Ich bin doch kein Terrorist, aber ich habe mich heute so gefühlt

Das habe ich noch nie gemacht, bei meinen vielen Reisen nach Israel&Palästina.

Das ich noch im Airport Ben Gurion in Tel Aviv eine Blogbericht geschrieben und ins Netz gestellt habe. Aber die heutigen Erlebnisse bei der Ausreise(!) haben mich derart berührt, ja regelrecht „fertig“ gemacht, so das ich froh bin mir den Frust von der Seele geschrieben zu haben, und dank der heutigen Technik habe ich auch die Möglichkeit meinen Blogbericht, an Ort und Stelle, ins Netz zu.

Ich verspreche morgen schreibe ich das Fazit meine Reise mit einem Ausblick. Ich hoffe heute kurz vor Mitternacht zu Hause zu sein „Inch Allah“

wir haben doch nur Tomaten gepflanzt….

Nun sitze ich hier am Flughafen in Tel Aviv, habe wieder eine solch intensive Kontrolle hinter mir, die alles, was ich bisher in den 10 Ausreisen seit 2012 in „den Schatten“ stellte. Es fing, wie immer eigentlich ganz unverfänglich an…“How are you?“ fragte mich die, wie immer junge, Mitarbeiterin des privaten Sicherheitsdienstes. Irgendwann habe ich dann gesagt, dass ich innerhalb der drei Wochen auch einen Besuch auf dem Weinberg gemacht habe: „Was haben sie dort gemacht? „Tomaten gepflanzt“ war die (ehrliche) Antwort. Aber das interessiert eben nicht, sondern warum ich zum Weinberg komme, woher ich ihn kenne, ob ich allein dort hingefahren sei, ob Daoud ein Fraund von mir sei, ob ich dort Geld verdient hätte, warum ich das mache und so weiter. Da ich scheinbar mit diesen Kontakten„sicherheitsrelevante“ Bereiche berührt habe, wird die Vorgesetzte informiert, die stellt die gleichen Fragen, dann kommt die Vorgesetzte der Vorgesetzen. Hier habe ich auf die („Floskel“ Anfangs-Frage:“How are you?“ ehrlicherweise „Im feeling now bad“ geantwortet: „Why?“ war die Gegenfrage, da konnte ich nur zynisch lächeln. Irgendwann habe sie eine des Deutschen mächtige junge Frau hinzu geholt, die recht freundliche und eben auch verständnisvoller aber noch einmal die gleichen Fragen stellte und meine Antworten dann übersetzte. Nach gefühlten Stunden war ich ziemlich fertig und man stellt sich auch die Frage warum tue ich mir das eigentlich an. Ich glaube, dass meine Erlebnisse und Begegnungen hier die Antwort sind.

ich hätte hier am Airport bei der Befragung gerne Bilder des Erlebnisgartens auf dem Weinberg gezeigt

Es war aber noch nicht vorbei. Ein neuer Mann begleitete mich mit meinem Gepäck zum Check-Inn Schalter meiner Fluggesellschaft. An der Schlange vorbei wurde mein Koffer dort abgegeben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er gleich geöffnet wird und seine Inhalte genauestens untersucht werden. Olivenoel und Zatar, das herrliche Tymiangewürz aus Zatar, dem Heimatort von Fatima, wird man finden und (auch) riechen. Ach ja, von meinen häufigen Kontakten zu Fatima, noch gestern habe ich sie in der Jerusalemer Altstadt getroffen, habe ich hier auch nichts erzählt. Oh je was wäre das noch geworden.

Jetzt stand mir noch die „spezielle“ Kontrolle meines Handgepäcks und von mir selbst bevor. Der gelbe Aufkleber, den man auf meinem Pass befestigt hatte, weißt darauf hin, dass eine Sonderkontrolle nötig ist. So wie ich es schon im Herbst letzten Jahres mit meiner Gruppe erlebt hatte, wurden alle Gegenstände in meinem Gepäck mit einem Fühler auf Sprengstoffspuren untersucht. Damit aber nicht genug. Ich persönlich wurde so intensiv durchsucht, wie ich es auch noch nicht erlebt habe. Das die Schuhe untersucht werden kannte ich schon, das man aber auch (mit Handschuhen versteht sich) meine Strümpfe ganz gefühlvoll betastete, ebenso meinen Hosensaum war für mich neu. Das mit dem Ganzkörperscanner kennt man am Flughafen in Düsseldorf auch schon, das ich aber mein (nicht mehr so sauberes) Stofftaschentuch vor der Kontrolle aus meiner Hose entfernen musste war auch neu. Gerade habe ich im Wartebereich sitzend festgestellt, ich habe es dort liegen gelassen 🙂

ich fühlte mich wie „Hanzala“

Eine Frage treibt mich jetzt noch um: Wurde Ministerpräsident Kretschmar, der vor einigen Wochen ebenfalls den Weinberg besucht hatte, genau so intensiv befragt und sein Gepäck kontrolliert?


Tageszitat aus „Recht ströme wie Wasser“

Unter Glaubensgeschichten verstehe ich die Geschichte des uns bekannten menschlichen Anteils daran, was zwischen Gott und Mensch geschehen ist. Unter Glaubensgeschichte Israels verstehe ich demgemäß die Geschichte des uns bekannten Anteils Israels daran, was zwischen Gott und Israel geschehen ist.

Es gibt ein Etwas in der Glaubensgeschichte Israels, das nur von Israel her zu erkennen ist, wie es ein Etwas in der Glaubensgeschichte der Christenheit gibt, das nur von ihr aus zu erkennen ist. An dieses Zweite habe ich nur mit der unbefangenen Ehrfurcht des das Wort Hörenden gerührt

Von: Martin Buber.

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

3 Kommentare

  1. Lieber Marius,

    vielen Dank für Deinen einfühlsam geschilderten Blog. Beim Lesen wird man vom Heiligen Zorn erfasst. Ich wünsche Deinen Erfahrungsberichten sehr viele Leser, auch wenn sie diesmal bislang unkommentiert geblieben sind. Herzliche Grüße. Dieter

  2. Lieber Marius, schade, dass das Ende Dir Deine Reise versauert hat. Aber ich denke, das ist die Idee dahinter: es jedem mühsam und unerfreulich zu gestalten, der sich auf das Thema Palästinenser und ihre Rechte einlässt. Bei meiner Ausreise 2002 hatten sie mich auch dermaßen auseinander genommen, dass ich mir damals geschworen habe, nie mehr nach Israel zu reisen. Hat dann aber doch nicht geklappt. Mit etwas Abstand hat die Ratio wieder die Oberhand gewonnen und die Erinnerung an den Satz „Kommt uns besuchen, lasst uns hier nicht alleine.“ Damals hatte ich übrigens Gabriel in einem Kibbutz getroffen und ich finde es bemerkenswert, dass er seiner Gesinnung treu geblieben ist. Er hat bei mir wieder gepunktet.

  3. tja, obwohl ich (leider) schon lange nicht mehr dort war, aber das scheint sich leider immer noch nicht geändert zu haben bzw. war bei mir immer schon so, war immer schon verdächtig, auch wenn ich zeitweise fließend Hebräisch sprach – aber Kontakte zu Arabern hatte ich natürlich auch immer, wie auch sonst?;-) Heiliger Zynismus…

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