
Heute bin ich wieder zurückgeflogen.
Die Kontrolle/Befragung am Flughafen waren vor dem Hintergrund meiner vielfältigen „schlechten“ Erfahrungen in den letzten Jahren, heute eher „lasch“. Keine 30 Minuten dauerten die (heute eher einsilbige) Befragung und die anschließende Durchsuchungen.Trotzdem empfinden andere Reisende (ich sag mal die „typischen“ Israelbesucher) die Fragen nach dem Kofferinhalt oder auch wer den Koffer gepackt hat, schon als „unmöglich“. Naja wenn die wüssten, was alles hier passieren kann, wären sie sicherlich nicht so aufgebracht.
Mit (Rück-)Blick auf meine 10 Tage in Palästina denke ich an verschiedene Erlebnisse und Eindrücke:

Touristenstrom
Da ist eine Mal die beeindruckende, aber irgendwie auch „erdrückende Masse“ an Touristen, die ja regelrecht über die Region Jerusalem und Bethlehem „einfällt“.
Natürlich sind sie für die Menschen hier ein wichtiger Einnahmefaktor. Daoud hat aber recht, wenn er meint das von diesem „Kuchen“, die Palästinenser immer noch am Wenigsten abbekommen, obwohl mittlerweile (auch wegen der günstigeren Preise) mehr Touristen in Bethlehem übernachten als noch vor einigen Jahren. Trotzdem kommen die meisten Besucher/innen nur für eine Stippvisite nach Bethlehem (wobei bedingt durch die Wartezeit vor der Geburtsgrotte), die Zeit in Bethlehem zwangsweise verlängert wird. Aber diese Kurzzeit-Touristen lassen in der Regel nur wenig Geld in der Stadt. Hierzu, meint Daoud, müsse sich die Verantwortlichen der Stadt kreative Gedanken machen, wie zu mindestens durch eine kleine (kostenpflichtige) Gabe der Stadt(beispielsweise Infos zur Stadt und Palästina , Stadtplan mit Fotokarte), an alle Besucher, ein wenig anteilmäßige Einnahmen erzielt werden können. Diese wiederum könnten dann für die Erhaltung, bzw. Verbesserungen der Infrastruktur (Strassen etc.) genutzt werden.
Der Verkehr
Eine Erkenntnis, die ich aber auch bei früheren Aufenthalten als besonders schlimm und für alle Beteiligten (Autofahrer/innen, Fußgänger) in höchsten Maße belastend empfinde: der immer stärker werdende Individual-Verkehr mit PKW. Er kommt häufig im Zentrum von Jerusalem und Bethlehem in den Spitzenzeiten völlig zum erliegen. Natürlich hat es auch mit den vielen Touristen zu tun, aber die fahren ja meistens in Bussen, dass ist „platzsparend“

Mit allen Tricks werden Menschen vertrieben
Ich habe es ja an zwei aktuellen Beispielen geschildert: in Silwan mit dem neuen § 17 des Nationalparkgesetzes der nur den NP „David-Stadt“ betrifft oder eben die gerade verkündete Entscheidung des Obersten Gerichtes betreff Wohnungen im Viertel Sheikh Jarra. Diese Beispiele zeigen für mich als Außenstehender mehr als deutlich, dass den radikalen jüdischen Verbänden alle Mittel und Wege recht sind, die zum Ergebnis führen die arabischen Palästinenser aus den Vierteln in Ost-Jerusalem zu vertreiben.
Geschäfte, Geschäfte, Geschäfte
Es ist wirklich erstaunlich, auf welche Ideen die Menschen kommen, um sich ein wenig Einkommen zu verdienen. Sei es die fliegenden Händler, die den in den Autos an den Checkpoints wartenden Menschen alles mögliche zum verkauf anbieten. Aber es sind auch die vielen kleinen Stände in den Altstädten von Jerusalem und Bethlehem, die oftmals mit Gemüse aus dem eigenen garten, oder chinesischer Billigware versuchen soviel am Tag zu verdienen, dass sie sich eine Mahlzeit leisten können. Eine (meist sehr leckere) Falafel im Sandwich gibt es manchmal schon für 4 Schekel (1,-€)….

hier in Bethlehem
Tent of Nations: Leuchtturm für ganz Palästina
Wie man es sich vorstellen kann, bin ich mit doch mit einem schönen Gefühl nach Hause gefahren.. Dieses schöne Gefühl hat natürlich mit der wunderbaren Nachricht zu tun, die mir Daoud vorgestern verkündet hatte: Er und damit das ganze Projekt „Tent of Nations“ sind in diesem Jahr Preisträger des „Deutsch-Französischen Preises für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit“. Man muss sich diese Bezeichnung mal vergegenwärtigen, ja „auf der Zunge zergehen lassen“ und dazu dann noch den Text der gestrigen Meldung des Auswärtigen Amtes vergegenwärtigen. Da heißt es zum Hintergrund der Preisverleihung:
„Im Jahr des 70-jährigen Bestehens der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ehren Deutschland und Frankreich 15 Preisträgerinnen und Preisträger, die mutig für die Wahrung der Menschenrechte eintreten.
Sie stehen stellvertretend auch für die vielen anderen Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger, die bei ihrem Einsatz für die Menschenrechte unerkannt bleiben und beim Kampf für Gerechtigkeit oftmals großes Unrecht erleiden. Ihnen allen gilt unser Dank, unsere Anerkennung und Respekt dafür, dass aus den Worten der Erklärung Taten werden.

im Hintergrund der Weinberg
Zum Ziel dieses Preises heißt es in der Meldung weiter:
„…..weltweit Persönlichkeiten zu würdigen und zu unterstützen, die sich in ihrem Heimatland, in anderen Ländern und auf internationaler Ebene um den Schutz und die Förderung der Menschenrechte verdient gemacht oder Initiativen zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit ins Leben gerufen haben“.
Ich kann nur noch einmal Daoud Nassar, seiner ganzen Familie, aber eben auch allen anderen Aktiven auf dem Weinberg, die vielen ehrenamtlich dort Tätigen, die vielen UnterstützerInnen weltweit von ganzem Herzen meine Glückwünsche aussprechen. War schon das unermüdliche, immer friedliche Engagement der Aktiven auf dem Weinberg für viele Palästinenser/innen Vorbild und Ansporn, so wird gerade auch diese Ehrung ein „Leuchtturm der Hoffnung“ für alle Menschen in der Region und darüber hinaus sein.
Hiermit schließe ich die Blogberichte bis zu meiner nächsten Reise nach Palästina.
Wenn sich genügend Menschen anmelden werde ich ab dem 10. März 2019 in gewohnter Form aus einem so schönen, wie eben auch mit vielen Schwierigkeiten kämpfenden Land berichten. Wer Interesse hat an der Gruppenfahrt, kann sich hier den Flyer dazu angucken. Wer Interesse hat an einem Vortrag mit mir hat, kann hier mehr dazu lesen und sich gerne zwecks Terminabsprache mit mir in Verbindung setzen.
Salam und Shalom
Lieber Herr Stark, haben sie Dank für den Hinweis, nun habe ich Ihren Bericht gelesen und bin sehr erfreut über den Preis für den Weinberg, allerdings bin ich immer wieder erstaunt welche Worte unsere Regierung – in diesem Fall die Würdigung- der Preisträger – findet. Da ist von Förderung der „Rechtsstaatlichkeit“ – die Rede, also ein Hohn, wenn man erleben muss, wie einseitig unsere Regierung bzgl. der beiden Länder die „Rechststaatlichkeit“ sieht. Grüßen Sie Daoud von mir und meinem Mann, er war oft bei uns zu Gast in Mundelfingen, Hüfingen und Villingen-Schwenningen, herzlichst Anne Köhl