Gestern hörte ich, wie sich zwei palästinensischen Frauen mit As-salamu alaikum begrüßten. Weil es mich schon interessierte, was das denn nun genau heißt, habe ich am Abend gleich mal KI befragt, wie es denn hier so ist mit den Begrüssungungsformen in Palästina und Israel
Die bekannteste islamische Grußformel lautet „As-salamu alaikum“ (السلام عليكم), was „Friede sei mit dir“ bedeutet. Die passende Antwort darauf ist „Wa-alaikum as-salam“, also „Und mit dir sei Friede. Diese Begrüßung wird in der gesamten arabischen Welt verwendet, unabhängig davon, ob die Person Muslim ist, und vermittelt Respekt und Freundlichkeit. Die israelischen Juden begrüßen sich mit Shalom (Frieden), ein universelles Hallo oder „Auf Wiedersehen“ oder auch Shalom aleichem („Friede sei mit Euch“)
Bei soviel tagtäglicher Erwähnung von Frieden schon in der Begrüßung, fragt sich der Besucher natürlich, was nutzen, Angesichts der tatsächlichen gewalttätigen Situation (von beiden Seiten), diese dann ja wohl nur als Lippenbekenntnisse zu bezeichnenden „Frieden-Sprüche“

Die Himmelfahrtskirche auf dem Gelände des Augusta Victoria Hospitals
Da ich ja heute andere Pläne hatte, die sich wegen der angespannten Situation im Westjordanland leider nicht realisieren ließen, konnte ich mich mal wieder durch die Stadt als interessierter Tourist „treiben“ lassen. Ich habe meine Schlafstatt ja am Fuße des Ölberges. So bin ich also mit dem Bus den Berg hinaufgefahren, habe einen Blick in das Gelände des Augusta Victoria Hospital geworfen. Auf dem Gelände befindet sich ja auch die evangelische Himmelfahrtskirche, dessen Turm wir bei jeder Gruppenfahrt bestiegen haben, weil es dort einen wunderbaren Panoramablick über die Stadt, aber eben auch in Richtung Jordanien hat. Ich habe mir heute das Vergnügen auch deshalb untersagt, weil es ja auch ganz schön viel Stufen hat bis man oben auf 65 m Turmhöhe angekommen ist.

„gigantischer“ Blick vom Ölberg auf Jerusalem
Ich bin dann den Ölberg auf dem Weg hinabgestiegen, den auch am Palmsonntag die gro0ße Prozession geht, an dem viele Christen aus Israel und Palästina teilnehmen, aber eben auch Pilgergruppen aus aller Welt. Wegen des Irankrieges im März und April, wurde in diesem Jahr dieses „Großereignis der Christen“, leider abgesagt.
Wenn man fast die Talsohle des Kidron-Tales erreicht hat kommt man in den so wunderschönen Garten Gethsemane, mit seinen soo alten oft mehrere Hundert Jahre alten Olivenbäume. Einen relativ jungen Baum ist auch zu sehen, den hat Papst Franziskus wohl 2014 dort im Garten gepflanzt.

der Garten Gethsemane
Mein Weg führte mich weiter durch das Löwentor in die Altstadt. Dort endet dann am Palmsonntag die große Prozession. Ich bin allerdings dann weiter auf der berühmten Via Dolorosa bis zum Österreich Hospiz gegangen. Hier hat man dann auch sofort das Gefühl, vor allem bei einem Stück Apfelstrudel, dass man in einer ganz anderen Welt, aber jedenfalls nicht in Jerusalem ist. Es sei denn, wie auch heute geschehen, dass der Muezzin aus der nahen gelegenen Moschee singt.

Der Apfelstrudel im Café des österreichischen Hospiz
Auf dem Weg zur abendlichen Vesper, gab es, für glaube ich alle hier überraschend, einen richtigen Regenguss, und das ohne das er in irgendwelchen Wetterprognosen angekündigt worden wäre. Na gut, in der Altstadt gab es gute Unterstellmöglichkeiten, und nach einer halben Stunde war der „Spuk“ auch wieder vorbei
Im jüdischen Viertel wurde ich von einem erkennbar als Jude gekleideten Mann mittleren Alters angesprochen. Das ist mir in den vielen Jahren so auch noch nicht passiert. Er sprach mich so an, als ob wir uns kennen würden, wollte wissen wo ich herkäme, ob ich Familie hätte und warum ich hierherkommen würde. Ich habe ihm gesagt, dass ich schon öfters hierhergekommen sei, auch mit Gruppen. dann wollte er wissen ob ich Israel lieben würde. Ich habe das bejaht, dann aber ergänzt, dass ich auch Palästina lieben und ach dort viele Menschen kennen würde. Ja dann kamen wir natürlich auf die bestehenden ernsten Probleme zu sprechen. Hier wurde es dann allerding etwas ungenau, auch bedingt, dass wir ja beide eine Sprache, nämlich englisch benutzen, die nicht unsere Mutterspreche ist. Wie dem auch sei, wir haben uns gegenseitig versichert, dass Wege gefunden werden, die zu einem Frieden führen.

Mit diesem, für mich doch besonderem Erlebnis, bin ich dann in die abendliche Vesper gegangen.
Tageszitat (24. Oktober) aus „Recht ströme wie Wasser“
Zu sagen: Die Schrift ist erfüllt, heißt, jeden Missbrauch der Schrift anzuprangern, wo sie rechtfertigen will, dass anderen das Land, Olivenbäume und ihre Früchte weggenommen werden, wo andere bunterdrückt werden
Naim Stifan Ateek
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