
Gestern hatte ich nicht nur das traurige Erlebnis, mir den Ort einer Hauszerstörung anzusehen – das hätte mir an einem Sonntag wirklich schon gereicht – ich hatte auch die schon sehr bewegende, aber für mich als Fremder auch sehr beeindruckende Möglichkeit, bei einer Beerdigung dabei zu sein.
Der Sohn einer guten Freundin von Faten war diese Woche bei einem Sprengstoffattentat, dessen Hintergründe wohl noch nicht geklärt sind, in Albanien, wo er seit 15 Jahren lebt und arbeitet, ums Leben gekommen. Er wurde 42 Jahre und hinterlässt eine albanische Frau und zwei kleine Kinder. Er war der Sohn eines Führers der palästinensischen Volkspartei (PPP), die bis 1991 sich kommunistische Partei Palästina nannte, und Mitgliedsorganisation der PLO ist. Allein vor diesem Hintergrund war es wohl auch nur möglich, den Toten so schnell in seine Heimat zu überführen.

Als wir am Elternhaus des Toten ankamen, in dem auch er aufgebahrt war, hatten sich vor dem Haus schon viele Männer versammelt, die meisten trugen als Zeichen der Mitgliedschaft der PPP ein rotweißes Palästinensertuch um den Hals bzw. am Arm. Alle Frauen, ganz in schwarz trafen sich im Haus. An den Wänden links und rechts der Haustüre lehnten Kränze. Nachdem der Pope eingetroffen war, der Tote gehörte der Griechisch-orthodoxen Gemeinde an, setzte sich der Trauerzug mit durch tiefe Männerstimmen vorgetragenen Trauerliedern in Bewegung. Von der nahe gelegenen Kirche schlug in Sekundenabstand die Glocke. Vorne gingen die Männer mit dem offenen Sarg, dahinter die Frauen, viele laut schluchzend und weinend.


In der Kirche ging es dann mit einem ca. einstündiger Trauergottesdienst in griechisch-orthodoxem Ritus weiter, der vom höchsten Repräsentanten, dem Patriarchen von Jerusalem geleitet wurde. Zum Schluss gab es Ansprachen vom Chef der PPP und einem Mitglied der Familie. Anschließend verabschiedeten sich viele Männer mit einem letzten Kuss vom toten bevor ganz zum Schluss auch die Mutter und Ehefrau sich laut weinend von ihrem Sohn bzw. Ehemann verabschiedeten. Anschließend brachten die Männer den toten zu seinem Grab, während alle Frauen in einem Haus verschwanden, bzw. an der Kirchentür stehen blieben. Faten hat mir nachher erklärt das es seit einigen Jahren durch den Patriarchen einen solchen Erlass gegeben hat nachdem sich eine Frau in ihrem Leid am Grab die Kleider zerrissen hatte. Die Frauen treffen sich am nächsten Morgen und gehen dann gemeinsam zu Grab.

Mir kam nach dieser auch für mich bewegenden Trauerfeier der Gedanke das sich hier die Tradition, dass Frauen und Männer getrennt teilnehmen, nicht viel von den Traditionen der Moslems oder auch der Juden unterscheidet. Und noch ein Gedanke bewegte mich, wie schmer4zlich so Tod, vor allem wenn er so früh und gewaltsam daher kommt, für die Angehörigen und Freunde ist. Und hier wird oft früh und durch Gewalteinwirkung gestorben.
Nachtrag: Gerade hat mich Elli, meine von mir getrennt lebende Frau angerufen, das heute Nacht ihr Vater, der Opa unserer beiden Kinder, nach langer Krankheit friedlich entschlafen ist. Möge er ruhen in Frieden. Salaam Karl!
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