
„Paradiese“ nennen die palästinensischen Bauern aus Battir, einem Dorf 10 km südlich von Jerusalem, ihre terrassierten Gemüsegärten. Bewässert werden sie noch heute wie schon zu uralter Zeit mittels eines römischen Aquädukts, das über weit verzweigte Rinnen hangabwärts plätschert. Es handelt sich um eine Idylle in Betrieb, anerkannt von der Unesco seit Juni vergangenen Jahres als gefährdetes Weltkulturerbe. Seit Anfang diesen Jahres ist die Gefährdung praktisch vom Tisch.

Der Plan der israelischen Militärverwaltung mitten durch die Terrassen die Sperrmauer zu ziehen ist durch einen Beschluss des Obersten Gerichtshof in Jerusalem verhindert worden. Der Erfolg ist auch einer ungewöhnlichen Koalition aus israelischen und palästinensischen Umweltschützern zu verdanken. Das dass nun juristisch gescheiterte Vorhaben – teils als mehrere Hundert Meter lange Mauer, teils als Hochsicherheitszaun geplant – eine einmalige Kulturlandschaft zerstört hätte, davon habe ich mich heute bei meinem Besuch in Battir selbst überzeugen können.

Ich hatte die Möglichkeit mit einigen Bewohnern des Dorfes zu sprechen. Alle sind sehr stolz über das Erreichte. Der Erfolg sei ein „Sieg für ganz Palästina“ Vor allem sei es ein Beleg dafür das etwas erreicht werden kann wenn Israelis und Palästinenser an einem Strang ziehen. Zum Abschluss vielfältiger Aktivitäten habe man am 25. Gedenktag zum Mauerfall in Deutschland eine gleiche Aktion gestartet wie in Berlin. Entlang der geplanten Sperrmauer stiegen 100 weiße Ballons in den Himmel.

Die 5.000 Bewohner hoffen jetzt auf den Okotourismus als weitere Einnahmequelle.
Es wurde bereits ein Gästehaus bereit gestellt. Auch gibt es verschiedene Wanderwege in dieser herlichen Judäischen Berglandschaft. Ich bin heute von Battir einen wunderbaren Weg durch das Tal bis nach Beit Jala gegangen. Ein besonderes Erlebnis.
Weitere Infos zu Battir unter www.battirecomuseum.org

Ich möchte am heutigen 30. März aber auch an den palästinensischen Gedenktag: „Tag des Bodens“ erinnern. Am 30. März 1976 wurden bei Protestaktionen sechs junge Menschen getötet und viele Hundert verletzt. In Erinnerung an dieses Datum wird seither der Tag des Bodens in Palästina als Tag des Protests gegen die illegale israelische Besatzung, die fortlaufende Enteignung palästinensischen Landes und die zunehmende Judaisierung der palästinensischen Gebiete und v.a. Ost-Jerusalems begangen. Weitere Infos hierzu unter:
http://www.kopi-online.de/wordpress/?cat=152
Hallo Marius,
Schön, dass Du bei Deiner „Hoffnungssuche“ direkt schon auf ein hoffnungsvolles Beispiel von Solidarität zwischen Israelis und Palästinensern gestoßen bist. Es gibt Sie also doch noch, Diejenigen, die begriffen haben, dass auf die Dauer nur ein Miteinander Überleben sichert. Bemerkenswert auch, dass ein israelisches Gericht so entschieden hat.
Mehr davon.
Herzl. Grüße
Funcky