Das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI)

Als ich mir im vergangenen Jahr erstmals Gedanken gemacht habe, was ich denn nach dem Ende meiner Arbeitszeit sinnvolles im Krisengebiet Israel/Palästina im Rahmen eines Friedensprojektes tun könnte, hörte ich sehr schnell vom ökumenischen Begleitprogramm EAPPI.
Was macht nun EAPPI? Es ist nun mehr als 10 Jahre her als Kirchenführer in Jerusalem im Jahre 2001 die Idee für ein ökumenisches Begleitprogramm entwickelten. Sie griffen das biblische Wort auf „Komm und sieh!“ und planten ein Begleitprogramm, ähnlich früheren Programmen in Lateinamerika und Südafrika. Die Kirchenführer stellten sich eine „menschliche Kette der Hoffnung auf Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung“ vor, eine konkrete Möglichkeit für Menschen aus aller Welt, auf die Besatzung Palästina zu reagieren.
Die Vision von EAPPI: Es unterstützt lokale und internationale Anstrengungen zur Beendigung der israelischen Besetzung und will zu einer Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts durch einen gerechten Frieden, gestützt auf das Völkerrecht und die einschlägigen UN-Resolutionen, beitragen.
Auftrag von EAPPI ist es, Palästinenser und Israelis bei ihren gewaltlosen Aktionen zu begleiten und gemeinsame Anstrengungen zur Beendigung der Besetzung zu unternehmen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Programms beobachten die Lage und melden Verstöße gegen die Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht. Sie unterstützen Aktionen gewaltlosen Widerstands an der Seite lokaler christlicher und muslimischer Palästinenser und israelischer Friedensaktivisten, gewähren Schutz durch ihre gewaltlose Anwesenheit, setzen sich für politische Veränderungen ein und üben ganz allgemein Solidarität mit den Kirchen und allen, die sich gegen die Besetzung wenden.
Heute hatte ich nun die Möglichkeit einen deutschen Freiwilligen in Jerusalem kennenzulernen, der mir am Ende seines 3-monatigen Einsatzes von seinen Erfahrungen und Erlebnissen berichtete.
Der Weg von Beit Jala nach Jerusalem ist nur ca. 8 km lang, aber es sind Welten dazwischen und vor allem die Schutzmauer und der Checkpoint. Von Bethlehem fährt alle 10-15 Minuten der Bus 21 für 7,30 Schekel(etwa 1,25€) er braucht je nach Verkehr und Dauer des Stop`s am Checkpoint 30 min. bis zur einer Stunde.

Bild am Checkpoint

Hier müssen alle palästinensichen Insassen des Busses aussteigen, alle mit westlichen Reisepässen können sitzen bleiben, aber aus Solidarität steigen viele die sitzen bleiben könnten mit aus, so auch ich. Man zeigt dann einem Soldaten mit gefährlich aussehendem umhängender Gewehr den Ausweis und kann dann wieder einsteigen. Nach etwa 10 Minuten Pause fährt der Bus weiter.

Bild: palästinensiche Fahrgäste müssen aussteigen.

Jerusalem empfänt einem mit quirligem Leben, einer nagelneuen Straßenbahn und vielen Touristen. Ich habe mich mit Bernd im Gartenrestaurant des alt/ehrwürdigen Jerusalem-Hotel verabredet, welches sich ganz in der Nähe des des
Damaskus-Tores einem der Haupteingänge zu Altstadt, befindet.

Bild:Gartenrestaurant Hotel Jerusalem

Von Bernd erfahre ich in dem gut 2 stündigen Gespräch das er evang. Pfarrer ist und sich im Rahmen eines Sabbatjahres als Freiwilliger für dieses 3 monatige Projekt gemeldet hat. Es gibt verschiedene Entsender-Länder und Organisationen, in Deutschland sind es u.a. Pax Christi und das Berliner Missionswerk. Die intensive Vorbereitung auf diesen schwierigen Dienst beinhaltet neben einem gewissenhaften Auswahlverfahren vor allem ein zwei mal einwöchiges Trainingsprgrammen für die deutschsprachigen Teilnehmer in der Schweiz und einem speziellen Siherheitstraining in Köln.
Vor Ort im Westjordanland und Ostjerusalem arbeiten derzeit 8 Teams mit 4-5 Aktiven. Bernd war im „Ostjerusalem-Team“ mit einer Schwedin, einem Schweizer, einer Norwegerin und einem Phlillipinen zusammen. Viele der Freiwilligen sind bereits über 60 jahre. Man lebte gemeinsam in einem Apartement. Hauptaufgaben für sein Team waren regelmäßige Einsätze an verschiedenen Checkpoint`s, dreimal die Woche am großen Checkpoint an der Straße von Jerusalem nach Ramallah. Hier hieß es dann um 3.15 morgens aufstehen, um dann in der Zeit von 4.30 bis 7.30 an der Grenze zu beobachten welche Situation sich für die palästinensichen Grenzgänger ergaben. Alle Beobachtungen werden schriflich festgehalten und verschiedenen Organisaationen u.a.den UN-Behörden gemeldet. Das Team wurde aber auch zur Beobachtung gerufen wenn es zu Häuserzerstörungen kommt oder Palästinenser zwangsgeräumt werden.Die teams werden durch eine Zentrale in Jerusalem begleitet, ua. auch mit regelmäßiger Supervision. Insgesamt stehen in den 3 Monaten jedem 4×3 freie Tage zu. Bernd wird am sonntag sein Projekt beenden und zu seiner Familie nach Deutschland zu rückkehren. Neben der Tätigkeit vor Ort sollen die Projektmitarbeiter/innen auch über ihre Arbeit berichten, einige habe einen Blog eingerichtet, andere so auch Bernd haben Rundbriefe verfasst. (Bernd`s Rundbriefe sind unter der Internetadresse von Pax Christi einzusehen, s. unten)
Nach den zwei Stunden verabschiedete Bernd sich von mir mit den Worten: Nach seiner Einschätzung die er nach unserem gespräch von mir gewonnen hat und seinen eigenen Erfahrungen im Projekt: „Das Programm passt auf dich – Das Progarmm braucht dich“….

Weiter Informationen über EAPPI im Internet unter www.eappi.org oder www.eappi-netzwerk.de
Auch auf der Homepage von Pax-Christi können unter den Themen Friedensdienste und Nahost Informationen eingeholt werden; www.paxchristi.de

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

2 Kommentare

  1. Hallo Bruder,
    toll so dicht beim Lesen deiner Erlebnisse und Eindrücke dabei sein zu können – deine Empfindungen und Gefühle zum Teil spüren zu können. Ich bin erst heute mal wieder auf deiner Seitre gewesen und bin schon beeindruckt, was ich alles lesen und per Bild sehen und miterleben kann! Ich hoffe es geht dir, den Situationen entsrechend ganz gut trotzdem – du hast dort nette Menschen, mit denen du Kontakt hast: noch einen aufbauenden Spruch von mir: Wer Ideen hat ist stark – wer Ideale hat ist unbezwingbar! Oder: „Utopie ist das Vorfeld des Möglichen!
    Pass auf dich auf , bleib gesund und guter Dinge und bis bald
    Liebe grüße Deine Schwester Margret aus dem sonnigen und blühenden Westerwald.

  2. Lieber Marius,
    gut, dass Du auf das EAPPI-Programm aufmerksam machst. Vor gut sieben Jahren lebte ein Studienfreund von mir für einige Monate in einem palästinensischen Dorf auf der Westbank. Hier findet man seine Eindrücke und Berichte:
    http://www.chris-on-the-bike.de/eappi_d.htm
    Dabei wird aber auch deutlich, dass es sehr ernst werden kann, einen solchen Einsatz anzutreten. Und wie wichtig es ist, der Friedfertigkeit verpflichtet zu sein.
    Herzliche Grüße, pass auf Dich auf! Christoph Strack aus Berlin

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