Bethlehem Stadt der Extreme: Zwischen Geburtsgrotte und „Schutzmauer“

Für alle christlichen Menschen in der Welt ist Bethlehem die Geburtsstadt Jesus. Auf den nahegelegenen Feldern haben – so die biblische Geschichte – Engeln den Hirten auf den Feldern – die Geburt Jesu als erstes verkündet. Im Lukas-Evangelium heißt es weiter: Und auf einmal erschien mit dem Engel eine große Schar des himmlischen Heeres, die Gott priesen mit den Worten: „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden unter Menschen eines guten Willens!“
Daran musste ich denken als ich gestern den Sonntag in Bethlehem verbracht habe. Bethlehem die Stadt des Friedens, der Versöhnung. Die Realität sieht im Jahre 2012 nach Christi Geburt doch sehr anders aus.
Ich hatte die Möglichkeit Faten mit einer Reisegruppe aus Österreich zu begleiten, die -wie meist bei Reisegruppen üblich- bei ihrer Pilgerreise in Israel, für einen Tag nach Bethlehem ins Westjordanland/Westbank kommen. Nach Bethlehem darf sie der israelische Reiseleiter nicht begleiten, so das dann die palästinensiche Reiseleiterin Faten die Gruppe für einen Tag übernimmt. Überlichweise kommen die Gruppen nur für einen Tag nach Bethlehem besuchen die Felder bei Bet Sahur wo den Hirten die Engel erschienen sein sollen und die Geburtskirche. Meist bleibt dann noch Zeit für einen Besuch in einem der zahlreichen Läden mit Olivenholzschnitzereien, die traditionell nur durch die christlichen Palästinensern erstellt werden dürfen.
Die österreichische Gruppe war darüber hinaus noch Gast bei Faten zu Hause und erfuhr – bei leckeren palästinensichen Essen – so noch etwas mehr über das Leben und den politischen Realitäten in Palästina.
Bei dem Besuch in der Geburtskirche muss man sich auf lange Wartezeiten einstellen bis man dann endlich die kleine Geburtsgrotte erreicht hat.

Bild: Geburtsgrotte

Da wir spät am Tag gegen 18.30 vor Ort waren, war die Wartezeit (ca. 1 Stunde) erträglch. Die Gruppe hatte sogar etwas Zeit in der Grotte zu verweilen. So konnte neben den Worten aus dem Weihnachtsevangelium auch das schöne Weihnachtslied „Stille Nacht“ wie ich hier erfuhr mit österreichischem Ursprung, gesungen werden. sowie der schöne und getragene taize-Gesang Laudate omnes Gentes. Wowh, das gind unter die Haut.
Mit dieser schönen und friedlichen Stimmung brachten wir die Gruppe noch zum Laden mit Holzschnitzerei und dann zum Checkpoint. Die Bilder und Eindrücke dort ließen meine friedvolle Stimmung sofort wieder auf einen „Nullpunkt“ sinken.

Bild: Checkpoint in Bethlehem

Bild: Teil des „Mauermuseums“

Bethlehem die Stadt mir ihrem Extremen, ist für mich an einem Sonntag im April 2012 nur schwer auszuhalten.

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

1 Kommentar

  1. Lieber Marius,

    aus dem Brückentag, der in Berlin ebenso wie das Wochenende fast Jerusalemer Temperaturen bringt, will ich Dir einen kurzen Gruß schreiben. Nicht zur Veröffentlichung in der Kommentarspalte, aber doch als Lesenszeichen.

    Ich finde es beeindruckend, wie Du bislang schreibst, auch die hohe Schlagzahl, auch die Präsentation mit den Bildern. Es scheint Dir aber auch eine Form zu sein fast wie ein Stück Tagebuch. Und ich finde es auch ganz typisch, dass Du bei den ersten Kommentaren, die Du bekommst, gleich so „political correct..“-Kommentare bekommst. Als ob Du ein Leid bzw Leid auf einer Seite ausgrenzen würdest, als ob Du Dich schon auf eine Seite geschlagen hättest, als ob es nicht erlaubt wäre, mal hinter die Mauer zu schauen (in der Tat ist es ja schon so, dass Du nun – so kurz nach Deinem Start – tiefer in palästinensisches Leben eingedrungen bist als 98 Prozent der deutschen holyland-Reisenden. Ganz einfach weil die Busse deutscher Reisegruppen von israelischen Tour Operatern ja gar nicht so weit kommen.

    Ich muss in Israel und Palästina, beim Leiden auf beiden Seiten (und geh erst mal nach Gaza), an diese Maxime von Johann Baptist Metz denken, die bei ihm im Alter nun noch ausgeprägter wird: Unbedingt die Perspektive der Leidenden zu sehen und deren Autorität zu akzeptieren. Vielleicht finde ich dazu von ihm ja mal zwei, drei pointierte Sätze, die ich Dir schicke oder in den Blog stelle.

    Herzliche Grüße in das unheilige Heilige Land

    Christoph

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