig – so 2011- wo es Tote und Verletzte gab, zu Auseinandersetzungen mit der israelischen Besatzungsmacht kommt.
In Bethlehem fand schon gestern eine Aktion statt bei der Kinder in unmittelbarer Nähe zur Mauer , Drachen steigen ließen.

der Drachen überwindet die Mauer


„Ein Mann ohne Land ist ein Mann ohne Ehre“ sagt ein altes palästinensisches Sprichwort. Vor diesem Hintergrund kann man verstehen dass sich viele Palästinenser um dieser Ehre willen an die Vergangenheit klammern. In vielen Hütten wird noch heute der Schlüssel zu ihren Häusern aufbewahrt, obwohl diese gar nicht mehr existieren. Beim Demonstrationszug am Tag der Nakba wird dieser Schlüssel oft als übergroßes Symbol mitgeführt.

ein übergroßes Schlüsselloch, der dazu "passende" Schlüssel ist derzeit in Berlin


Aus Wikipedia:
„Als Nakba oder an-Nakba (arabisch ‏النكبة‎), deutsch Katastrophe oder Unglück, wird im arabischen Sprachgebrauch die Flucht und Vertreibung von etwa 700.000 arabischen Palästinensern aus dem früheren britischen Mandatsgebiets Palästina, das am 14. Mai 1948 als Staat Israel seine Unabhängigkeit erlangte, bezeichnet. Der Exodus der arabischen Bevölkerung aus dem im UNO-Teilungsplan für Palästina als Teil des zu schaffenden jüdischen Staates, der mehr als die Hälfte des Mandatsgebiets ausmachte, begann während des arabisch-jüdischen Bürgerkriegs, der der Annahme des UNO-Teilungsplans im November 1947 folgte und setzte sich im von den arabischen Staaten unmittelbar nach der Erklärung der Unabhängigkeit des Staates Israel begonnen arabisch-israelischen Krieg fort. Aus israelisch-jüdischer Sicht, der sich die meisten christlichen Staaten angeschlossen haben, werden die Kriege als „israelischer Unabhängigkeitskrieg“ bezeichnet. Die Gründe, die zur Flucht von rund der Hälfte der arabischen Bevölkerung des seinerzeitigen britischen Mandatsgebietes Palästina führten, sind umstritten.“

Seit 1949:UNRWA - Hilfswerk der Vereinten Nationen für die palästinensischen Flüchtlinge


Im Jahr 1949 wurde das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, „United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees“ in the Near East (UNRWA) gegründet. Es leistet Unterstützung bei der Befriedigung der Grundbedürfnisse der Flüchtlinge im Gazastreifen und in der Westbank, aber auch in Syrien, Jordanien und im Libanon, vor allem auch in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Notfallhilfe, Erziehung und Ausbildung. Weiter Einzelheiten unter www.unrwa.org

Nachtrag: Während also jährlich am 15. Mai die Palästinenser den Gedenktag eher aufgewühlt und zornig als den Tag der Katastrophe begehen, feiern die Israelis den 15. Mai (der nach dem jüdischen Kalender in diesem Jahr auf den 26. April fiel), als Tag der israelischen Unabhängigkeitserklärung. Ein Datum mit so gegensätzlicher Bedeutung: Hier Trauer und Wut dort Freude und Jubel – Unglaublich!.
Unter dem Titel „1 Day 2 Memoires“ haben die beiden italienischen Photographinnen, die in Bethlehem leben beeindruckende Fotos gemacht, zu sehen unter www.andrea-magda.com dort in der Gallerie

Arabische Beerdigung

Gestern hatte ich nicht nur das traurige Erlebnis, mir den Ort einer Hauszerstörung anzusehen – das hätte mir an einem Sonntag wirklich schon gereicht – ich hatte auch die schon sehr bewegende, aber für mich als Fremder auch sehr beeindruckende Möglichkeit, bei einer Beerdigung dabei zu sein.
Der Sohn einer guten Freundin von Faten war diese Woche bei einem Sprengstoffattentat, dessen Hintergründe wohl noch nicht geklärt sind, in Albanien, wo er seit 15 Jahren lebt und arbeitet, ums Leben gekommen. Er wurde 42 Jahre und hinterlässt eine albanische Frau und zwei kleine Kinder. Er war der Sohn eines Führers der palästinensischen Volkspartei (PPP), die bis 1991 sich kommunistische Partei Palästina nannte, und Mitgliedsorganisation der PLO ist. Allein vor diesem Hintergrund war es wohl auch nur möglich, den Toten so schnell in seine Heimat zu überführen.

Kränze rahmten die Haustür ein


Als wir am Elternhaus des Toten ankamen, in dem auch er aufgebahrt war, hatten sich vor dem Haus schon viele Männer versammelt, die meisten trugen als Zeichen der Mitgliedschaft der PPP ein rotweißes Palästinensertuch um den Hals bzw. am Arm. Alle Frauen, ganz in schwarz trafen sich im Haus. An den Wänden links und rechts der Haustüre lehnten Kränze. Nachdem der Pope eingetroffen war, der Tote gehörte der Griechisch-orthodoxen Gemeinde an, setzte sich der Trauerzug mit durch tiefe Männerstimmen vorgetragenen Trauerliedern in Bewegung. Von der nahe gelegenen Kirche schlug in Sekundenabstand die Glocke. Vorne gingen die Männer mit dem offenen Sarg, dahinter die Frauen, viele laut schluchzend und weinend.

der Trauerzug setzt sich in Bewegung, voran die Männer mit dem offenen Sarg des Toten

...und mit etwas Abstand die schwarzgekleideten Frauen


In der Kirche ging es dann mit einem ca. einstündiger Trauergottesdienst in griechisch-orthodoxem Ritus weiter, der vom höchsten Repräsentanten, dem Patriarchen von Jerusalem geleitet wurde. Zum Schluss gab es Ansprachen vom Chef der PPP und einem Mitglied der Familie. Anschließend verabschiedeten sich viele Männer mit einem letzten Kuss vom toten bevor ganz zum Schluss auch die Mutter und Ehefrau sich laut weinend von ihrem Sohn bzw. Ehemann verabschiedeten. Anschließend brachten die Männer den toten zu seinem Grab, während alle Frauen in einem Haus verschwanden, bzw. an der Kirchentür stehen blieben. Faten hat mir nachher erklärt das es seit einigen Jahren durch den Patriarchen einen solchen Erlass gegeben hat nachdem sich eine Frau in ihrem Leid am Grab die Kleider zerrissen hatte. Die Frauen treffen sich am nächsten Morgen und gehen dann gemeinsam zu Grab.

Todeskarte in Arabisch herausgegeben von der Partei PPP


Mir kam nach dieser auch für mich bewegenden Trauerfeier der Gedanke das sich hier die Tradition, dass Frauen und Männer getrennt teilnehmen, nicht viel von den Traditionen der Moslems oder auch der Juden unterscheidet. Und noch ein Gedanke bewegte mich, wie schmer4zlich so Tod, vor allem wenn er so früh und gewaltsam daher kommt, für die Angehörigen und Freunde ist. Und hier wird oft früh und durch Gewalteinwirkung gestorben.
Nachtrag: Gerade hat mich Elli, meine von mir getrennt lebende Frau angerufen, das heute Nacht ihr Vater, der Opa unserer beiden Kinder, nach langer Krankheit friedlich entschlafen ist. Möge er ruhen in Frieden. Salaam Karl!

Aktuell: Zerstörung eines Restaurants bei Beit Jala durch israelische Streitkräfte

In den letzten Tagen habe ich ja eher von den schönen Seiten hier in Palästina berichtet. Heute nun holte mich die rauhe, friedlose und traurige Realität wieder ein.
Als ich gestern hier bei Faten Mukarker in Beit Jala ankam haben sie es mir schon erzählt: vor einigen Tagen ist hier ohne große Ankündigung wieder ein Haus zerstört worden. Ein beliebtes Restaurant am Stadtrand von Beit Jala, mit wunderschönem Blick auf die Landschaft von Judäa, schaut hierzu mein Bild zum Ende meines Blogs von gestern.

Am 5.Mai gewaltsam in Trümmern gelegt


Heute bin ich nun mit Faten und ihrem Mann Nicola an den Ort des Geschehens. Am 5. Mai kamen die Bagger und haben wie man sehen kann ganze Arbeit geleistet. Das Gebäude des Restaurants stand 12 ½ Jahre und war die einzige Einnahmequelle einer Großfamilie mit mehr als 20 Personen.

Das Geschirr steht im Freien


Die Besitzer wissen nicht wie es weiter gehen soll. Auch das Wohnhaus auf dem Gelände ist vom Abriss bedroht. Wenn man sich umschaut dann weiß man warum hier – auf palästinensischem Gebiet!!- kein palästinensisches Haus stehen soll… Hier ist der Ausbau der israelischen Siedlungen geplant.

das Wohnhaus ist auch vom Abriss bedroht


Ich hatte es ja schon erwähnt, in der Zone C, und dazu gehörte das Gebiet wo das Haus stand, bedarf es einer Genehmigung der israelischen Verwaltung, die lag in diesem Fall, wie häufig bei bauten der Palästinensern nicht vor. Es werden vor allem deshalb keine Anträge gestellt, weil in der Regel der Antrag abgelehnt wird. Und wie bekannt die israelischen Siedler bauen ohne Genehmigung und verstoßen dabei u.a. auch gegen die Genfer Konvention (Artikel 53) die sie selbst mit unterzeichnet haben…

Wie soll es weiter gehen? Einer der Besitzer im Gespräch mit Ehepaar Mukarker


Wer Bilder vom Abriss sehen will kann hier schauen:
www.palestinalibre.org/articulo.php?a=38709

Übrigens: Diese für die betroffenen Familien so tragischen Gewaltmaßnahmen wollen engagierte Israelis nicht länger mit ansehen. Sie haben das „Israelische Komitee gegen Hauszerstörung“ gegründet. www.icahd.org Diese Organisation versucht Hauszerstörungen zu verhindern oder Häuser wieder aufzubauen – häufig genug erfolgt erneut die Zerstörung, manchmal sogar mehrfach. Seit Beginn der Besetzung des Westjordanlandes (1967) sind etwa 18.000 Häuser abgerissen worden.

trotz allem Elend: gastfreundliche Palästinenser

Bildungsarbeit ist Friedensarbeit

Gestern habe ich die christlichen Schule Talitha Kumi besucht. Sie liegt nicht weit von Faten Mukaker`s Haus in Beit Jala entfernt und war auch die Schule aller ihrer vier Kinder.

Ein schönes Schulgebäude


Hier ist Samstag immer Schule doch heute gab es ein besonderes Kulturprogram für die SchülerInnen. Für die Kleinen trat so ein palästinensicher „Hobi“ auf (die Neusser unter den Bloglesern wissen was ich meine) der die Kinder mit seiner Musik zum mitsingen und Mittun anregte. Außerdem trat im Rahmen eines Kulturprogrammes des Goethe-Institutes um die Mittagszeit die junge deutsche Rockgruppe „Auletta“ auf. Leider kam ich etwas zu spät so dass ich sie nicht mehr selbst spielen hören konnte.

gute Stimmung hier


Im Markus-Evangelium heißt es: „Und Jesus ergriff das Kind bei der Hand und sprach: Talitha Kumi – Mädchen steh auf!” – Dieser Spruch ist Name und Programm der Schule. Sie wurde vor 150 Jahren von Kaiserswerther Diakonissen als Kinderheim für arabische Mädchen gegründet und ist heute ein großes Bildungszentrum am Ortsrand von Beit Jala .
Vom Kindergarten bis zum Abitur und darüber hinaus in einer Hotelfachschule bietet Talitha Kumi jungen Menschen eine Perspektive für die Zukunft. “Lernen mit Kopf, Herz und Hand” bedeutet in Talitha Kumi Friedens- und Umwelterziehung, die Vermittlung von Toleranz und Respekt unter den Angehörigen der verschiedenen Konfessionen und Religionen und die Förderung von Mädchen und Jungen zu selbstbewussten, selbstbestimmten Persönlichkeiten.
Die Schule gehört dem weltweiten UNESCO-Schulverband an und wird von der Bundesregierung durch die Entsendung des Schulleiters und Lehrkräften für den Deutschunterricht unterstützt. 850 christliche und muslimische Schüler und Schülerinnen besuchen die Schule.
Der Schulplatz an dieser privaten Schule kostet im Jahr etwa 1.000,-€. Der Trägerverein der Schule, dass Berliner Missionswerk wirbt intensiv um Spenden für eine Schulpatenschaft.

ganz schön stolz die Knaben


Weitere Infos unter www.talithakumi.org und www.jerusalemsverein.de
Neben dieser Schule in Beit Jala gibt es in Palästina drei weitere Christliche Schulen in Bethlehem, Beit Sahour und Ramalah. Aus der Beschreibung der Schulziele im Internet:
„Die evangelische Schularbeit in Palästina bereitet junge Menschen auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vor. Mit innovativen Bildungs- und Freizeitangeboten fördert sie die Entwicklung jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers zu selbstständigen und selbstbewussten Individuen.

Friedens- und Versöhnungsarbeit, Erziehung zu Demokratie und Toleranz, Achtung der Schöpfung, sowie Mädchen- und Frauenförderung sind wichtige Bildungsziele. Neben dem Unterricht bieten die Schulen umfangreiche Freizeitaktivitäten an – wie Musik-, Kunst- oder Sport-AGs. Für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen und Entwicklungsstörungen gibt es Förderprogramme. Sozialarbeiterinnen kümmern sich um traumatisierte Kinder und Jugendliche. Die evangelischen Schulen stehen allen Kindern offen, ob arm oder reich, christlich oder muslimisch.“

Die Schule liegt auf einem Berg. Von dort hat man einen wunderbaren Blick

Palästina ist ein schönes Land