10 Jahre Kairos Palestine:

„We shall run and not be weary Isaia“, 40:31

Am 11. Dezember 2009 wurde in Bethlehem ein leidenschaftlicher Aufruf palästinensischer Christinnen und Christen veröffentlicht. Der Aufruf sollte selbst inmitten „der palästinensischen „Katastrophe” als ein Wort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe verstanden werden. Der Appell wurde in Anlehnung an einen ähnlichen Aufruf, den südafrikanische Kirchen 1985 auf dem Höhepunkt der Unterdrückung unter dem Apartheidregime erlassen hatten, „Kairos Palästina“ genannt. Der damalige Aufruf hatte Kirchen und Weltöffentlichkeit aufgerüttelt und zu konzertierten Aktionen veranlasst, die die Apartheid letztlich beendet haben. Ich habe den Link zum Wortlaut des Papiers schon länger in meinem Blog unter der Sparte „Christen“ eingestellt

Hinter dieser schönen Kirche fand im Herzen von Bethlehem die Konferenz statt

Es war eher ein Zufall, das gerade in den Tagen, in denen ich wieder „vor Ort“ bin, in Bethlehem in Erinnerung an 10 Jahre „Kairos Palestine“ eine internationale Konferenz stattfindet. In den Räumen des Annadwa International Center of Bethlehem, das der evangelischen Weihnachtskirche in der Altstadt von Bethlehem angegliedert ist, trafen sich heute mehr als 150 Teilnehmer/innen aus aller Welt. Das Programm sah vor, dass sich nach den üblichen Begrüßungsworten, so u.a. vom Bürgermeister von Bethlehem, zunächst verschiedene Redner zur politischen Entwicklung, in den letzten 10 Jahren, in Palästina und in Israelin äußerten. Am Nachmittag wurde in einem 2. Panel, die (Aus) Wirkungen/Entwicklung in der Kirche am Beispiel der USA, Südafrika, England und Indien aufgezeigt.

ein Redner aus England „prangerte“ die „Verfehlungen des US-Präsidenten Trump an

Leider war kein Vertreter/in aus Deutschland auf dem Podium. Es wäre für mich besonders interessant gewesen, die deutsche Entwicklung in beiden christlichen Kirchen (katholisch und evangelisch) kommentiert zu bekommen. 

Mein Eindruck in den letzten Jahren ist der, dass sich beide Kirchen mit dem Papier schwer tun. Vor allem der Passus, in dem die Boykottbewegung BDS unterstützt wird ist vielen kirchlichen Vertretern in Deutschland „ein Dorn“ im Auge. Wohl gibt es seit 2012 eine deutsche Gliederung zu Kairos, die seit der Gründung alle 2 Jahre auf dem evangelischen Kirchentag einen Thementag zum israelisch-palästinensischen Konflikt organisiert. Allerdings war es bisher nicht möglich diese Veranstaltung auf dem „offiziellen“ Kirchentag durchzuführen. Auch dies zeigt meiner Meinung nach, die indifferente Haltung der „offiziellen“ (in diesem Fall der evangelischen) Kirche deutlich. 

auf den Straßen wurden zum Nachmittag schon wieder die ersten Geschäfte getätigt

Die Auswirkungen in den genannten Ländern, glaubt man den Redner/innen war schon spürbar anders. Alle hat der Beitrag einer irischen Parlamentsabgeordneten beeindruckt, die per Video zugeschaltet wurde. Gerade in Irland scheint die Unterstützung für Palästina besonders groß zu sein. Beifall brandete auf als das Bild gezeigt wurde in dem man sah, dass die palästinensische Fahne über dem irischen Parlamentsgebäude wehte.

Hier kann man die Abschluss-Erklärung die zum Abschluss der Konferenz von den Teilnehmer/innen einstimmig beschlossen wurde, lesen.

auch zum Haarschneiden, mit moderner Frisur, geht man am islamischen „Sonntag“

Das diese Veranstaltung am heutigen 29. November stattfand kam im Übrigen nicht von ungefähr. Dieser Tag wird seit Jahren ,weltweit, als internationaler Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk begannen. Am 29. November 1947 beriet die UN-Generalversammlung darüber und erließ mit 33 zu 13 Stimmen eine Resolution über die Teilung des Landes. Der Teilungsplan sprach von zwei in dem Territorium zu errichtenden Staaten: einem jüdischen und einem arabischen. I

Ich habe schon des Öfteren aus dem Büchlein  „Recht ströme wie Wasser“, in meinem Blog zitiert. Am heutigen 29. November steht folgender Auszug aus dem Papier der Vereinten Nationen, das den Teilungsplan begleitet:

Resolution 181 der Vereinten Nationen: 

Teilungsplan für das Palästina-Mandat
Kapitel 2: Religiöse Rechte und Menschenrechte

2. Zwischen den Einwohnern wird keinerlei Unterschied gemacht aufgrund der Rasse, der Religion, der Sprache oder des Geschlechts.

8. Die Enteignung von Land, das sich im Besitz eines Arabers in dem jüdischen Staat (eines Juden in dem arabischen Staat) befindet, ist nicht zulässig, es sei denn, für öffentliche Zwecke. Bei allen Enteignungen wird von der Entziehung des Eigentums eine volle Entschädigung geleistet, die der Oberste Gerichtshof festsetzt.

Gilo erbaut auf Grund und Boden der palästinensischen Stadt Beit Jala

Das schöne und lesenswerte Büchlein „Recht ströme wie Wasser“ ist im AphorismA-Verlag erschienen, kann für 10,-€ in jeder Buchhandlung erworben oder beim Verlag bestellt werden.

Über Marius S. 353 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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