„Auja war einmal so grün wie Europa“ (Thomas König)

Heute nun haben wir Jordanien verlassen. So wie wir am Freitag über den Jordan eingereist sind, haben wir heute auch den Rückweg gemacht. Ich will dem Leser/der Leserin die Schilderung der Zustände am Grenzübergang an der Albeny-Brücke ersparen es war in jeder Hinsicht nervige 2 Stunden. Ansonsten verwiese ich auf die Schilderung aus der „Zeit“, auf deren Link ich bereits in meinem Beitrag vom 8.10.hingewiesen habe.

grünes Jordantal
grünes Jordantal

Heute waren wir zunächst mit Thomas König verbredet im „Auja Eco Center“ verabredet. www.aujaecocenter.org .Er ist in diesem Umweltbildungszentrum seit Juni 2014 für zwei Jahre für die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (www.giz.de) tätig. Schwerpunkt der Zentrumsarbeit ist u.a. Umweltbildung als Teil des Friedensprozesses. Hierzu werden Kinder und Jugendgruppen eingeladen. Es gibt eine Zusammenarbeit mit Frauengruppen, mit der Dorfbevölkerung (Al Auja hat ca. 5000 Einwohner und liegt etwa 10 km nördlich von Jericho), und Informationen und Angebote zur Müllentsorgung, zum Recycling und zum Lehmbau. Hier im Zentrum steht auch die einzige Wetterstation zur Erforschung des Klimawandels in ganz Palästina. Es besteht in dem großen Haus die Möglichkeit für Gruppen und Einzelpersonen zur Übernachtung.

Ansonsten verweise ich auf meine Beiträge vom Oktober und November 2014

Eine Information von Thomas König war mir aber so vergangenen

Kräuter aus dem Jordantal
Kräuter aus dem Jordantal

Jahres nicht so aufgefallen: die Situation zwischen israelischen Siedlern und den einheimischen Palästinensern ist hier im Jordantal eine völlig andere als zum Beispiel bei Hebron oder in der Gegend von Nablus, wo es in den vergangenen Wochen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen ist. Thomas erklärte die relativ ruhige Lage hier vor allem damit, dass viele der 52.000 Palästinenser hier bei den Siedlern, die überwiegend im landwirtschaftlichen Bereich tätig sind, Arbeit finden. So gibt es eine Art „Beziehung“ zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen, die hilft, sich gegenseitig zu respektieren.

Anschließend hatten wir die Möglichkeit in einen Gartenbetrieb der Siedler zu schauen. Hier werden seit 1983 verschiedene Kräuter angebaut, die auf dem israelischen aber auch auf dem europäischen Markt verkauft werden.

Wir hatten nach der Besichtigung der Gewächshäuser die Möglichkeit mit dem Besitzer (nebst Sohn) des Gartenbetriebes, aber auch mit zwei Verantwortlichen der Bezirksverwaltung zu sprechen. Seit ich im Herbst 2012 mit Gruppen Begegnungsreisen organisiere, habe ich mich immer auch bemüht, Gespräche mit Siedlern zu führen, um deren Sichtweise/Gedanken kennen zu lernen.

Im Resümee war das Gespräch heute etwas anders gelaufen als die bisherigen. Gleich war: die Siedler sind „in ihr Land“ gezogen. Neu war heute: wir haben dort wo es öd und leer war eine grüne Landschaft geschaffen, bieten den Palästinensern sichere Arbeitsplätze an. Insgesamt gäbe es ein gutes/friedliches Miteinander (werden z.B. zur Hochzeit geladen). Oft wünscht man sich bei diesen Gesprächen, direkt auch die andere Seite zu hören ,so als gesagt wurde, dass die Palästinenser 50 Brunnen in der Zeit seit 1967 gebaut hätten, die Israelis aber keinen. Von den Palästinensern haben wir genau Gegenteiliges gehört. Irgendwie mussten wir oft an Schilderungen der Farmer in den Kolonien denken, die sich auch „rührend“ um ihre Arbeitskräfte kümmerten, es klang alles irgendwie so ohne Probleme

Auf die Frage, ob nicht die radikalen Siedler, mit ihren Übergriffen auf die palästinensischen Nachbarn, auch ihr Image beschädigen mussten sie zugeben dieses Verhalten für die Stimmung hier nicht förderlich ist

 

 

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

2 Kommentare

  1. Das was Herr König als eine “ Beziehung“ beschreibt, die zu gegenseitigem Respekt führt, würde ich als solche nicht bezeichnen. Dieses Verhältnis zwischen den Siedlern ( als Arbeitgeber) und den Palästinensern (als“ billige Arbeitskraft) ist ein Abhängigkeitsverhältnis, wo der Eine den Anderen braucht um zu bestehen/ überleben zu können. Fakt ist, das den Palästinensern im Jordantal das Land gestohlen wird, und die Menschen vertrieben werden, weil ihnen die Lebensgrundlage fehlt.

    • Vielleicht war meine Darstellung des Gespräches mit Herrn König etwas missverständlich. Von einer „respektvollen Beziehung“ zwischen Siedlern und Palästinensern hat nicht Herr König gesprochen.
      Im Gespräch mit den Siedlern und zwei Vertretern der Bezirksverwaltung wurde das gute und respektvolle Miteinander zwischen den zwei Bevölkerungsgruppen betont.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*