Siedler im „gelobten“ aber nicht im eigenem Land

Auszug aus „Kairos Palästina (Kapitel 1.12:
Im Namen Gottes und im Namen der Macht zerstören israelische Siedlungen unser Land; sie kontrollieren unsere natürlichen Ressourcen, auch das Wasser und das Ackerland,und damit berauben sie Hunderttausende von Palästinensern und Palästinenserinnen ihrer Rechte und stehen einer politischen Lösung im Wege

Wie schon mehrfach geschrieben ist „Dahers Weinberg“ von fünf großen israelischen Siedlungen umgeben. In dieser Region leben mittlerweile fast 50.000 Israelis (Tendenz weiter zunehmend) und nur noch ca. 20.000 Palästinenser, (Tendenz weiter abnehmend).Die israelische Verwaltung versucht seit Jahren, der Familie Nassar das Landstück wegzunehmen und der Siedlung Newel Daniel, die in Sichtweite ca. 500m entfernt liegt, zuzuschlagen.


Bild:Newel Daniel
Denn der Hügel der Familie Nassar gilt als der letzte Hügel zwischen Jerusalem und Hebron, den die jüdischen Siedler noch nicht übernommen haben. Wahrscheinlich hat vor allem die enorme internationale Unterstützung geholfen, dass das Land der Nasser`s noch nicht enteignet wurde.
In der Regel läuft der Enteignungsprozess so, dass der Staat Israel ein Grundstück zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Nach einer Weile kommen dann jüdische Siedler mit Wohnwagen, für die dann meist schnell Wasser und Stromleitungen gelegt werden. dann werden die ersten Häuser gebaut und wieder ist ein –nach UN-Regeln- illegale Siedlung gebaut (Siedlung heißt hier nicht unbedingt kleines Dorf, oft sind es auch kleine und mittlere Städte), ein Hügel nach Aussagen der Siedler im ihnen von Gott versprochenen „gelobten“ Land „judaisiert“.


Bild: weitere israelische Siedlung
Seit der Besetzung des Westjordanlandes 1967 durch die Israelischen Truppen (Ergebnis des „sechs Tage Krieges“) wurden bis heute mehr als 200 Siedlungen errichten. In ihnen leben mehr als 300.000 jüdische Siedler. Hinzu kommen nochmals fast 200.000 Siedler die sich in Ost-Jerusalem, ebenfalls seit 1967 besetzt, „einquartiert“ haben.
Ich könnte nicht so einfach in die 500m weit entfernte Siedlung Newel Daniel gehen. Alle Siedlungen sind schwer bewacht ja oft von Mauern umgeben. Eigene geschützte Straßen -nur für Siedler benutzbar- verbinden die Siedlungen mit dem israelischen Kernland. Man erzählt hier, dass für jeden Siedler etwa 100 Soldaten zum Schutz abgestellt sind.
Dennoch hat der Bau auch für die vielfach arbeitslosen Palästinenser etwas zweifelhaftes „Gutes“, beim Bau der Siedlungen und Straßen finden sie oft –die einzige Möglichkeit- zu Arbeit und zum Geldverdienst und können damit ihre Familien einigermaßen ernähren. Man kann erahnen ich welche Gewissenskonflikten diese Menschen stecken.
Die Siedlungen, die gegen UN-Beschlüsse und Weltmeinung in den letzten Jahrzehnten aus dem Boden gestampft wurden sind eine ständige Belastung sowohl in der Beziehung der beiden Völker, als auch im gesamten Friedensprozess. Denn beim Anblick der fünf Siedlungen die den Weinberg umgeben frage ich mich, wie soll das Problem gelöst werden, das in einem Gebiet das den Palästinensern als Land durch die Weltmeinung (UN-Beschluss)versprochen wurde fremde, oft auch aggressive Menschen leben, die häufig nur im Sinne habe die rechtmäßigen Bewohner aus ihrem eigenem Land zu vertreiben.


Bild: Nahalin einziges palästinensiches Dorf/Gemeinde in der Region

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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