Nach langer Zeit eine Annäherung

Nach einer doch alles in allem erholsamen Nacht, einem einfachen Frühstück, alleine im Speiseraum habe ich mich erst mal etwas orientiert. ich bin ja zum ersten Mal in dieser Unterkunft, gestern Abend war es schon dunkel, so konnte ich heute Morgen erst die schöne Lage dieses kleinen Klosters bewundern. Vom Ausgang hat man einen sehr schönen Blick über das Kiedron-Tal auf die Altstadt mit dem immer wieder faszinierenden Blick auf die Golden Kuppel des Felsendomes.

der schöne Blick auf die Altstadtmauer und die goldene Kuppel des Felsendomes

Auch habe ich mich heute morgen bei Wikipedia erkundigt, was es denn so mit den Bridgestones-Schwestern so auf sich hat. Sie stammen ursprünglich aus Schweden. Aber liest doch selbst

So gegen 11 Uhr habe ich mich dann zu Fuß aufgemacht. Ich wollte mich heute, ohne einen großen konkreten Plan, nach der langen Zeit der Coronabedingten „Abstinenz“ Jerusalem, hier vor allem der Altstadt, wieder nähern. Wollte die lange vermissten Gerüche, den Geschmack, die Geräusche, das Licht, mit all meinen Sinnen wieder in mich aufnehmen.

So habe ich die mir so bekannten Gassen der Altstadt durchstreift. Es war sicherlich (noch) nicht so ein Andrang an Besucher:innen wie vor der Corona-zeit. Vor allem die vielen Pilger-Gruppen fehlen doch noch. Aber die Frauen aus der Region, die ihre frische grüne Ware anbieten, saßen wieder an ihren angestammten Plätzen. Der Falafel-Stand meines Vertrauens bot mir wieder das köstliche Sandwich mit Tomate, Gurke, Pommes und eben diese wunderbare Falafel, von der ich vor 10 Jahren, als ich sie das erste Mal probiert hatte, noch felsenfest überzeugt war, das es sich um eine sehr leckere Frikadelle handelt würde. Ja ja so war das damals….

Im Frühstücksraum hatte ich eine Info gelesen, aus der hervorging, das es zum Nachmittag einen Kreuzweg auf der Via Dolorosa geben sollte, beim dem an den Krieg in der Ukraine erinnert und um Frieden gebetet werden sollte. Ich weiß nicht wie oft jede Woche es Gruppen gibt, die mit einem Holzkreuz „gewappnet“ die 14 Stationen auf der berühmten Straße in der Altstadt betend abschreiten.
Ich habe mich bisher noch nicht an einem solchen Gang beteiligt, hatte aber heute das Bedürfnis, sicherlich auch vor dem Hintergrund das es um den Krieg in der Ukraine geht, mich an diesem Pilgerweg zum beteiligen. Es haben etwa 150 Personen an diesem Kreuzweg teilgenommen, überwiegend Frauen, viel Schwestern, auch meine Gastgeberinnen waren beteiligt. An jeder Station wurde angehalten und auf arabisch und englisch erklärt, was diese Station uns für unser hier und jetzt zu sagen hat. Leider habe ich nicht alles verstanden, aber ich konnte mich gut auf diesen Gang durch die Altstadt einlassen, konnte für den Frieden beten. Zwischen den Stationen wurde mit schönen arabischen Weisen gesungen, die Melodie ging mir unter die Haut.

Nach etwas mehr als einer Stunde de haben wir die Grabeskirche erreicht. Es war für mich eine besondere Erfahrung. Mit einer Gruppe überwiegend arabischer Christen gemeinsam für eine Ende des Krieges für den Frieden zu beten.

Vielleicht interessiert es euch in der Heimat, die ja gerade wieder auch sehr unter hohen Inzidenzzahlen „leidet“, wie hier mit dem Corona-Virus umgegangen wird. Die Inzidenszahlen sind hier deutlich niedriger, heute bei etwa bei 650 im sieben Tage Schnitt. Sehr selten sieht man Menschen die eine Maske tragen, hier und da wird an einem Geschäft darum gebeten eine Maske anzuziehen, wenn man hineinkommt.

Alles in allem ein interessanter Tag für mich. Ich habe das Gefühl wieder „angekommen“ zu sein.
Ach ja. das Wetter. Es war heute ganz schön, hier und da hat die Sonne geschienen, dann war es auch ganz angenehm warm. Insgesamt aber ist es hier derzeit kälter als in Deutschland. Ja so ist es…..

Immer wieder schön: die Abendsonne auf der Altstadt-Mauer
Über Marius S. 384 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

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