Wir weigern uns Feinde zu sein

Als ich 2009 in der Zeitschrift für „kritische Christen“ „Publik Forum“ diese Überschrift zu einem Artikel über das Friedensprojekt Tent of Nations (Zelt der Völker) in Palästina las, war ich sehr interessiert, und nachdem ich den Beitrag gelesen hatte, mehr als beeindruckt.P1040291

Ich den Jahren 2012 und 2013 war ich mehrmals auch für längere Zeit (2012) dort, und habe immer wieder auch über „Dahers Weinberg“  in meinem Blog berichtet. Siehe Archiv, aber auch in der Kopfzeile unter „vor Ort“  Heute nun war ich dieses mal für einen Tag auf dem Weinberg und habe diesen Tag „in vollen Zügen“ genossen. Daher, einer der beiden Brüder, die die für die vielfältigen Aktivitäten des Projektes verantwortlich sind, hat mich mit seinem alten roten 300-er Mercedes in Bethlehem abgeholt. Der Weinberg liegt etwa 8-10 km von Bethlehem entfernt, da aber die direkte Zufahrt seit 2001 mit einem „Road-Block“ durch die israelische Militärverwaltung unpassierbar gemacht wurde, muss er seit dem einen Umweg durch mehrere Palästinensischen Dörfer in Kauf nehmen.
Vor Ort angekommen umfing mich gleich diese unvergleichliche Stille gepaart mit der wunderbar frischen/reinen Luft.  Und dann dieser Rundum-Blick bis weit nach Israel hinein und in der ferne das Mittelmeer zu erahnen. Einfach paradiesisch.

Felsen als Hindernis zum Weinberg
Felsen als Hindernis zum Weinberg

Aber schaut man genauer hin, hört was daher und sein Bruder Daoud, der mittlerweile auch gekommen ist, dann wird das Bild differenzierter. Ich hatte davon gehört das am Roadblock im Januar ein Tor errichtet wurde, jetzt erfuhr ich von Daoud das es wohl von Palästinensern gebaut wurde, warum weiß er bis heute nicht. Die Militärverwaltung hat auch gleich einen „Abrissbefehl“ für das Tor erwirkt und gleich auch den Road-Block erhöht, so das die Passage für die vielen Besucher des Weinberges (2013 waren es mehr als 6.000) weiter erschwert wurde. Vor einigen Tagen wurde kurz vor der Straßensperre ein Schild aufgestellt das darauf hinwies das das Gelände links des Weges zum militärischen Sperrgebiet erklärt wurde. Das Schild war zwar nach wenigen tagen von Unbekannten entfernt worden, Daoud sieht aber in dieser Maßnahme eine langfristige Strategie das zwei der israelischen Siedlungen die in diesem gebiet liegen auf Dauer verbunden werden sollen.

neu angelegt: Weinstöcke
Terassen neu angelegt: Weinstöcke

Des Weiteren befürchtet Daoud das auf lange Sicht die derzeit durch den Roadblock unterbrochene Straße als Siedlerstraße ausgebaut werden soll. Aber wie schon bei den vielen kleinen und großen „Nadelstichen“ der israelischen Militärverwaltung seit 1991, werden die Brüder Nasser mit ihren vielen freiwilligen Helfer/innen (derzeit sind fünf Volontäre aus Schweden, Frankreich, USA, England und Deutschland), pflanzen, wässern, neue Zisternen bauen, ernten je nach Jahreszeit (Aprikosen, Trauben, feigen, Mandeln und Oliven) und im Sommer wieder für viele Kinder der Umgebung ein mehrwöchiges Sommerprogramm zusammenstellen.

Eingang zum geplanten Schulgarten
Eingang zum geplanten Schulgarten

Im März hat eine Gruppe aus Dünne (www.heimstatt-tschernobyl.org) im Rahmen eines „Workcamps“ die Vorarbeiten für einen „Schulgarten“ begonnen. Den Eingang „ziert“ ein schwungvolles Eingangstor. Im Herbst sollen die Arbeiten für den Garten abgeschlossen werden. Ziel ist es in Zukunft Schülerklassen der umliegenden Schulen einzuladen damit sie hier auf dem Weinberg (oftmals erste) konkret Erfahrungen mit Gartenarbeit  machen. Ein weiterer „Mosaikstein“ in der großen Angebotspallette des Projektes „Tent of Nations“

Über Marius S. 384 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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