Freitags wird im Heiligen Land demonstriert – friedlich

Heute Vormittag hatte ich ein ausführliches und sehr persönliches Gespräch mit Pater Elias, einem der Mönche hier in der Dormitioabtei,  Ich werde in meinem morgigen Blog davon und über das Leben hier im Kloster berichten.

Um die Mittagszeit machte ich mich auf, um den Jerusalemer „Frauen in Schwarz“, solidarische Unterstützung zu geben. Seit 1989 stehen sie, von 13-14 Uhr an einer der Hauptverkehrskreuzungen, ganz in der Nähe des Amtssitzes von Netanjahu, dem israelischen Premierminister, und fordern ein Ende der Besatzung. Ich hatte über diese mutigen Frauen bereits bei meinem ersten Aufenthalt in 2012 berichtet.

seit 1989 jeden Freitag, mitten in Jerusalem: Protest der "Frauen in Schwarz"
seit 1989 jeden Freitag, mitten in Jerusalem: Protest der „Frauen in Schwarz“

Die Frauen in Schwarz sind heute eine internationale Bewegung von Friedensfrauen. Die Form des öffentlichen Protestes in schwarzer Kleidung entstand 1972 in Argentinien während der Militärdiktatur, als die „Mütter von der Plaza de Mayo“ gegen das „Verschwinden“ ihrer Kinder eintraten. Bei uns in Deutschland (zum Beispiel in Köln), aber auch in Österreich und der Schweiz gibt es Gruppen dieser Frauen-Friedens-Bewegung.

Neben jüdischen Frauen und Männern aus Jerusalem fanden sich heute auch einige Freiwillige ein, die sich bei EAPPI, dem Begleitprogramm des ökumenischen Weltkirchenrates, ein viertel Jahr in Jerusalem oder an Einsatzorten im Westjordanland für einen gerechten Frieden einsetzen. Insgesamt eine Gruppe von etwa 10 Personen „bewaffnet“ mit Transparenten und schwarzen Papptafeln auf denen das Ende der Besatzung gefordert wird.

So steht Mann/Frau da, hält die Protestpappe hoch und unterhält sich mit seiner Nachbarin, heute eine Freiwillige von EAPPI, aus Brest in Frankreich kommend. Sie erzählte wie schwierig es für sie und ihren Mann (der in Hebron eingesetzt ist) war, ihren 4 Kindern und mehr als 10 Enkelkindern zu erklären, was sie denn hier in Israel&Palästina macht. Mittlerweile, dank ihrer Berichte, hat ihre Familie schon eine bessere Vorstellung von den Inhalten Ihrer Friedensaufgabe.

Nach einer Viertelstunde stellte sich, wie gewohnt, auf der anderen Seite der Straße, eine

auch immer dabei... Proteste gegen ein Menschenrecht
auch immer dabei…
Proteste gegen ein Menschenrecht

heute aus zwei Personen bestehende „Protestgruppe“ auf. Eine Frau schwenkte die israelische Fahne und ein Mann las lauthals aus einem Buch (Bibel?) vor. Immer wieder hupten auch vorbeifahrende Autos, wobei es nicht immer klar war wem das hupen galt: Zustimmung für die Protestgruppe oder für die mutigen Frauen in Schwarz. Hier und da kamen aber auch Fußgänger vorbei und schimpften auf uns ein. Unsere Reaktion: Shalom.

Neben dieser Protestaktion im Herzen von Jerusalem gibt es an vielen Orten im Westjordanland jeden Freitag friedliche Proteste. Ich hatte schon über den Freitagsprotest in Nihlin berichtet. Während der Protest der Frauen hier in Jerusalem friedlich verläuft, sieht man mal von den Reaktionen einiger weniger vorbeifahrender Autofahrer ab, gibt es bei den gewaltlos angelegten Protestaktionen im Westjordanland immer wieder –oft auch ernsthafte – Auseinandersetzungen mit dem israelischen Militär. Oft werden Tränengasgranaten geschossen, vielfach aber auch Teilnehmer der Proteste festgenommen.

zur selben Zeit an anderer Stelle in Jerusalem: Marktleben in Jerusalem
zur selben Zeit an anderer Stelle in Jerusalem: Marktleben in Jerusalem

So wie die Frauen in Jerusalem sind auch alle anderen friedlichen Protestaktionen im Lande ein mutiges Zeichen von mutigen Menschen. Sie zeigen durch Ihre dauerhaften und regelmäßigen Proteste, dass sie nicht aufgeben sich für ein Ende der Besatzung und für die Rückgabe gestohlener Grundstücke einzusetzen.

Zum gewaltfreien Widerstand sagt Saeed Amireh aus Nihlin: „Gewaltfreier Widerstand ist sehr viel mächtiger und effektiver als anderer. Er ist keineswegs schwach, sondern erfordert sogar mehr Mut… Wir konnten damit weltweite Unterstützung erlangen.“ Die israelischen Besatzer wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen.

 

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

2 Kommentare

  1. Ich habe viel Respekt vor dieser Frauen. Mutig sind Sie. Gleichzeitig vermisse ich, dass in Palästina keine ähnliche Proteste gibt. Wenn Proteste in Gewalt enden, sind diese nicht mehr friedlich. Ich wünsche mir ein schweigsamer Protest. Schweigsam dass alle Menschen es hören. Auch die, die es nicht hören oder sehen wollen. Beendet die Diskriminierung. Es ist keine Besatzung mehr. Sondern eine zum Himmel schreiende Diskriminierung
    In einem Jahr wird die Besatzung 50 Jahre alt. Es ist Zeit zum Nachdenken. Frieden muss man wollen und nicht verwalten.

  2. Bei den Protesten in Niilin protestieren hauptsächlich Palästinenser und Internationale gegen die Besatzung und treffen dabei auf israelisches Militär. Die greifen dort zu allen Mitteln. Diese Mittel kann man bei Protesten von Israelis in Jerusalem gegen die Besatzung nicht einsetzen. Der Ort und die Tatsache das man Israeli/n oder Internationale/r ist gewährt einen gewissen Schutz.
    Und das ist gut so! Meinen großen Respekt allen Frauen in Schwarz!

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