Roni Hammermann: Wir machen einfach weiter…

Ich hatte mich bereits 2013 einmal mit ihr in Jerusalem getroffen, Dr. Roni Hammermann, 2001 Mitbegründerin der israelischen Menschenrechtsorganisation Machsom Watch ( auf Deutsch «Kontrollposten-Wache») Diese Frauengruppe gehört zum harten Kern der israelischen Menschenrechtsbewegungen, die sich dem breiten Konsens widersetzt.
Roni ist eine der vielen starken Frauen, denen ich in den letzten Jahren auf „beiden Seiten“ begegnen durfte. Gestern hatte ich mich wieder mal mit ihr in Jerusalem verabredet.

Ich erzählte ihr zu Beginn unseres Treffens von meiner Wanderung durch das Cremisantal. Auch sie wusste von der positiven Gerichtsentscheidung dort und in Battir. Ihr Kommentar zu diesen kleinen Hoffnungszeichen für die direkt betroffenen Menschen: leider äußern sich unsere obersten Richter nicht zu den wirklich wichtigen Fragen, wie dem Mauerbau, dem andauernden Siedlungsbau oder die damit im Zusammenhang stehenden permanenten Hauszerstörungen. Trotzdem sei es gut, dass es bei diesen privaten Klagen zu einer Entscheidung für die betroffenen Anwohner gekommen sei. Sie wünschte sich auch bei den Verhandlungen vor dem Militärgericht, die sie oft mit ihrer Gruppe „begleiten“ bei den betroffenen palästinensischen Familien „einen längeren Atem“. Oft sei es auch eine Geldfrage (wegen der oft sehr hohen Anwaltskosten) ob jemand bereit sei, gegen eine Entscheidung Einspruch einzulegen, damit der betreffende Fall vor dem obersten Gerichtshof erneut verhandelt werden kann. Oft wird –zu ihrem Bedauern- die „schnelle Lösung“ angestrebt.

leider recht der Bücherschrank in der neuen Wohnung nicht aus
leider reicht der Bücherschrank in der neuen Wohnung nicht aus

Roni berichte auch davon das es seit Jahren, von Seiten der Armee gewünscht, Kontaktgespräche mit Ihrer Gruppe gäbe. Sie und viele aus Ihrer Gruppe sehen diese Gespräche zwiespältig, ja ein wenig als „Wohlfühlfalle“. Für die Armee gelten sie ein wenig als „Feigenblatt“ „wir sprechen doch regelmäßig mit den israelischen Menschenrechtsgruppen.“ Dem erklärten Ziel von Machsom Watch „die Abschaffung der Besatzung“, kommt man durch diese Gespräche keinen schritt näher. „Wir wollen die Besatzung nicht nur schön machen“ so Roni Hammermann.

Roni hatte mir vor zwei Jahren von den Exkursionen berichtet, die man begonnen habe, um interessierte israelische Landsleute an die Orte zu bringen wo Machsom Watch aktiv ist. Diese Touren, die den meist Unwissenden, die tatsächliche Realität der Besatzung aufzeigt, haben in den letzten Jahren zu einem stärkeren Interesse an einer Mitarbeit in der Gruppe geführt.

Zu meiner Frage was Sie und ihre Gruppe zu dem Wahlergebnis denkt sagte mir Roni: „wir werden einfach so weiter machen wie bisher, was sollen wir auch sonst tun….“

Starke Frauen, die von Machsom Watch

 

Über Marius S. 355 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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