Wasser ein kostbares Gut

Recht schnell habe ich hier im Tent of Nations gelernt das Wasser ein kostbares Gut ist.
Obwohl die umliegenden israelischen Siedlungen natürlich an das öffentliche Wassernetz angeschlossen sind hat die Familie Nassar keinen direkten Zugang zur Wasserversorgung. Es ist ihr sogar untersagt einen Brunnen zu bohren. Deshalb ist man hier ausschließlich auf das Regenwasser angewiesen welches vor allem in der Winterzeit aufgefangen werden kann. Hierzu gibt es im tent of Nations einige Zisternen, die derzeit – dank eines guten „Regenertrages“ im letzten Winter recht gut gefüllt sind. War der Winter aber „schlecht“ .was den regen angeht- muss im Sommer Wasser nachgekauft werden. Auch deshalb sind die Volontäre seit einem halben Jahr dabei – wie ich gestern schon berichtet habe- eine neue große Zisterne auszuheben.
Bild aus der im Bau befindlichen Zisterne:

Seit der Besatzung hat Israel den Wasserverbrauch der Palästinenser begrenzt. Israel nutzt jährlich ca. 80% aus dem Grundwasserreservoirs im Westjordanland, die Palästinenser „dürfen“ die restlichen 20% nutzen. Der jährliche Wasserverbrauch der Palästinenser entspricht gerade ¼ der Menge die die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. 580.000 Siedler nutzen derzeit im Durchschnitt 396l pro Kopf und Tag, den Palästinensern bleibt je nach Region und Standort oft nur zwischen 20 und 70 l pro Tag.
Bild einer Waschanlage:

Wasserknappheit im Tent of Nations heißtfür die Besucher/innen und Bewohner/innen konkret
Kein Wasser wird weggeschüttet, sondern z.B. für die Bewässerung der Pflanzen genutzt. Beim Kochen wird z.B. für Nudeln nur so viel Wasser genommen, dass es so gerade ausreicht. Auch wird jeder besucher aufgefordert möglichst das „Kompost-WC“(wir haben früher „Plumsklo“ dazu gesagt) nutzen (ein „normaler“ Toilettengang bei uns braucht 6-11l Wasser) auch soll hier wenig und wenn nur ganz kurz, geduscht werden.
Bild mit Hinweis auf das „Kompost-WC“:

Ich finde es für mich jedenfalls gut und wichtig wieder einmal zu spüren wie lebensnotwendig, aber auch wie kostbar Wasser sein kann.

Über Marius S. 355 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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