auch heute habe ich es, wie schon in den beiden ersten Tagen, eher gemächlich angehen lassen. Zum einen ist ja hier auch Sonntag :-), was ja bedeutet, dass die Christen, und davon gibt es hier in Jerusalem ja doch einige, eben das tun, was zu mindestens auch in Deutschland einige machen…in die Kirche gehen. Mich „trieb“ es natürlich zu den Mönchen, auf den Zion, wo es um 10 Uhr einen Gottesdienst mit Erzbischof Bentz (aus Paderborn) gab. Bischof Bentz habe ich vor einem Jahr mit der Nahost-Kommission von pax christi getroffen. Er war damals noch der Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Naher und mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz. https://www.dbk.de/themen/weltkirche/heiliges-land/stellungnahmen-aus-deutschland
Was so ein richtiger Sonntagsgottesdienst bei den Mönchen ist und wenn dann noch ein Bischof dabei ist, der dauert dann schon mal mehr als eine Stunde 🙂

Blick auf den Turm der Dormitio-Abtei
Anschließend (also gegen 11:30) traf man sich dann im ebenfalls vor einigen Jahren renovierten Cafe, den Cappuccino musste man aber dann schnell trinken, weil um 12 Uhr das Mittagsgebet der Mönche anstand:
Pater Jonas,“ich mache jetzt das Licht aus“ 🙂
Anschließend habe ich mich dann in das jüdische Viertel der Altstadt begeben und bei einer leckeren Zimt-Schnecke und einem weiteren Cappuccino mir das wirklich „massenhafte“ Treiben, was dort um die Mittagszeit herrschte, angeschaut. Die meisten, der überwiegend jüdischen Vorbeieilenden, wollen zur nahe gelegenen Westmauer, bei uns auch als „Klagemauer“ bekannt, dem jüdischen Heiligtum schlechthin. Touristengruppen aus Israel aber auch aus Amerika, aber auch viele Soldatengruppen, überwiegen junge Menschen mit umhängendem Maschinengewehr. Ich hatte ja schon bei meiner Ankunft diese, ich will es mal nennen „Begegnungen der besonderen Art“, die vor dem Hintergrund meines Wissens, was im Gazastreifen, aber auch im Libanon durch das israelische Militär verursacht wurde, kommentiert. Es lässt einen – naturgemäß – eine solche Begegnung nicht „kalt“.
Ich habe mich, ob solcher Begegnungen, daher dann auch schon bald aufgemacht und bin weiter in das muslimische Viertel der Altstadt gezogen, wo natürlich hier und da auch Juden auf dem Weg zur Westmauer, oder von da zurück, zu sehen sind, aber eben nicht Gruppen mit israelischen Soldaten.

immer wieder ein schöner Anblick: Gewürzläden in der Altstadt…
Damit ihr eine Vorstellung bekommt, wie ich mich hier überwiegend bewege, da ich ja (natürlich) kein Fahrzeug angemietet habe: in der Altstadt (natürlich) zu Fuß…aber um beispielsweise zu meiner Schlafstelle bei den Schwestern zu kommen, fahre ich mit dem palästinensischen Bus. Es gibt hier eine Busfahrkarte, die sowohl in den israelischen Bussen (und auch der Straßenbahn) Geltung hat, wie in den palästinensischen Bussen. Eine Fahrt kostet 8 Shekel, etwas mehr als 2 €. Wenn die Karte „leer“ ist, kann man, gegen Bezahlung versteht sich, sie überall wieder „auffüllen“
Am Nachmittag bin ich dann, ebenfalls mit dem Bus, durch Silwan gefahren, dem palästinensischen Stadtteil, der seit Jahren durch den Ankauf von palästinensischen Häusern, von jüdischen Bewohnern „unterwandert“ wird. Ich habe dazu in diesem Blog schon öfters geschrieben. Wenn ihr auf der rechten Seite das Stichwort Silwan anklickt, könnt ihr diese Beiträge lesen. Immer mehr Häuser, mitten in einer palästinensischen Nachbarschaft, sind von israelischen Juden bewohnt, natürlich hat man provozierend, die israelische Flagge am Haus hängen…und auch rundherum mit Kameras „beschützt“.

Blick auf Silwan
Morgen nun begebe ich mit „auf die andere Seite“, ins Westjordanland. Ich will Fatima besuchen. Ihr dürft, wie ich auch, gespannt sein, was ich dort erleben werde.
Tageszitat (18. Oktober) aus „Recht ströme wie Wasser“
Wenn wir hier in Israel an der Grenze das Chanukka Fest feiern, entzünden wir den Leuchter oben auf dem Hügel, damit die Menschen in Gaza ihn sehen können und wissen, dass wir an Sie denken. Wir senden ihnen Briefe mit Grüßen und Botschaften. Manchmal veranstalten wir Symposien und freuen uns dann, wenn Gaza-Bewohner eine Erlaubnis von der israelischen Seite dafür bekommen, daran teilzunehmen. Wir sprechen über unsere Sorgen und Ängste, unsere Kinder und alles, was uns bewegt. Über Politikreden wir nicht soviel, wir begegnen uns vor allem auf menschlicher Ebene. (Kommentar von mir: geschrieben vor langer Zeit…)
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