
In diesem Blog habe ich schon des Öfteren über die Mauer und die Grenzanlage berichtet, die zwischen Israel und Palästina seit 2002 errichtet wurde. Mein heutiger Bericht nimmt einmal die Mauer in den Blick die innerhalb Ostjerusalems erbaut wurde und Bewohner Jerusalems von ihrer eigenen Stadt ausgrenzt. Schaut man vom Ölberg aus Richtung Osten sieht man den Stadtteil Abu Dis am Osthang liegen. Normalerweise würde man nun die alte Jerichostrasse Richtung Osten fahren und wäre in wenigen

Minuten in Abu Dis. Der Stadtteil ist vor allem wegen seiner Universität (AlQuds-Universität www.alquds.edu) aber auch wegen ihres Präsidenten, dem Philosophen Sari Nusseibeh bekannt. Leider ist diese kurze Strecke seit 2004 durch den Mauerbau nicht mehr passierbar.
Also fuhr ich heute mit dem palästinensischen Bus 263 (für 6 1/2 Schekel) über die Straße 1 die Richtung Jericho/Totes Meer führt. Nach etwa 10 km sind wir rechts abgebogen. Dort liegt auch die größte israelische Siedlung Maàle Adummim (etwa 50.000Einw.) Insgesamt dauert dieser Umweg –je nach Verkehrslage zwischen 30 und 45 Minuten. Nun ist man in Palästina, aber eigentlich ja noch in (Ost-) Jerusalem. Von hier aus kann man mit den Service-Taxis nach Betlehem oder Jericho fahren. Einen –sicherlich auch wichtigen – Vorteil hat die erzwungene „Auslagerung“ eines großen Teiles von Abu Dis: so können an dieser großen Uni auch Studenten aus der Westbank studieren.

Aber für die Bewohner von Abu Dis bedeutet diese Ausgrenzung nicht nur lange Fahrtwege, benachbarte Freunde können nicht mehr so ohne weiteres besucht werden. Eine Fahrt nach Jerusalem, dessen Bürger sie ja eigentlich sind bedeutet immer auch lästige Kontrollen an dem Checkpoint, genauso wie ich sie schon oft erlebt habe wenn ich aus den palästinensischen Städten Bethlehem oder Ramallah nach Jerusalem fahre. Das es in den Jerusalemer Stadtteilen die von Palästinensern bewohnt werden so gänzlich anders aussieht als in den

Stadtteilen der jüdischen Bevölkerung habe ich ja auch schon mehrfach hier berichtet. Die Straßen, ja die ganze Infrastruktur ist schlechter. Alles wirkt ungepflegter. Das kommt nicht von ungefähr. Im Jerusalemer Haushalt sind für die Unterhaltung der palästinensischen Stadtteile viel weniger Mittel vorhanden. Auch von der schlechteren Wasserversorgung habe ich schon des Öfteren berichtet.

Dank einer guten Suchmaschine habe ich im Internet noch einen Beitrag aus dem Stern vom Januar 2004 gefunden. Er berichtete damals wie es war als die Mauer errichtet und Abu Dis geteilt wurde.
Lieber Marius,
dieses schöne, abstoßende, interessante, schwer verstehbare, komplizierte, widersprüchliche Land!
Hier im „christlichen“ Europa lernen wir auch gerade wieder, wie Zäune/Mauern bauen geht.
Sollten wir nicht lieber von Israel-Palästina lernen, dass Mauern nie Frieden schaffen?
Ich wünsche dir schöne Tage und viele angenehme Begegnungen und freue mich auf deine weiteren Berichte.
Herzliche Grüße
Günter
Ich kann mich noch gut an die im Bau befindliche Mauer in Abu Dis erinnern. Januar 2005, ein kalter, regnerischer Winter. Meine Schwägerin zeigte uns die „Mauer“. Wir standen mitten auf einer Strasse, die plötzlich an der Mauer endete. An der Seite war noch ein kleiner Durchgang, durch den wir durchgehen sollten um nach Jerusalem zu kommen. Wir waren ziemlich ängstlich und sagten, wir würden erstmal durch das Loch schauen. Unser Glück, denn dort stand ein israelischer Militärjeep und die Soldaten beobachteten den Durchgang. Wir sind an diesem Tag trotzdem noch nach Jerusalem gekommen, über das Geländer der griechisch orthodoxen Kirche, die du fotografiert hast. Von Abu Dis Seite schlenderten wir wie Touristen, mit dem Kind auf den Schultern und dem Fotoapparat um den Hals, über das Kirchengelände durch den Hauptausgang nach Jerusalem. Unser Glück, die Mauer trennte das Gelände der Kirche noch nicht von Abu Dis. Die Angst war an diesem Tag aber unser ständiger Begleiter.