Hier begann 2012 für mich alles

Im April 2012 habe ich zum ersten Mal den Weinberg besucht. Mit diesem besuch habe ich auch die Berichterstattung über meine Aktivitäten und Erlebnisse in Israel und Palästina begonnen. Wenn man so will begehe ich also in diesem Jahr ein „Jubiläum. Wenn man also so will, war mein heutiger besuch auf dem Weinberg schon etwas besonderes. Ich hab e diesen Besuch, trotz aller Probleme in dieser Region und speziell auf und um den Weinberg, doch ein wenig genossen.

wie im Paradies

Genossen schon alleine deshalb, weil ich bei herrlichem Sonnenschein einen Weinberg erlebt durfte der in „voller Blüte“ stand. Insgesamt ist die Natur im Vergleich zu Deutschland, derzeit, bedingt auch durch den so kalten März, noch etwas „zurück“. In den letzten Tagen aber hat sie „aufgeholt“. So bot der Weinberg heute, mit seinen so verschiedenen blühenden Pflanzen, eine ganze Palette von Farben, die bei mir, auch wegen der doch meist herrschenden Stille, ein wenig paradiesische Gefühle aufkommen ließen. Dazu kamen noch die erfreulichen Erkenntnisse, das es wieder Besucher:innen gibt. Gleich zwei Gruppen hatten sich für heute angesagt, eine kleine aus Irland und eine große (mehr als 50 Personen) aus Frankreich. Ich konnte richtig spüren, wie die ganze Familie Nassar sich freute: es waren heute neben den Brüdern Daher und Daoud auch der Bruder George (der normalerweise in den USA lebt), auch die Mutter Meladeh, die Schwester Jamal und Daoud`s Frau Jihan.

George, Mutter Meladeh, Daher, Amal, Daoud und Jihan

Für die große Gruppe wurde ein leckeres Mittagessen gekocht, es gab arabischen Kaffe und Tee. Daoud konnte die Geschichte des Weinberges erzählen. Es war wie immer konnte man glauben. Diese Gefühle waren auch deshalb da weil heute drei junge Volontäre hier arbeiteten, sie pflanzten unter anderm Olivenbäume, junge Menschen, die derzeit an der Dormitio in Jerusalem Teilnehmer:in des theologischen Jahres sind. Sie kommen seit einiger Zeit regelmäßig ein-zweimal die Woche um notwendige Arbeiten auf dem Weinberg zu erledigen.

Daher und „seine“ Volontäre

In der wenigen Zeit, die Daoud heute, bedingt durch die Gruppenbesuche, für einen „Plausch“ mit mir Zeit hatte, erzählte er stolz, dass in den letzten Wochen, mit Hilfe zahlreicher Volontäre, aber auch Besucher:innen-Gruppen etwa 500 Olivenbäume, 150 Mandelbäume und etwa 600 Weinstöcke gepflanzt werden konnten. Er sprach von vielen „Strukturen“, die sich oft versteckt mittlerweile auf dem Weinberg befinden: Strukturen meint neben Gebäuden(teilweise ausgebaute Höhlen) auch Zisternen in denen Wasser aufgefangen werden kann.

einige der neuen Olivenbäume auf dem Weinberg mit weißem Schutz

Ich hatte mir vorgenommen, heute, an meinem „Jubiläumstag“ möglichst nur von erfreulichen Dingen zu berichten. Wenn ich aber zum Schluss meines Tagesberichtes auf den heutigen, jährlich stattfindender palästinensischer Gedenk- und Protesttag „Tag des Bodens“ (arabisch Yoom al Ard) eingehe, dann hat das 2 Gründe.

Das dieser 30. März für die Palästinenser so eine Bedeutung hat, hat eben auch viel mit der Situation zu tun, in der sich die Familie Nassar seit mehr als 30 Jahren befindet, das ihr ihr das Land vom Staat Israel weggenommen wird. Das eigentliche Ereignis fand im Norden Israels im Jahre 1976 statt. Bei Protesten gegen die Enteignung durch die israelische Regierung von 20,000 Dunum Land rund um palästinensische Dörfer in Galiläa wurden sechs israelische PalästinenserInnen, drei Männer und drei Frauen, erschossen und mehr als hundert PalästinserInnen verletzt. Jedes Jahr versammelte sich seither am 30. März die palästinensische Bevölkerung in Israel und in den besetzten palästinensischen Gebieten, um an diese Ereignisse zu erinnern und um auf Israels weiterhin andauernde Besatzung und Land-Annexion aufmerksam zu machen.

links das palästinensische Dorf Nahlin, recht zwei große israelische Siedlungen gebaut auf dem Land der Palästinenser

Der 2. Grund diesen Tag, den 30 März 1976 so besonders hervorzuheben ist ein trauriger, aber, wie ich finde auch wichtiger: an diesem tag im März 1976 ist der Großvater der Familie Bishara Daher Nassar gestorben. Auf einem Gedenkstein, der auf dem Weinberg steht, den ich als Foto dem heutigen Tagesbericht voran stelle steht:
Er hat sein Leben „hingegeben“ für die Farm, sein Traum war dieses Land zu einem Ort der Friedens zur machen. 35 Jahre später tragen wir immer noch diesen Traum in uns!

Über Marius S. 384 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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