Besatzung? Heute sah ich sie kaum….aber spürte sie doch

Heute nun wollte ich beginnen mit der „Spurensuche“ nach 50 Jahren Besatzung.

Nicht weit von meiner Unterkunft liegen mit dem Westernwall (Klagemauer) und der Al Aqsa Moschee und dem Tempeldom für die Juden und Moslems wichtige Gebetsorte.
Im Juni 1967 konnte die israelische Armee schon nach 3 Tagen den Ostteil von Jerusalem besetzen (für die Juden war es eine „Befreiung“) und so den Zugang zur „Klagemauer“ , der den Juden seit 1948 verwehrt war, sichern. Es gibt anrührende Bilder von israelischen Soldaten die im Gebet versunken an (ihrer) der Klagemauer stehen.
In den nächsten Monaten schon wurde dann durch die Israelis der Platz vor der Klagemauer vergrößert, die dort stehenden Häuser abgerissen.

der Aufgang zum Tempelplatz, im Hintergrund der Westernwall

Der in unmittelbarer Nähe (oberhalb der Klagemauer) befindliche Platz mit der Al Aqsa-Mosche und der Tempeldom konnte bis zu Beginn der 2. Intifada (2000) durch insgesamt 11 Tore betreten werden. Seit dem dürfen nur noch Muslime durch diese Tore auf den Platz. Andere Besucher können nur noch, nach starker Sicherheitskontrolle, über eine Holzbrücke, nahe dem Westernwall, auf den Tempelplatz gelangen.

Wer meine Visitenkarte kennt, weiß, das darauf ein Foto von einem Olivenbaum ist. Der Olivenbaum, der für die Palästinenser so große Bedeutung hat. Ich hatte das Foto 2012 auf dem Tempelplatz gemacht, wusste aber nicht mehr an welcher Stelle. Hier stehen ja Hunderte von Olivenbäumen. Heute nun habe ich ihn gefunden, „meinen Olivenbaum“ mit Hilfe eines Wachmannes der Wagf-Behörde, die auf dem Tempelberg Verantwortlich ist. Als ich ihm meine Karte zeigte wusste er wo ich den Baum finden würde: gleich neben der Al Aqua-Moschee.

 

„mein“ Olivenbaum vor der Al Aqua-Moschee

Heute Nachmittag bin ich in den alten palästinensischen Jerusalemer Stadtteil Abu Tor

Willi-Brandt-Center in Abu Tor, auf der „grünen Linie“

gegangen, nur etwa 1 km vom Zionsberg entfernt. Hier, wo die grüne Linie (die offizielle Grenze zwischen Israel und Palästina) verläuft hat seit 2003 das Willi-Brandt-Center ein Haus angemietet. Leider war das Büro heute Nachmittag geschlossen.
Heute war es mir so, als wäre alles ok. Wenig Merkmale der Besatzung. Die Sonne schien, ja hier und da bewaffnete israelische Polizisten. Aber sowohl auf dem Tempelberg als auch in Abu Tor ein Gefühl von entspannter Atmosphäre. Muslimische Kindergruppen besuchten die Al Aqua-Mosche, in den Straßen

im Gegensatz zu den israelischen Mitbürgern in Jerusalem: Wasserdruck nur durch die schwarzen Wassercntainer auf den Dächern

von Abu Tor spielten die Kinder, die Männer hielten ein Schwätzchen bei arabischen Kaffee. Ja in der ferne sah ich die Mauer,auch hier und da ein mit israelischer Flagge „geschmücktes“ Haus, mitten im palästinensischen Viertel. Da sagt mir mehr meine Erfahrung, dass der „schöne Schein“ trügt, das eben der Alltag für die Palästinenser, auch Jerusalemer Bürger, aber eben ohne die gleichen Rechte wie die israelischen Bürger dieser Stadt. Sie haben nur ein Aufenthaltsrecht, dass sie alle sieben Jahre von den Israelis erneuern lassen müssen, damit sie diesen Status nicht verlieren. Sollten Sie aber zum Beispiel der Ehepartner aus Bethlehem kommen (7 km von Jerusalem entfernt), dann verlieren Sie ihr Aufenthaltsrecht für Ost-Jerusalem.

und zu der Vertreibungspolitik der Israelis, bezogen auf Jerusalem habe ich an anderer Stelle schon geschrieben.

Zitat aus „Recht ströme wie Wasser“ zum 4. April:

Man kann nicht gegen Antisemitismus kämpfen
und gleichzeitig ein anderes Volk unterdrücken.

von Roni Hammermann
morgen werde ich Roni im Übrigen besuchen…..

Über Marius S. 355 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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