Lange habe ich überlegt, welche Überschrift ich meinem Beitrag für den heutigen Bericht am letzten Tag meines Aufenthaltes hier geben soll:
Schließlich ist mir der Ausspruch vom Augustinus eingefallen, den Pater Simeon am Sonntag in seiner Predigt in der Dormitio erwähnt hatte: „Übe Gerechtigkeit und Du wirst Frieden haben“ Weiter heißt es bei Augustinus: „Wenn du Gerechtigkeit nicht liebst, wirst du keinen Frieden haben, denn diese zwei, Gerechtigkeit und Frieden, lieben sich und küssen sich, so dass, wer Gerechtigkeit übt, den Frieden findet, der die Gerechtigkeit küsst“

Das Leben hier geht einfach weiter
Nun sitze ich am Flughafen, habe noch mehr als 2 Stunden Zeit bis ich den Flieger besteigen kann und kann die Zeit gut nutzen, um meine abschließenden Gedanken zu dieser, nun 23. Reise nach Israel und Palästina, für mich und Euch aufzuschreiben.
Heute ging es, wie schon bei den letzten Rückflügen, erstaunlich unkompliziert zu. Wenige Fragen zum. Koffer, zu Geschenken die ich ggfs. mitnehmen…das war es dann schon. Keine Kofferkontrolle, kein Fragen wo ich den überall gewesen bin, das habe ich, die Kenner meines Blog`s werden es wissen, schon ganz anders erlebt.
Wenn ich nun rückblickend auf die insgesamt 12 Tage schaue, dann wird mir bewusst, dass ich mich noch nie bei den bisherigen Reisen in diese Region so belastet gefühlt habe, von dem was ich gesehen, gehört oder eben auch über die sozialken Medien erfahren habe. Ihr könnt es mir glauben, oft habe ich mich, gerade wenn ich in Jerusalem war, irgendwo hingesetzt, habe die warme Sonne genossen, und konnte dabei meine Seele „etwas Baumeln lassen“. Gerade wenn ich „auf der anderen Seite“ war, war eine solche Entspannung nur schwer möglich.

„Oase“ im Gartencafe des American-Hotels im Stadtteil Sheik Jarrah in Ost-Jerusalem
Ziemlich zugesetzt hat mir dabei vor allem die Erkenntnis, dass es um meinem „Herzensprojekt“ dem Tent of Nations, so schlecht „bestellt“ ist. Da brauche ich schon den den mitreißenden Elan von Daoud, der, so lange ich ihn kenne, überzeugend verkündet: „wir geben nicht auf, wir schaffen es“. Ob diese hoffnungsvollen Worte allerdings wirklich ausreichen, eine Anerkennung durch die israelische Militärbehörde zu erreichen, wird man sehen. Leider ist es ja nach wie vor, gerade auch bei den Politikern in Deutschland nicht so, dass sie die Beachtung von Menschenrechten, bei den Konflikten in dieser Erde ein gleiches Gewicht einräumen. Wie sonst könnte man die so unterschiedliche Haltung/Bewertung zwischen dem Ukraine-Konflikt und dem in Israel und Palästina, verstehen.
Ich habe mich bei meinem Aufenthalt hier bemüht, den Menschen hier ein Zeichen der Achtung, der Würde und des Mitfühlens zu geben. Ich hätte gerne noch mehr Menschen, gerade „auf der anderen Seite“ getroffen, leider haben es die aktuellen Umstände verhindert.
Schön war es auch, dass ich viel Unterstützung aus der Heimat gespürt habe. Viele haben mir geschrieben, wirklich ganz viele Menschen haben in meinen Blog geschaut, an manchen Tagen, waren es mehr als 200 Leser: innen. So konnte dass, was ich erlebt, gefühlt und beschrieben habe, wunderbar vervielfältigt werden
Sicherlich, ich fahre nun mit gemischten Gefühlen zurück, bin sehr gespannt, wie sich das Ergebnis der Wahlen auf die zukünftige Politik in Israel auswirken wird. Ich werde aber bei meinem Engagement in Deutschland, bei Pax Christi https://www.paxchristi.de/kommissionen/view/5305177963757568/Kommission%20Nahost und auch bei KoPI https://www.kopi-online.de/wordpress/ weiterhin bemühen, die Menschen hierzulande, vor allem aber die Politiker, davon zu überzeugen, dass es sich um der Menschen willen, in Israel und Palästina, „lohnt“, alles dafür zu tun das es zu einem Ende der Besatzung und zu einem gerechten Frieden kommen möge.

Schaden durch Raketentrümmer am Turm
Ich hatte ja zu Beginn meiner Reise angekündigt, dass ich die Menschen hier Fragen wollte, wie sie denn glauben, wie es zu einem gerechten Frieden hier kommen kann. Ich muss eingestehen, viele Antworten darauf habe ich nicht bekommen. Das hängst sicher damit zusammen, dass die Menschen hier, von den Erlebnissen des Alltages so beeindruckt, ja betroffen sind, dass die (großen) Gedanken an Frieden bei Gerechtigkeit gar nicht aufkommen können. Ich denke da vor allem an Fatima, Daoud, Mohammed, Kamal, aber auch die Schwestern in meiner Unterkunft haben derzeit ganz andere Sorgen. Es kommen keine Gäste, also gibst es keine Einnahmen. Es wird neben den normalen mtl. Unterhaltskosten, dringend Geld für Reparaturarbeiten benötigt: Teile einer abgefangenen iranischen Rakete, haben den Turm ihrer Kapelle getroffen. Dabei sind auch alle Fenster des Gästehauses zerstört worden.

Abendstimmung
Letztlich hat mir Augustinus die „Richtige“ Antwort zur Frage zu Frieden und Gerechtigkeit gegeben:
Deshalb will ich abschließend gerne mit Fortsetzung der Gedanken von Augustinus zum Frieden und der Gerechtigkeit diesen meinen heute letzten Beitrag zu dieser Reise nach Jerusalem und Bethlehem beenden.
„Frage einen beliebigen Menschen: Willst Du Frieden? Einhellig antwortet dir das ganze Menschengeschlecht: ich wünsche ihn mir, ersehne ihn, will ihn, liebe ihn. Liebe auch die Gerechtigkeit, weil Gerechtigkeit und Friede zwei Freundinnen sind, die sich küssen. Wenn du die Freundin des Friedens nicht liebst, wird der Frieden dich auch nicht lieben und nicht zu dir kommen.“
Ich werde es Euch mitteilen, ob und wenn ja wann, ich das nächste Mal mich auf den Weg mache, die leidenden und unterdrückten Menschen in dieser Region, für eine Zeit zu begleiten…bei Ihnen zu sein.
Tageszitat (26. Oktober) aus „Recht ströme wie Wasser“
Israel hat, selbstverständlich, vielerlei Gründe zu Angst und Sorge. Der Nahe Osten ist in Aufruhr, wird von fanatischen Strömungen in Mitleidenschaft gezogen, seine Mehrheit ist Israel gegenüber äußerst feindselig eingestellt und strebt offenkundig nach seiner Vernichtung. Aber gerade aufgrund dieser Gefahren und Bedrohungen können Verzweiflung und Nichthandeln als effiziente Strategie nicht taugen,
David Grossmann https://www.spiegel.de/ausland/gaza-israelischer-schriftsteller-david-grossman-spricht-von-genozid-a-5ae91078-8935-49b1-857c-dbd7f38eea2d
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