die Straßenbahn Linie 1

die Linie 1

Die derzeitige große Anspannung in Jerusalem ist auch in der „Linie 1“ zu spüren, der bislang einzigen Strecke der Stadtbahn. Alle paar Minuten fährt ein Zug vom Herzl-Berg durch Westjerusalem bis zur Altstadt und dann entlang der Demarkationslinie zum eingemeindeten palästinensischen Stadtviertel Schuafat in Ostjerusalem. Von dort aus geht es weiter bis nach Pisgat Seew, einer israelischen Siedlung im Einzugsbereich vom Rathaus Großjerusalems.

die Linie 1
die Linie 1

die Strecke der Linie 1

Seit drei Jahren gehört die hochmoderne, silberfarbene Bahn zum Stadtbild von Jerusalem. Ich als „alter“ Straßenbahn Liebhaber habe mich sehr gefreut, dass es diese Möglichkeit gibt Jerusalem auf Schienen zu durchqueren. Wusste allerdings auch, dass die Linienführung der Straßenbahn für die Palästinenser ein großes Problem darstellt, verfestigt sie doch Augenscheinlich damit die Ansprüche der israelischen Regierung nach einem einheitlichen (ganzen) Jerusalem. Deshalb sieht man auch nur wenige Palästinenser in der Bahn, obwohl es auf der Fahrt nach Pisgat Seew  einige (wenige) Haltestellen in palästinensischen Stadtteilen gibt.

Die Abteile sind klimatisiert und großzügig. Der Geräuschpegel der Motoren ist so niedrig, dass man ihn kaum wahrnimmt. Die Fenster haben kugelsichere Scheiben, und die Abteile sind übersichtlich für das Sicherheitspersonal, das regelmäßig vor allem die Fahrgäste kontrolliert, die arabisch aussehen.

Seit einigen Wochen ist alles nun noch etwas anders. An der Haltestelle Amon Hill (drei Haltestellen vom Damaskus Gate entfernt)kam es jüngst zu einem Unfall. Oder Anschlag. Je nachdem, welchem Narrativ man folgt. Ein

Haltestelle Shuafat
Haltestelle Shuafat

Palästinenser raste mit seinem Pkw in eine wartende Menschenmenge, tötete zwei Menschen und wurde selbst erschossen.(ich habe berichtet). Vor einigen Tagen gab es ganz in der Nähe des ersten Vorfalles eine weiteren Anschlag. Auch hier gab es einen Toten, auch hier wurde der palästinensische Autofahrer getötet.

Gestern habe ich mich vor Ort umgeschaut. Überall sind nun an den besagten Haltestellen zwischen Damaskustor und Shuafat Sicherheitskräfte an den Haltestellen und auch in der Bahn. Die Haltestellen sind mit großen Betonklötzen gesichert. In der Bahn sieht man nun (fast) keinen Palästinenser mehr. Auch die jüdisch/israelischen Fahrgäste scheinen angespannt.

Erinnerung an einen jungen Palästinenser
Erinnerung an einen jungen Palästinenser

Wer an der Haltestelle von Schuafat einsteigt, hat keine andere Wahl, als schwarzzufahren. Es sei denn, er hat sich vorher schon einen Fahrschein besorgt. Der Ticketautomat ist komplett zerstört, und in der Bahn kann man nur abstempeln.Direkt neben der Station, an der auch israelische Sicherheitsleute Posten bezogen haben, ist die Moschee, in der Mohammed Abu Chdeir täglich betete. Das Elternhaus des 16-jährigen Palästinensers liegt keine zehn Meter entfernt. Nur ein paar Schritte musste der Junge laufen. Seinen Mördern reichte das kurze Stück, um ihn (im Juni 2014) einzufangen und zu töten. Dieser Vorfall war einer der Auslöser des jüngsten Gaza-Krieges.

Im Internet habe ich nachfolgende Beschreibung aus der „Welt“ zur Fahrt mit der Linie 1 durch Jerusalem gefunden, deren Link ich bei aller Widersprüchlichkeit in der derzeitigen Situation diesem Tages-Blog anhänge

Mit der Straßenbahn durch die heilige Stadt

www.welt.de/reise/article125006590/Mit-der-Strassenbahn-durch-die-heilige-Stadt.html

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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