Frieden braucht Fachleute

Seit Beginn des israelisch-palästinensischen Konflikts wird humanitäre Hilfe geleistet, um die palästinensischen Flüchtlinge aus den Kriegen von 1948 und 1967 oder die notleidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen zu versorgen. Seit vor über zwanzig Jahren der so genannte Friedensprozess im Nahen Osten begann, kommen umfangreiche Mittel dazu, um den Aufbau von staatlichen Strukturen und Infrastruktur zu unterstützen, die palästinensische Wirtschaft zu beleben und die Zivilgesellschaft zu fördern. Insgesamt sollen mehr als 2.500 Nichtregierungsorganisationen (NGO) im Westjordanland und im Gazastreifen tätig sein. Ich kann nicht beurteilen ob alle diese Organisationen sinnvolle und vor allem friedensstiftende Arbeit leisten. Vielfach wird kritisiert das es zu wenig Koordination und Zusammenarbeit gibt. Zu diesen Organisationen gehören seit Anfang 2000 auch Gruppen in den ausgebildete Friedensfachkräfte arbeiten, frei nach dem Grundsatz „Frieden braucht Fachleute“.
Auch Stephan hat vor einigen Monaten eine Ausbildung zur Friedensfachkraft in der Akademie des forums Ziviler Friedensdienst absolviert. www.forumzfd.de
Mit Stephan bin ich heute nach Jerusalem um uns bei zwei NGO`S über deren Arbeit zu informieren. Wie meist sind wir mit dem Palästinensischen Bus, der Bethlehem mit Jerusalem verbindet und der fast vor dem Gästehaus hält, gefahren. Nach ca. 500 Metern kommen wir an den großen Checkpoint den nur Fahrzeuge passieren können.

Checkpoint
Checkpoint


Alle jungen palästinensischen Businsassen (es handelt sich ausschließlich um solche Palästinenser die in Ostjerusalem wohnen, alle anderen dürfen nur – zu Fuß- über den Checkpoint in Bethlehem nach Israel ) müssen aussteigen und werden vor dem Bus kontrolliert. Wie so vieles was das israelische Militär in dem besetzten Palästina veranstaltet ist auch diese Maßnahme reine Schikane, ohne einen nachvollziehbaren Grund.

Wir sind heute zum vierten Mal mit dem Bus über den Checkpoint, zum vierten Mal wurde ein junger Palästinenser (heute eine junge Frau) „herausgefischt“, weil irgend etwas mit den Papieren scheinbar nicht in Ordnung war. Das bedeutet, der Bus fährt ohne die Person weiter. Ich habe früher schon über die Berichte der Soldaten der Gruppe „Breaking the Silence“ geschrieben, die Soldaten haben berichtet das bei Straßenkontrollen oft vieles aus reiner Schikane geschieht, es gibt oft keinen Grund – außer das man die Palästinenser demütigen will. Es fällt mir total schwer in solch einer Situation ruhig zu bleiben.

Wir haben heute zunächst einen Besuch bei der Menschenrechtsorganisation „Society of St. Ives“ gemacht. Hintergrund unseres Besuches war eine Ausschreibung als Managementberater, der die Struktur der Organisation effektiver gestalten sollte. Stephan hatte sich für diese Stelle interessiert.  „Society of St. Yves“ vertritt Bedürftige und Unterdrückte des besetzten Jerusalems und der besetzten palästinensischen vor israelischen Gerichten. www.saintyves.org.il

Jerusalembüro  des forums ZFD
Jerusalembüro
des forums ZFD

Anschließend sind wir auch zum Jerusalem-Büro des forums Ziviler Friedensdienst, das ich bereits im vergangenen Jahr einmal besucht hatte. Seit dem Jahr 1999 ist das forumZFD in Israel & Palästina aktiv. Ziele der Arbeit sind der Aufbau von Dialogstrukturen über Konfliktlinien hinweg und die Förderung von Friedenspädagogik. Dabei gilt es die Grundlagen für einen zukünftigen Dialog zu konfliktrelevanten Themen mit allen Teilen der israelischen und der palästinensischen Gesellschaften zu stärken. Jerusalem ist ein Schwerpunkt der Arbeit. Mit Projekten in Jericho/Ramallah und Tel Aviv sind auch die innergesellschaftliche Konflikte in Palästina und Israel Teil der Arbeit des forumZFD.

Philipp, ein Mitarbeiter des forumZFD, erklärte uns sein gerade begonnenes Projekt, in dem er mit einer palästinensischen Partnerin Studentengruppen Trainings in konfliktsensitivem Projektmanagement hält.

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

1 Kommentar

  1. Lieber Marius, ich kann mich seit über 37 Jahren an diese nette Behandlung der IDF erinnern. Manchmal frage ich mich wie kann eine Demokratie es erlauben.? Frieden braucht mutige Menschen. Wie verhalten Sich die Israelis wenn alle Staatsbürger des Landes werden.! Werden die einheimischen weiter sonderbehandelt? Wie viele Menschen weltweit werden Jerusalem besuchen, wenn es dort Frieden gibt.? Die Israelis und die Palästinanser sollten sich die Frage stellen, was hinterlassen wir unser Kinder?

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