
Ich hatte schon öfters davon berichtet: auf der Strasse von Jerusalem nach Jericho sieht man links und rechts immer wieder armselige (Blech)-Hütten Dörfer der Jahalin-Beduinen. Immer wieder hatte man in letzter zeit auch von zestörungen der Hütten durch die israelische Armee gehört und dem Bestreben die etwa 7.000 Beduinen in ein „Lager“ zu verbringen. Heute hatte ich zum ersten mal die Möglichkeit mir die Dörfer der Beduinen und damit auch ihre Situation selbst anzusehen. Ekki hatte Kontakt zu Angela Godfrey-Goldstein, eine in England geborene, aus gemischtem Elternhaus (ein Elternteil jüdisch), stammende Frau, die seit etwa 40 jahren in Jerusalem lebt. Sie ist Direktorin der „Jahalin Solidarität“ und hatte sich für eine Tour zu den Beduinendörfern bereit erklärt.

Wir starteten in Ost-Jerusalem, wo sie uns zunächst die „schleichende“ Enteignung vieler Grundstücke durch jüdische Siedler vor Augen führte. Dann sind wir Richtung Jericho gefahren. Dort kommt man zu einer der größten Siedlungen im Westjordanland Ma`le Adummin mit etwa 40.000 Einwohnern. In einer in der Nähe gelegenen kleineren Siedlung konnten wir uns ein Bild machen wie schön und friedlich man drt leben kann. Es gibt Blumenrabatte und Grün wohin man sieht. Natürlich darf auch ein großer Schwimming-Pool nicht fehlen, dass alles mitten in der judäischen Wüste wohlbemerkt.

Beduinen blicken auf Siedlungen
An den Randbereichen dieser so schönen Wohnsiedlungen dann die Hütten der Beduinen. Das ist natürlich kein so schöner Anblick. Das wird der Hauptgrund sein das es seit Jahren durch die Siedler, die teures Geld für ihre Immobilien zahlen müssen, es immer wieder Anstrengungen gibt diese „Nachbarn“ los zu werden. Zuletzt berichteten die Zeitungen (auch in Deutschland) von dem abriss zahlreicher Hütten. Es ist im Grunde hier immer das Selbe. Hier sind es die Beduinen die stören, für die Siedlungen bei Nahalin stört die Familie Nassar auf dem Weinberg. Mit allen juristischen Kniffs wird versucht Gerichtsentscheidungen herbeizuführen die letztlich die Bewohner vertreiben sollen.

Wir haben nach unserem Besuch der Siedlungen auf der großen (vierspurigen) Straße auf dem Seitenstreifen an einem Hüttendorf angehalten, sind über die Leitplanke geklettert und waren mitten „im Dorf“. Die Kinder hatten wohl gerade Kleidungssäcke von der Leitplanke geholt, die dort von vorbeifahrenden „Spendern“ abgelegt worden sind. Angela ist hier sehr bekannt und hat uns zum „Dorfbürgermeister“ geführt. Er hat uns dann die Schule vorgestellt. Hier gehen bis zu 180 Kinder im Alter von 6-14 Jahren zu Schule. Sie kommen aus allen Hüttendörfern der Umgebung. Wir erfuhren das etwa 7.000 Menschen hier in der Umgebung leben.

Früher sind die Kinder nach Jaricho (etwa 20 km) oder nach Elzariya (18 km) gegangen. Es kam allerdings oft vor, das der die Kinder nur über den ersten hügel gegangen sind, und am Abend erzählt haben das sie in der schule waren. Andere Kinder sind verunglückt oder überfallen worden. In den 90ziger Jahren hat man nach anderen Lösungen gesucht, es sollte ein Bus organisiert werden, ein Schulbau wurde angeregt. Es gab von Seiten der palästinensischen Schulbehörde keine wirkliche Unterstützung. So hat man dann Anfang dieses Jahrhunderts begonnen sich selbst zu helfen. Da man, wie oft in der Zone C eine Zerstörung befürchtete, hat man das Schulgebäude aus alten Autoreifen gebaut. Aus 2.200 alten Autoreifen die wie Ziegel aufeinander gestapelt und mit Erde gefüllt wurden, wurde die Schule errichtet. Daher der Name: „Reifen-Schule“.

Die Siedler fordern den Abriss, der angeblich ‚ohne Genehmigung gebauten” Schule, die jedoch keine “permanenten” architektonischen Element hat und ohne Fundament gebaut wurde, um nicht gegen die Bestimmungen der Armee zu verstoßen. Diese Begründung hat zunächst vor Gericht geholfen. Die Siedler (darunter hohe Regierungsbeamte) haben aber nicht aufgegeben. Jetzt wird vor dem obersten israelischen Gericht verhandelt, am 25. April wird mit einer endgültigen Entscheidung gerechnet. Es sieht nicht gut aus, meint sowohl Angela als auch der Bürgermeister.

Trotzdem, die Kinder der Schule sind optimistisch. Sie haben sich an einem Wettbewerb beteiligt. Der beste Schulgarten wird prämiert. Ich habe zur Unterstützung dieses Projektes das „Trinkgeld“ meiner Reisegruppe vom letzten Herbst 700,- Shekel gespendet. Möge es dem Garten, den Kindern und der Schule nützen.
Ich empfehle dringend diesen Link zur Internet-Seite der Jahalin Solidarität zu nutzen. Dort ist ein so beeindruckender Film „High Hope“ mit der Musik von Pink Floyd die ausdrücklich ihre Erlaubnis gegeben haben, über den Kampf der Beduinen in den 90ziger Jahren zu sehen, mir sind die Tränen kommen oder die Wut. Ich hoffe sie werden Gewinnen:
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