Bilder können Geschichten erzählen

Wenn man wie ich schon häufig nach Palästina gereist ist, konzentriert man sich beim fotografieren mehr auf scheinbar nebensächliche Dinge. Die bekannten Fotomotive, bei denen hier wohl millionenfach Fotos mit Handy`s, Tabletts und den verschiedensten Fotoapparaten/Kameras gemacht werden sind für mich nicht mehr so interessant. Interessanter sind für mich die Motive die ein wenig von der Lebensart der Menschen hier erzählen.

Deshalb will heute mal die Geschichten zu drei Fotos erzählen:

Verkehr

vollbepackt!
vollbepackt!

Da ist dieses mehr als vollgepackte Auto, welches ich in der Altstadt von Bethlehem gesehen habe. Augenscheinlich bringt es den Nachschub für einen Laden. Es zeigt aber auch das der Fahrer es mit den Bestimmungen, was das transportieren der Ware angeht (die es sicherlich hier auch gibt ) nicht so genau nimmt. Dieses Verhalten, es nicht so genau zu nehmen, prägt hier den gesamten Straßenverkehr. Es wird nicht nur (zu) schnell gefahren (bis zu nächsten Bodenwelle), der Sicherheitsgurt wird nur im Bereich der C-Zone angelegt („denn sonst müssen wir an die israelische Polizei 1.000 Schekel zahlen“). Kleinstkinder stehen vorne im Fahrzeug den Kopf am Liebsten aus dem Fenster gelehnt. Bürgersteige, aber auch sonst jede nur erdenklich freie Stelle wird als Parkplatz genutzt. Wenn es einen Stau gibt, dann fährt man halt auf der Gegenfahrbahn, der „Gegenverkehr“ wird schon (aus)weichen. Ach ja und es wird gehupt, nicht um die die anderen zu verscheuchen, nein…. es ist das Signal: Achtung ich komme, pass auf.

 

Balance

alles in der Balance
alles in der Balance

 

Immer wieder sieht man Menschen, wie diese Frau, die ihre Last(en) auf dem Kopf tragen. Ich finde es mehr als bewundernswert mit welchem Balancegefühl diese Menschen ausgestattet sind. Ihr Gang wirkt stolz und sehr beherrscht. Oftmals tragen sie auch noch was in den Händen. Ich habe noch nie etwas auf dem Kopf getragen ohne das ich es mit einer oder beiden Händen abgestützt hätte.

 

 

 

Beton und Müll

Beton&Müll
Beton&Müll

Das eine hat nicht direkt etwas mit dem anderen zu tun. Hier auf dem Bild sind allerdings beide „vereinigt“

Hier in Palästina herrscht ein absoluter Bauboom. Gebaut wird hier vornehmlich mit Beton. Oft sieht man dann „Skelette“ von Häusern, wo nur die Betondecken und die Betonpfeiler nebst Betontreppe zur nächsten Betondecke zu sehen ist. Aber man sieht auch schon Mal so etwas wie „unvollendete“ Bauwerke wie auf denm Foto zu sehen. Oft ist, wie auch hier, nicht ganz klar was die „Betonskulptur“ letztlich werden sollte.

Sie sollte aber sicherlich nicht den Hintergrund bilden für eine Müll- und Plastikhalde mitten in Bethlehem. Aber leider haben die Menschen hier wirklich wenig Empfinden für Sauberkeit. Alles wird einfach weggeworfen, sei es die Plastikflasche, das alte Sofa oder eben auch das Auto. Es tut mir oft wirklich weh das zu sehen. Ich habe nur ganz wenig Menschen getroffen die auch ihr Unbehagen, ihren Missmut äußern, Fatima ist so jemand, die auch versucht im Kleinen ihrer Familie Enkelkinder) ein wenig Bewusstsein zu schaffen. Aber wenn es doch alle anderen machen…..

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

3 Kommentare

  1. Hallo Marius,
    dieses Mal ein ganz anderer Aspekt in deinem Blog, ein Problem, das mir auch aufgefallen ist.
    Als wir auf unserer Fahrt von Tiberias nach Bethlehem durch die ersten palästinensischen Orte kamen, war das erste ,das mir auffiel der Schmutz. Überall liegt der Abfall auf der Straße. Jedes unbebaute Grundstück ist eine Müllhalde. Ich habe das als sehr abstoßend empfunden.In Palästina ist vieles nicht in Ordnung. Wenn auch hier wieder die Besatzer eine unselige Rolle spielen, weil bewußt und gezielt der Ausbau einer Infrastruktur einschließlich Müllentsorgung vernachlässigt wird, für das Vermüllen ihres Wohnumfelds müssen die Palästinenser schon auch sich selber Schuld geben.
    Günter

    • ……habe mir damals vor Ort bei solchen Anblicken auch manchmal die Frage gestellt:
      Kann eine Volk sein Land wirklich lieben, wenn es dies selber so vermüllt ?

      Johannes

  2. Lieber Marius,
    Ich wollte es nicht ohne Kommentar so lassen. Das Problem mit dem Müll in Palästina ist tatsächlich ein Erziehungsproblem. Wenn Kinder das nicht einmal Zuhause lernen, die Umwelt freundlicher zu betrachten, hätten wir das Problem nicht. Ich kann mich an einem in Deutschland ausgebildeten Doktor der Naturwissenschaften erinnern. Während der Fahrt in seinem Auto in Ramallah hatte er eine leere Plastikflasche aus den Finster weggeworfen.
    Ich fragte ihn, warum hat er das gemach ? Er antwortete: die Natur hier und die Sonne zerstören alles mit der Zeit!!!! Er war Stipendiat in Deutschland. Hat dort eine leitende Position Bekommen. Ich war erstaunt, mit welchen Argumenten wird interpretiert.!
    Ich möchte das so interpretieren ! Es fehlt in der Tat an Heimatliebe! Keiner hat Mitleid mir der Straße oder mit der Umwelt. Der Grad der Zivilisation wird an so was bemessen.

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