Hebron das Zentrum des Siedlerkonfliktes

Gestern hatte ich die Möglichkeit mit einer bayer. Gruppe nach Hebron zu fahren. Die Gruppe wird geleitet von Pater Rainer Fielenbach, Karmeliter aus Straubing. Er fährt seit Jahren mit Gruppen nach Israel und Palästina. Pater Rainer hat mich in den letzten beiden Jahren mit mannigfaltigen Informationen zur Situation in Palästina versorgt und auch die Kontakte zum Tent of Nations und Daoud Nassar hergestellt. Er hat auch die Grundlage der Reiseroute vorgegeben auf der sich im Herbst eine Gruppe netter Menschen 10 Tage in Israel und Palästina bewegen wird.
Hebron/AlKhalil (sowohl arabisch wie hebräisch Freund – von „Freund Gottes“, einem Beinamen des gemeinsamen Stammvaters Abraham) liegt ca. 26 km südlich von Jerusalem entfernt und ist eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt. 1917, im Verlauf des 1.Weltkrieges wurde Hebron britisch besetzt und anschließend Teil des „Mandatsgebietes“ Palästina. Bei landesweiten Unruhen 1929, wurden 57 jüdische Bewohner der Stadt von ihren arabischen Nachbarn umgebracht. Im Zuge des Pogroms wurde die gesamte jüdische Bevölkerung vertrieben. Festzustellen ist aber auch, dass die arabische Bevölkerung von Hebron damals viele ihrer jüdischen Mitbürger vor dem Tod gerettet hat. 1948 annektierte Jordanien das Westjordanland, bis Israel im Sechstagekrieg 1967 das Westjordanland eroberte und Besatzungsmacht wurde.

Bild Straßenleben in Hebron
Nach der Eroberung der Westbank achtete die israelische Regierung streng darauf, dass sich Juden nicht wieder in Hebron ansiedelten und neue Unruhen provozierten. Sie konnte/wollte aber nicht verhindern dass 1968 der Rabbi Mosche Levinger mit 32 Glaubensgenossen in das Parkhotel im Zentrum der Stadt zog, zunächst –wie er angab -für das Passah-Fest, dann erklärte er aber bis zur „Ankunft des Messias“ bleiben zu wollen. Die Regierung gab schließlich nach und erlaubte den Bau einer stadtnahen Siedlung deren Aufbau 1970 unter dem Namen Kiryat Arba auf zuvor konfisziertem Land begann. Heute leben dort mehr als 7.000 jüdische Siedler.
Im Jahr 1979 besetzte dann die Frau des Rabbis mit 40 Frauen und Kindern die leer stehende ehemalige jüdische Klinik. Seither lebt eine jüdische Gemeinde im Herzen der mehr als 170.000 Einw. großen palästinensischen Stadt jüdische Siedler mittlerweile mehr als 400 Siedler in der umfassenden Altstadtsiedlung, die von der israelischen Armee gesichert wird.

Bild: Israelische „Festung“ mitten in Hebron

Mehr als 2000 Soldaten sind zur Sicherung des Haram(Gräber von Abraham, Jakob, Isaak, Rebekka, Sarah und Lea) und der jüdischen Siedler derzeit eingesetzt. 2005 wurden permanente Überwachungstürme errichtet sowie Mauern, Zäune und mehr als 100 Straßensperren in Hebron eingerichtet. Nach einem Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisationen ACRI (Association for Civil Rights in Israel) mussten Palästinenser aufgrund der Präsenz von israelischen Zivilisten, Soldaten und Polizisten 1014 Wohnungen räumen und mindestens 1829 Geschäfte und Betriebe im Stadtzentrum aufgeben; mindestens 440 davon wurden auf Befehl der Armee geschlossen.

Strenge Bewachung des Haram ALKhalil
Strenge Bewachung des Haram ALKhalil

1994 erschoss der jüdische Arzt Dr. Baruch Goldstein, der in der Siedlerstadt Kiryat Arba lebte, in der Ibrahim Moschee auf betende Muslime und tötete 29 Menschen und verletzte 150 zum Teil schwer, bevor er selbst am Tatort gelyncht wurde. Die Siedler haben dem Massenmörder in seiner Stadt ein Gedenkstein errichtet und verehren ihn als „Märtyrer“
Welche unglaubliche Provokation!!!
Auf der Rückfahrt mit der Gruppe zum Tent of Nations, welches ihr nächstes Reiseziel war, habe ich für mich gedacht, möglicherweise ist Abraham, der gemeinsame Stammvater aller drei Religionen der mögliche Schlüssel zu Frieden und Versöhnung. Wenn es doch so einfach wäre…..
Nach drei Tagen Abwesenheit von Tent of Nations wurde ich von Daher freudig begrüßt: Marius ist back… auf seinem Weinberg
Bild: Eingangstor vom Tent of Nations

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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