An meinem letzten Tag, bevor ich morgen zurückfliege, habe ich mich, trotz Einladung von Fatima doch nochmal über die Grenze zu kommen, nicht “getraut“ ihrem Wunsch nachzukommen. Meine Erfahrungen hier sind doch die, dass jeden Tag etwas passieren kann. Und ich möchte dann doch nicht, deshalb morgen meinen Rückflug verpassen.
Siedler verübten im September 479 Angriffe, 16 pro Tag
Gestern bekam ich die nachfolgende anschauliche, aber ebenso erschreckende Info über die Orte und die Zahlen der Siedlerüberfälle im vergangenen September 2026

Auf das Gouvernement Ramallah entfielen 154 davon, ein Drittel der Angriffe des Monats, wobei an jedem Tag im September mindestens ein Angriff stattfand. Die Zahl lag über dem Monatsdurchschnitt von 459 für das Jahr 2026, und die Olivenernte trieb sie gegen Ende noch weiter in die Höhe: Vom 22. bis zum 30. September stieg die Zahl der Angriffe auf fast 19 pro Tag. Ich habe diese Information und auch das Schaubild von einer Gruppe Namens Good Shepherd Collective. Laut KI ist Good Shepherd Collective (GSC) eine palästina-solidarische politische Basisinitiative, die sich mit der Situation in den besetzten palästinensischen Gebieten beschäftigt. Sie arbeitet sowohl mit Aktivistinnen und Aktivisten in Palästina als auch mit Unterstützern im Ausland zusammen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Menschenrechtsarbeit, politischer Bildungsarbeit und Kampagnen gegen die israelische Besatzungs- und Siedlungspolitik.
Es ist zu befürchten, dass der Monat Oktober, besonders weil in diesem Monat die Olivenernte begonnen hat, noch wesentlich höhere Zahlen aufweisen wird

An diesen Anblick kann ich mich immer noch nicht gewöhnen
Auch Erzbischof Bentz, den ich ja in ja am vorletzten Sonntag in der Dormitio erlebt habe, kritisiert nach seiner Rückkehr in den Medien in Deutschland die Siedlergewalt: Bentz warf den Siedlern vor, vor der israelischen Parlamentswahl am 27. Oktober „im wahrsten Sinne des Wortes: mit aller Gewalt“ auf sich aufmerksam machen zu wollen. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Yesh Din wurden zahlreiche Angriffe auf Erntehelfer und Fälle von Olivendiebstahl dokumentiert. Palästinensische Bauern werden zudem am Zugang zu ihren Feldern gehindert. Man könnte meinen, da wissen doch alle Bescheid…aber leider gibt es
Heute habe ich über meinen WhatsApp Status einen Link zu einem aktuellen Interview mit dem israelischen Historiker Omer Bartov eingestellt. Hier auch der Link zum Beitrag https://www.n-tv.de/politik/Deutschland-hat-einen-Voelkermord-im-Gazastreifen-beguenstigt-id31445636.html
Zur morgen anstehenden Wahl sagt er in diesem NTV-Interview
Gadi Eisenkot gilt als möglicher Netanjahu-Nachfolger bei der Wahl am 27. Oktober. Was könnte sich unter ihm ändern?
Die Opposition macht kaum Aussagen dazu, wie sie mit dem Kernproblem Israels umgehen will: der Beziehung zwischen Juden und Palästinensern im Staat Israel, der eigentlich ein einziger Staat zwischen dem Fluss [Jordan] und dem Meer ist, in dem Menschen unter unterschiedlichen Rechtsordnungen leben. Sie haben nicht gesagt, weder Eisenkot noch Bennett, was sie vorhaben. Das Einzige, was Eisenkot angedeutet hat, ist, dass einige der sogenannten illegalen Siedlungen oder Außenposten im Westjordanland geräumt würden. Vielleicht tun sie es, vielleicht auch nicht.

Abendstimmung am Jaffa-Tor
Ich hoffe trotzdem sehr, dass Netanjahu, Bengvir und Smotrich abgesetzt werden, denn sie haben das politische System Israels völlig vergiftet. Außerdem sind sie zutiefst korrupt. Die Rechtsstaatlichkeit bricht in Israel zusammen. Die Polizei ist zu einer Miliz des Ministers [Ben-Gvir] geworden. Die Lage in Israel ist sehr unsicher, da das Land jeden Anschein eines Rechtsstaats verliert, geschweige denn einer liberalen Gesellschaft. Ich glaube aber, dass der Hauptvorteil dieser Koalition vor allem darin bestünde, dass sie die Gewalt gegen arabische Israelis, die ebenfalls unter großem Druck stehen, eindämmen könnte. Ich denke, sie wäre auch empfänglicher für Druck von außen. Und das ist für mich der wichtigste Punkt. Netanjahu, Smotrich und Ben-Gvir haben nichts zu verlieren. Sie werden ihre Politik so weit wie möglich und so lange wie möglich fortsetzen.
Also warten wir es ab, wie sich die israelischen Wähler: innen morgen entscheiden.
Heute zum Abend hatte ich noch ein besonderes Erlebnis. Ich habe mir in dem alten arabischen Restaurant „Basti“, was Visasvis vom Eingang des österreichischen Hospizes an der Via Dolores liegt noch eine Portion Falafel gegönnt. Direkt vor mir befand sich ein Polizeiposten mit drei jungen Beamten. Alle Palästinenser, die weiter in die Altstadt wollten, wurden angehalten und nach ihren Ausweispapieren befragt. Egal ob junge Frauen mit ihren Kindern oder ganz Alte. Der eine oder andere, wurden dann, ohne für mich erkennbaren Grund nicht durchgelassen.

Mein Gefühl: dass dies einfach nur eine Schikane gegenüber den Palästinensern ist, wurde auch deshalb bestärkt, dass (selbstverständlich) keine Juden oder andere Touristen/Pilger angehalten wurde. Für mich immer wieder erstaunlich, mit welcher (scheinbaren) Gelassenheit, die Menschen diese Schikane „über sich ergehen lassen“
Ich melde mich morgen, oder auch übermorgen, dann auch nochmal mit einem abschließenden Bericht in diesem Blog, in dem ich auch versuchen werde, für Euch, ein kleines Fazit zu meinem 12-tägigen Aufenthalt zu ziehen.
Tageszitat (26. Oktober) aus „Recht ströme wie Wasser“
Und haltet insgesamt fest an der Verbindung mit Gotte und spaltet euch nicht! Und gedenkt der Gnade, die Gott euch erwiesen hat, als ihr Feinde wart und er zwischen euren Herzen Hoffnung stiftete, wodurch ihr durch seine Gnade Brüder wurdet.
Sure 3 103
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