Wir waren vor einigen Wochen mit der Reisegruppe im Jordantal und haben im „Auja Eco Center“ den Vortrag von Thomas Koenig gehört, der sich unter anderem mit der sehr schwierigen Wassersituation im Jordantal und in ganz Palästina beschäftigte. (siehe auch den Blog-Beitrag vom 16.10.)  Das Jordantal ist eine der reichhaltigsten Kulturlandschaften der Welt mit herausragender religiöser und kulturhistorischer Bedeutung. Im europäischen Winter lagern hier bis zu 500 Mio Zugvögel.

Das Jordantal

Das Jordantal

Hier ist eine der trockensten Regionen dieser Erde. Im Jahresdurchschnitt fällt nur 180 mm Niederschlag. (in Deutschland etwa 900 mm) Deshalb ist das Wasser in in dieser Region ein Konfliktherd: Es gilt das Gesetz des Stärkeren. Am schlimmsten trifft es derzeit die Palästinenser. Das prognostizierte Verschwinden des Toten Meeres ist von Menschen verursacht: Chemiefabriken mit Sitz in Jordanien und Israel gewinnen Mineralsalze aus dem Meer und beschleunigen damit die Verdunstung des Wassers. Sein Meeresspiegel sinkt jedes Jahr um einen Meter: Wenn nichts unternommen wird, ist das Tote Meer in 30 Jahren nur noch ein Teich.
Der Jordan, der das Tote Meer jahrhundertelang mit Süßwasser speiste, kommt nur noch als stinkendes Rinnsal hier an. Abwässer werden ungeklärt hineingeleitet. Er wird in seinem Verlauf von allen Nachbarstaaten (Syrien, Israel und Jordanien entnehmen 95-98 % der Wassermenge) angezapft, um den Bedürfnissen einer nicht ans Klima angepassten Landwirtschaft gerecht zu werden.
Dabei sind Lösungen möglich, insbesondere der Bau eines Kanals zwischen dem Roten und dem Toten Meer.

Totes Meer: Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel um 1 m

Totes Meer: Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel um 1 m

Damit könnten starke Wasserkraftwerke betrieben werden, um das Meerwasser zu entsalzen, die gesamte Region mit Trink- und das Tote Meer mit Frischwasser zu versorgen. Aber es gibt eine Voraussetzung: Alle Anrainer des Toten Meeres – Jordanier, Israelis, Palästinenser – müssten sich einigen, um diese Lösungen mit Unterstützung der Weltbank umzusetzen. Dann würde das Tote Meer zur Lebensquelle.
siehe auch de.wikipedia.org/wiki/Totes-Meer-Kanal

Der Wasserspiegel des Toten Meeres liegt 400 Meter unter dem anderer Meere, seine Landschaften sind von atemberaubender Schönheit, sein Wasser hat einzigartige heilende Eigenschaften. Die Katastrophe betrifft eine der „Wiegen unserer Zivilisation“

Herr Koenig ging zum Schluss seines Vortrages auch noch auf das Thema Wasserverbrauch in Palästina. Rund 87 % des Jordantals befinden sich unter israelischer Kontrolle. Das sind zum einen Siedlungen mit dazugehörigen Agrarflächen, zum anderen Naturschutzgebiete und Militäranlagen. War das Gebiet aufgrund seiner hohen

Jüdischer Nationalfond (KKL) finanziert auch israelische Projekte im besetzten Jordantal

Jüdischer Nationalfond (KKL) finanziert auch israelische Projekte im besetzten Jordantal

Wasservorkommen (Regenwasser aus den judäischen Bergen) ehemals wichtiges Anbaugebiet für palästinensische Farmer, haben sie heute kaum Zugang zu den dortigen Ressourcen und Flächen. Die Wasserversorgung ist besonders in den Sommermonaten besorgniserregend schlecht. Zeitweise stehen den Bewohnern pro Kopf nur 20 Liter am Tag zur Verfügung, der Weltgesundheitsorganisation zu folge braucht ein Mensch täglich jedoch mindestens 100 Liter. Konnten sich die Palästinenser früher durch die zahlreichen natürlichen Quellen in der Region selbst versorgen, sind sie heute gezwungen, Wasser des israelischen Wasserversorgungsbetriebes zu kaufen. Das liegt an den tiefen Wasserbohrungen israelischer Unternehmen und Siedlungen, die in der Folge die eigentlichen Quellen zum versiegen brachten. Lebten bis in die 1950er Jahre noch rund 320.000 Palästinenser im Jordantal, sind es heute nur noch knapp 60.000. Während die Bevölkerung im sog. „A“ und „B“ Gebiet wächst, (siehe auch unter) verlassen aufgrund der schwierigen Lebenssituation immer mehr Familien das Jordantal.
Nach Auffassung des Hydrogeologen Christian Messerschmidt, der selbst in Ramallah lebt, und lange Zeit unter anderem für die palästinensische Wasserbehörde gearbeitet hat bestreitet das es eine „Wasserknappheit“ in Palästina gibt. In einem Zeitungsbeitrag anlässlich der Debatte in Deutschland im Frühjahr 2014 nach den Äußerungen des Präsidenten des EU-Parlaments, Martin Schulz in der Knesset zur Wasserverteilung in den besetzten Gebieten schreibt er:

Zisterne auf Daher`s Weinberg  auch mit "Abrissbefehl" belegt

Zisterne auf Daher`s Weinberg
auch mit „Abrissverfügung“ belegt

„Debatten über den palästinensisch-israelischen Wasserkonflikt gehen meist von einer Wasserknappheit in derRegion aus. Das ist ein Mythos. In Wirklichkeit agieren die Berge der Westbank als Hauptregenfänger für die heftigen Winterregen vom Mittelmeer. So fällt in Jerusalem mehr Regen als in Berlin, in Ramallah mehr als in London-Heathrow. Die extreme Wasserkrise in Palästina ist keine üble Laune der Natur. Sie ist politisch erzeugt.  Jede Leitung und Pumpstation, jedes Wasserreservoir bedarf einer Erlaubnis der Militärverwaltung. Das gilt erst recht für Großprojekte wie Kläranlagen oder Brunnenbohrungen. Selbst der Regen, der in der Westbank fällt, wird enteignet: Zisternen, die ohne Permit den Regen auf dem eigenen Hausdach sammeln, gelten Israel als illegal. Sie werden mit Abrissverfügungen belegt und vom israelischen Militär zerstört“.

Ich habe den ganzen Beitrag in meinen Block gestellt