wer nicht mit dem Feinde spricht…..

Das wichtigste (für mich) zuerst…

Bin vorgestern am späten Abend gut in Düsseldorf gelandet. Da es derzeit keine Direktflüge von Düsseldorf nach Tel Aviv gibt musste ich mit der österreichischen Airline „Austrian“, mit Zwischenlandung in Wien nach Düsseldorf fliegen. Hier war die Umsteigezeit (wie es wohl heute öfters vor kommt) so knapp kalkuliert, des es mein Koffer zunächst nicht geschafft hat den Flieger nach Düsseldorf zu erreichen. Habe aber soeben erfahren, dass der Koffer heute nachgeliefert wird, es kann also bald gewaschen werden…

Kommen wir zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben…

Ich hatte ja versprochen in diesem letzten Beitrag in diesem Kapitel „Herbst 2019“ für mich, und damit auch für die Leser/Leserinnen meines Blogs, ein kleines Resümee dieser Tage in Jerusalem zu ziehen-

Sabbat in Mea Shearim

Ich weiß nicht ob ihr es bemerkt habt…..
für dieses neue Kapitel „Herbstreise 2019“ hatte ich auf meiner Startseite dieses Blogs eine neue Losung eingestellt. Ich habe dieses Mal ein Zitat der bekannten Jüdin Hannah Ahrendt genommen:

Gewalt beginnt, wo reden aufhört.

Natürlich habe ich diesen Ausspruch von Hannah Ahrendt bewusst mit Bezug zur Situation hier, im Konflikt zwischen den Palästinensern und Israelis, genommen. Seit Jahren gibt es nur selten Gespräche zwischen den streitenden Parteien. Gar keine Gespräche werden mit Vertretern der Hamas geführt, die im Gazastreifen das Sagen haben. Als Grund wird genannt: mit terroristischen Organisationen führen wir keine Gespräche. Waffenstillstandvereinbarungen, wie jüngst nach den Raketenangriffen vor 2 Wochen, werden nur über „Dritte“ meist mit Ägyptern geführt.

auch das fördert Hass und Gewalt: jüdische Häuser, beflaggt mit der Israel-Fahne im palästinensischen Teil der Jerusalemer Altstadt

Ich habe mich sehr gefreut, das die Auffassung, das Miteinander reden immer besser ist, gerade in diesen Tagen auch von einem prominenten Vertreter der israelischen Gesellschaft, zum Ausdruck gebracht wurde

„Wer nicht mit dem Feind spricht, zahlt einen hohen Preis“ sagte Efraim Halevy in einem Interview mit der Berliner Zeitung, das am vorvergangenen Donnerstag (21.11.2019) veröffentlicht  wurde. Halevy war viele Jahre Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad.

Der Aufstieg der Hamas (arabisch für Begeisterung, Eifer und Kampfgeist), soll im Übrigen in den 1980er Jahren von israelischen Behörden als Gegengewicht zur palästinensischen Befreiungsorganisation Fatah (arabisch Eroberung, Sieg) aktiv gefördert worden sein.

Mittwochs ohne

Bisher war es für mich unvorstellbar: ein Klosterleben ohne Gottesdienst.

Seit 1990 besuche ich meist einmal im Jahr für einige Tage ein Kloster um zur Ruhe zu kommen, oder wie man so „Neu-Deutsch“ zu sagen pflegt „Herunter zu fahren“. Es waren immer Klöster der Benediktiner (Münsterschwarzach im Frankenland und Meschede im Sauerland). 

Und eben hier bei den Benediktinern auf dem Zionsberg. Sehr geholfen haben mir beim Ruhe finden immer die gemeinsamen Gebetsstunden, die am Tage verteilt, einem auch helfen, einen gewissen Tagesrhythmus einzuhalten.

die Dormitioabtei (rechts) in der Abendsonne

Ich hatte davon gehört, dass es Pläne gibt, hier in der Dormitio,  große dringend notwendige Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen vorzunehmen. Diese stehen nun unmittelbar bevor und werden wohl Monate, wenn nicht Jahre Zeit in Anspruch nehmen. Vor diesem Hintergrund sind am Montag in der vergangenen Woche einige der Mönche zur „Außenstelle“ in Tabgha am See Genezareth umgezogen. Hier auf dem Zion bleiben nun für die zeit der Renovierung, ständig nur 4-5 Mönche. Deshalb hat der Abt verfügt, dass es bezüglich der Gottesdienste Einschränkungen geben soll. Neben der morgendlichen Eucharistiefeier, die in Verbindung mit dem Morgengebet der Mönche, der Laudes gehalten wird, gibt es „nur“ noch die Vesper am frühen Abend. Das Mittags- und das Nachtgebet entfallen bis auf Weiteres. Am Mittwoch ist ein gänzlich Gottesdienst freier Tag vorgesehen. Ich bin natürlich ein wenig enttäuscht, weil ich eben, wenn ich im Kloster bin, diese Gottesdienste gerne besuche. Aber ich kann es auch nachvollziehen, dass eine solch kleine Mönchsgemeinschaft, in der Woche auch Zeiten braucht um andere (auch) wichtige Dinge zu tun. Denn wenn einer oder mehrere von der (jetzt) kleinen Gemeinschaft, wegen einer unaufschiebbaren Verpflichtungen, nicht an der Gebetsstunde teilnehmen kann, wird es vielleicht schwierig, den Gottesdienst durchzuführen. So ist nun also der Mittwoch, an dem diese Verpflichtungen war genommen werden können, für das Klosterleben ein Sabbat Tag.

Minarett im Flüchtlingslager Anza in Bethlehem

Chor der Muezzime

Wenn man der Bibel glaubt, würde man in dieser Region eher einen „Chor der Engel“ erwarten…gerade jetzt um die Weihnachtszeit

Aber, scheinbar haben sich die Zeiten geändert:

Heute singen in dieser Region fünf Mal am Tag die „Chöre der Muezzins“. Wenn so zwischen 4 und 5 Uhr, am frühen Morgen, die Stille der Nacht ein jähes Ende nimmt, dann beginnen die muslimischen Sänger (ja es sind nur Männerstimmen zu hören) ihr „Tagewerk“. Hier auf dem Zionsberg schallt es aus allen Richtungen „Gott ist groß“

Spaziergang am Sabbat

Mit Gedanken an meine Gefühle gerade am diesem Morgen des Sabbats, wo ich diese entspannte Leben in einem jüdischen Viertel in Jerusalem, mit all meinen Sinnen in mich aufgenommen habe, so entgegengesetzt waren beispielsweise meine Gefühle in den palästinensischen Viertel in (Ost-) Jerusalem, angesichts der oft „verwahrlos“ wirkenden Strassen und Plätze in den sich der Müll „türmt“. Hier erscheinen die Gegensätze, wie die Menschen in einer Stadt leben (müssen), für den Besucher, wie mich, doch fast schon brutal. Schlimm ist aber für mich auch die Erkenntnis das es den Bewohnern (scheinbar) auch gleichgültig ist, in welchen Verhältnissen sie Leben. Das aber auch die politisch Verantwortlichen in Jerusalem, aber eben auch in der Westbank, an dieser Situation, das der Müll überall, im wahrsten Sinne, zu „Himmel stinkt“. nicht wirklich Maßnahmen ergreifen, ist für mich ebenso unbegreiflich.

Isawiya: hier sieht es doch ganz moderat aus

Insgesamt habe ich, gerade in den vielen Gesprächen mit daoud und Fatima, die ihre eigene Situation eben sehr kritisch sehen können, verstanden, dass es neben den (großen) Problemen, die die Besatzung mit sich bringen, eben auch viele Probleme git, für die Palästinenser die eigene Verantwortung tragen.

Noch etwas hat mich in diesen Tagen beschäftigt:
in der letzten Woche wurden alle Schulen im Westjordanland, aus Protest gegen die Schließung der Ost-Jerusalemer- Schulbehörde (durch die Israelis), bereits am Vormittag geschlossen. Keiner der Schüler wurde aber darüber informiert, was der Grund war. Für die Schüler war halt schulfrei, darüber wurde sich gefreut. Hätte nicht da eine Info-Veranstaltung zu diesem „Solidaritätsstreik“ in der Schule, besonders den älteren Schüler/innen die Möglichkeit gegeben, etwas zu der Besatzungssituation zu erfahren. Viele der jungen Menschen, leben seit ihrer Geburt in den Verhältnissen, sie kennen nichts anderes, sie müssen das als „normal“ empfinden. Vielleicht ein wenig vergleichbar mit der Situation der jungen Menschen, hier im Lande. Alle bis zum Alter von 30 jähren sind in einem (vereinten) Deutschland groß geworden. Hier gibt es zu mindestens ((auch in der Schule), entsprechende Informationsmöglichkeiten. Wie ich aus Gesprächen in Palästina weiß, sind solche Infos, über die Geschichte Palästinas im Lehrplan nicht vorgesehen.

und nun kommt auch noch der Nikolaus

wie bereits geschrieben endet nun meine aktive „Blogzeit“. Ich werde zur nächsten Gruppenfahrt vom 8. März 2020 an wieder die Bericht aus der Region Israel&Palästina aufnehmen

Abschließend möchte ich sehr gerne uf die Weihnachtsaktion der Dormitio-Abtei hinweisen: Ich trage deinen Namen in der heiligen Nacht nach Bethlehem.

Mehr dazu findet ihr hier

Über Marius S. 353 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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