Wiedersehen mit Fatima

Fatima mit ihrem jüngsten (16.) Enkel

Wer meine Berichte vom vergangenen Jahr gelesen hat wird sich an Fatima erinnern, ich habe in mehreren Berichten über diese „ palästinensische Heldin“ geschrieben.
Dank einer glücklichen Fügung, dass ich einem mir gut bekannten versierten Orthopäden von der schmerzhaften Arthrose Fatimas im linken Fuß erzählt, hat es sich ergeben, das Fatima von diesem Doktor Ende Oktober 2013 in meiner Heimatstadt  erfolgreich operiert wurde.

Fatima mit ihrem jüngsten (16.) Enkel
Fatima mit ihrem jüngsten (16.) Enkel

Natürlich konnte ich nicht lange warten um Fatima hier in Ihrer Heimat aufzusuchen. So bin ich heute am meinem zweiten Tag zu ihr und ihrer großen Familie gefahren die in der Nähe von Bethlehem lebt. Allen die die Geschichte von Fatima und Ihrer Familie noch nicht kennen empfehle ich „dringend“ erst in meinem Blog von 2013 zu lesen bevor dieser Bericht weitergelesen wird.
Es war für uns beide eine wirklich innige Freude das wir uns wiedersehen konnten. Fatima holte mich mit ihrem alten Fahrzeug ab, welches bei unserer letzten Begegnung dreimal stehen geblieben war. Das Auto ist natürlich nicht jünger und besser geworden. Erst gestern war es in der Werkstatt da der Anlasser defekt war. Es ist wirklich für sie zu hoffen, dass sie bald ein besseres Auto bekommt, vor allem damit sie ihre Arbeit in der Betreuung von Familien mit behinderten Menschen verlässlicher gestalten kann. Stolz zeigte sie mir zunächst den Garten der dank einiger Regentage in der letzten zeit ein „grünes Gewand“ angelegt hatte. Schon wundersam wie grün die Umgebung ihres hauses derzeit ist wenn man bedenkt das sie am Rande der judäischen Wüste lebt.

 

es grünt so grün nahe an der Wüste
es grünt so grün nahe an der Wüste

Wir haben den ganzen Tag miteinander verbracht, viele ihrer Kinder und Enkelkinder waren bei Ihr,
es gab diverse arabische Kaffee`s und leckeren Pfefferminz-Tee und zu Nachmittag ein einfaches aber sehr schmackhaftes und vor allem sehr gesundes Mahl. Alles Zutaten (mit Ausnahme des Reis) stammten aus eigenem Anbau. In dem Gespräch mit Fatima erfuhr ich wieder sehr viel Neues zur arabischen Lebens- und Eigenart. In Erinnerung ist mir u.a. die Geschichte einer Familie geblieben die bedingt durch die Arbeitsunfähigkeit des Vaters sehr arm ist, wo der Vater aber seinen drei erwachsenen Töchtern „verbietet“ arbeiten zu gehen. Da keine wirkliche Behinderung vorliegt kann diese Familie auch keine finanzielle Unterstützung durch den Staat erwarten. Fatimas Kommentar dazu: „Nicht die Religion ist kompliziert, sondern die Menschen!“
Trotz dieser Geschichte habe ich bei den vielen Erzählungen von Fatima gespürt das es hier auch ein Leben mit Freuden im Alltag gibt. Wenn man Palästina wie ich so aus der Ferne betrachten, vor dem Hintergrund der vielen schlimmen Attacken durch die israelische Besatzung kann man schnell das Gefühl bekommen das alles hier nur schrecklich ist. Ganz anders ist es wenn man dann hier erlebt und spürt das es auch viele Freuden im Alltag gibt: sei es die Freude am den Frühlingsblumen und der grünen Natur, oder auch das Erlebnis von Fatima das gute Freunde von ihr ein tolles Restaurant eröffnet haben, von dem ich an anderer Stelle noch berichten werde.
Alles in allem also ein wirklich schöner Tag  bei Fatima und ihrer Familie.

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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