Seit fast 30 Jahren: jeden Freitag von 13 – 14 Uhr

20 Jahre, nachdem Israel im sog. Sechstagekrieg im Juni 1967 die Westbank, Gaza und Ostjerusalem besetzt hatte, brach im Dezember 1987 die erste Intifada, der erste palästinensische Aufstand, aus. Einen Monat später versammelte sich eine kleine Gruppe israelischer und palästinensischer Frauen an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt in Jerusalem, schwarz gekleidet, mit Schildern in Form schwarzer Hände mit weißer Aufschrift: „Stop the Occupation“

Seit dieser Zeit stehen die mutigen „Frauen in Schwarz“ jeden Freitag von 13.00 bis 14.00 Uhr, unweit des Sitzes des israelischen Premierministers und fordern das Ende der israelischen Besatzung: „Down with the Occupation“

Sie hatten Vorgängerinnen: Black Sash (1955) in Südafrika, die Madres de la Plaza de Mayo (1977) in Argentinien, und sie hatten und haben Nachahmerinnen in mittlerweile ca. 30 Ländern. In Deutschland gibt es Mahnwachen der „Frauen in Schwarz“ in ca.12 Städten. Women in Black sind inzwischen ein weltweites Netzwerk von Frauen, die sich dem Frieden, der Gerechtigkeit und der Gewaltlosigkeit verpflichtet haben und die neben dem ursprünglichen palästinensischen Anliegen jeweils auch ihre eigenen thematischen Akzente setzen. Women in Black sind keine Organisation, sondern eine Bewegung, deren Gemeinsamkeit in der besonderen Form der Mahnwache besteht, wie sie die Frauen in Jerusalem entworfen haben und bis heute praktizieren, denn die Besatzung dauert an.

So bin ich heute selbstverständlich zu diesem Ort der gewaltfreien Demonstration gegangen. Kurz vor 13 Uhr kam eine große Gruppe Touristen und erkundigten sich bei zwei dort anwesenden Frauen, ob denn heute die Mahnwache stattfinden würde. Diese bejahten die Frage, und tatsächlich kam bald eine ältere Frau mit einer größeren Einkaufstasche in der sich die schwarzen Protesthände und Transparente befanden. Schnell wurden sie an die Gruppe verteilt und schon stand eine Gruppe von etwa 50 Personen rund um den Brunnen. Mittlerweile war auch ein Polizeiwagen vorgefahren der augenscheinlich den Protest beobachtete.

Wiederum dauerte es nicht lange, bis auf der anderen Straßenseite sich eine einzelne Frau mit Israelfahne und einem kleinen Plakat als „Gegendemonstration postierte. Ich war nun schon mehrfach zu dieser Protestaktion zugegen und kenne den Ablauf ein wenig. Immer wieder gibt es aus den vorbeifahrenden Autos Protest in Form von Hupen oder auch lautstarken Rufen, die ich, da meist in hebräisch, nicht verstehe. Auch vorbeigehende äu0ern sich manchmal kritisch. Aber es sind im Verhältnis aller Fahrzeuge/Fußgänger nur sehr wenige die eine Reaktion zeigen.

Aber ich finde doch, dass diese Demonstration Aufsehen erzeugt auch bei den vielen Touristen die mit ihren Bussen vorbeifahren.

Sich ist aber auch, dass sich diese Demonstration, bezüglich der Teilnehmer/innen, in den fast 30 Jahren verändert hat. Viele der Frauen, die vor langer Zeit mit dem Protest begonnen haben leben nicht mehr, nur wenige Junge sind nachgerückt. Dafür sind es aber immer mehr Touristen/Pilgergruppen aus aller Welt die von dieser Protestaktion gehört oder gelesen haben (so steht der Hinweis auf diese Aktion auch im Know How Reiseführer Palästina), die die weniger gewordenen einheimischen Frauen (und auch Männer) unterstützen.

Trotzdem würde man sich ja wünschen, dass eines Tages sich die Protestaktion erübrigt…weil die Besatzung beendet ist.

Über Marius S. 370 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

1 Kommentar

  1. Hallo Marius! Ich habe leider zu lange deine Adresse gesucht. Jetzt ist alles gut und es ist schon schade, wie sehr dieses Land unter Druck und Angst steht. Wünsche dir und deiner Gruppe einen weiter guten Verlauf.LG gabi

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