Jeden Freitag in Jerusalem

 

Freitags in Jerusalem bedeutet für die muslimischen Bewohner von Jerusalem und Umgebung vor allem die Teilnahme am großen Freitagsgebet  in und vor der Al Aqsa Moschee auf dem Tempelplatz. Die Händler der P1040936Altstadt von Jerusalem, die auf den verschiedenen Wegen zum Tempelplatz ihre Geschäfte haben, bereiten sich bereits am Vormittag auf den Ansturm der der tausenden von Käufer/innen vor, denn nach dem Mittagsgebet ist traditionell großer Einkauf der Gläubigen angesagt.

Für die Juden dieser Stadt beginnt am späten Freitagnachmittag – mit dem Sonnenuntergang- der Sabbat. P1040949 Hier ist deshalb am Vormittag der Einkauf angesagt, traditionell gehen die jüdischen Jerusalemer auf den großen Markt, den Mahane Yehuda Markt. Hierzu auch ein Zeit Artikel aus dem Jahr 2010 http://www.zeit.de/reisen/2010-09/mahane-yehuda-2

Für eine kleine Gruppe tapferer Frauen findet aber an jedem Freitag Mittag von 13.00 bis 14.00 Uhr, an einer der am stärksten befahrenen Kreuzungen im Zentrum von Jerusalem, eine Demonstration der besonderen Art statt: seit Ender der achtziger Jahre (zu Beginn der 1. Intifada- dem Volksaufstand der palästinensischen Menschen -) stehen hier jüdische Frauen in Schwarz (Woman in Black) und fordern auf Plakaten das Ende der Besatzung. Ich habe in meinem Blog schon 2012 von dieser P1040972beeindruckenden Aktion berichtet. Natürlich standen auch heute wieder Frauen dort, wie immer unterstützt von Besuchern aus aller Welt und den Mitarbeiter/innen von EAPPI.  Ich hatte am Vormittag mit Reuven Moskovitz telefoniert. Er meinte, dass gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung (mal wieder Ende der Gespräche zwischen Israel und Palästina) heute dort 20.000 Israelis stehen müssten. In Wirklichkeit waren wir 20 (!). Aber  wir werden von vielen vorbeifahrenden und gehenden Menschen war genommen, hier und da mit einer  negativen Reaktion bedacht, aber die Aktion wird beachtet, sorgt für Diskussionsstoff an jedem Freitag. Nach der Stunde habe ich Madleine Schulz, eine gebürtige Elsässerin die vor mehr als 40 Jahren hier „hängen“ geblieben ist, noch ein Stück auf ihrem Heimweg begleitet. Auf meine Frage was wohl die Zukunft für diese beiden Länder bringen wird sagte sie: mir ist die Antwort auf diese Frage nicht so wichtig, für mich ist wichtiger die Antwort auf die Frage: Tue ich heute das Richtige?

Madleine Schulz
Madeleine Schulz

 

 

 

Über Marius S. 355 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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