
Bei eindeutig besserem Wetter, am Nachmittag war es am toten Meer schon wieder 25 °C , haben wir heute uns heute ins Jordantal begeben.
Vor Jahren hatte ich in Jericho ein Mosaikcenter kennen gelernt, welches wir auch heute zunächst einen kurzen besuch abgestattet haben. Dort wird das alte Handwerk des Mosaikstein legen ausgeübt. Viele junge Menschen nutzen dort auch die Möglichkeit in einem Workshop die Grundfertigkeiten zu erlernen. Weitere Infos zum Center

im Hintergrund sieht man den stark angeschwollene Fluss aus dem Wadi Kelt
Anschließend sind wir in die israelische Siedlung Náama gefahren die zwischen Jericho und dem Jordan liegt. Dort haben wir einen Farmer getroffen, der seit 1982 hier begonnen hat „die Erde urbar“ zu machen. „Das Land haben wir vom Staat bekommen“ erklärte der Farmer Der vorhandene Boden war lehmig und sehr salzhaltig. Er wurde ausgewaschen und jahrelang mit Humus bearbeitet, so das aus dem grauen Boden fruchtbarer brauner Boden geworden ist. Zunächst wurden hier Dattelpalmen angepflanzt, die vor allem mit gebrauchtem Wasser aus Jerusalem, welches nur leicht gereinigt wurde, getränkt werden. Später wurde in starkem Maße auch Kräuter wie Basilikum und Estragon angebaut. Mit den Palästinensern „gibt es hier keine Probleme“, viele arbeiten bei uns. Sie bekommen für einen 8 Stunden Tag (mit zwei Pausen) 40,- Dollar.

Die erstellte Ware wird über einen Großhändler nach Europa (auch nach Deutschland) verschickt, oft „über Nacht“ mit dem Flieger. Mit der Kennzeichnung würde es so gemacht „wie es gefordert würde“. Mir war es nicht ganz klar was damit gemeint ist. Überhaupt schien es aus Sicht des Farmers alles „easy“. Wir verstehen uns mit den Palästinensern im benachbarten Dorf, wo auch Datteln und Kräuter angebaut werden, gut: „wir sind Nachbarn“. Für mich und noch mehr für die Gruppe war es/ist es, wie so immer, schwierig, wenn man auf „überzeugte“ Israelis trifft, die scheinbar kein „Unrechtsbewusstsein“ haben, die glauben alles sei so richtig. Dabei es sind und bleiben es Produkte aus nach Völkerrecht illegalen Siedlungen aus besetzten Gebieten. Bereits 2010 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass alle Produkte aus den israelischen Siedlungen nicht unter das EU-Zollpräferenz-Abkommen fallen. Deshalb sollen alle Produkte aus den besetzten Gebieten entsprechend gekennzeichnet sein. Israel lehnt dies bis heute ab.

Im Zusammenhang mit der Produktion von Datteln und anderen Pflanzen hier im Jordantal, die alle viel Wasser brauchen, haben wir in unserer Reisegruppe über die Wassersituation hier in der Region, aber eben auch im ganzen Land (Israel & Palästina) diskutiert. Leider hatten wir nicht , wie in den vergangenen Jahren Thomas König, einen Experten zu diesem Thema, den wir befragen hätten können. Ich verweise deshalb einmal mehr auf die Links zum Thema Wasser am Beginn des heutigen Beitrages.
Nachdem wir uns am toten Meer ein wenig entspannt haben (nach dem es gestern soo kalt war, erschien uns der heutige sonnige und warme Tag wie ein Wunder), sind wir noch ins Wadi Kelt gefahren und haben die wunderschöne Schlucht und das griechisch-orthodoxe Georg-Kloster bei wunderschönem nachmittäglichem Sonnenlicht angeschaut.

Auf dem Weg zurück nach Jerusalem haben wir dann noch einen kurzen Stopp bei den Jahalin-Beduinen gemacht. Ich habe über ihre Situation bereits bei meinen Aufenthalten im letzten April und auch im November 2018 informiert. Vielleicht das Wichtigste zuerst: weder Schule noch die Wohngebäude sind bisher abgerissen, obwohl es im Oktober 2018 ein endgültiges Urteil zum Abriss dieses Beduinen-Camps gegeben hatte ..
Erfreulicherweise haben sich auch Siedler gegen die Vertreibung der Beduinen ausgesprochen.

Ich empfehle dringend diesen Link zur Internet-Seite der Jahalin Solidarität zu nutzen. Dort ist ein so beeindruckender Film „High Hope“ mit der Musik von Pink Floyd die ausdrücklich ihre Erlaubnis gegeben haben, über den Kampf der Beduinen in den 90ziger Jahren zu sehen, mir sind die Tränen kommen oder die Wut. Ich hoffe sie werden gewinnen:
Link
Ein wenig Wehmut beschleicht mich, wenn ich die Bilder des Wadi Kelt, den Blick auf Jericho und die Erinnerung an das Tote Meer lese. Schön, dass es mit dem Wetter heute gepasst hat.
Das griechische orthodoxe Kloster habe ich ebenfalls bestens in Erinnerung!
Alles in allem fehlte mir der Kontakt den Sie und die Gruppe auf den Begegnungsreisen haben.
Diese persönlichen Begegnungen finde ich lehrreich, meine Reise damals war ganz anders geplant und durchgeführt.
Durch Ihren Blog erlebe ich, was uns damals als Gruppe verwehrt wurde!
Lieber Marius!
Respekt, dass du nach einem langen Tag immer noch Zeit und Kraft findest für eine kurze Reflexion, die es uns erlaubt, eure Reise innerlich zu begleiten!
Ich habe gleich nach deinem Hinweis auf das Büchlein ‚Recht ströme wie Wasser‘ an einem der ersten Tage eurer Fahrt das Buch bestellt: Das war ein ausgezeichneter Hinweis! Im Buch finden sich wunderbare Texte und der Anhang mit den Quellen und Verfasser(innen) lädt sehr zum Weiterlesen und zur Vertiefung ein: Danke!
Schalom & Salam!
Wolfgang
Das ist das verrückte. Einerseits okkupierten die Siedler Land im Namen des Gesetzes und kultivierten dies. Es entwickelte sich eine Art Symbiose zwischen der armen Menschen und die neuen Kollonialisten in Jordantal. Wir haben als Ureinwohner des Landes mit der Natur dort gelebt.
Heute sehen wir wie das Tote Meer langsam trocken gelegt wird.
Eine Industrie im Süden verursachte katastrophale Folgen.
Ohne Zweifel würde ich begrüssen wenn wir nicht nur billige Kräfte bei Kollonialisten arbeiten sondern auch unsere Rechte über Wasser und Land bekommen dürfen.