Talitha Kumi: „Mädchen, steh auf“ (Mk.5.41)

Mittlerweile bin ich nun schon 10 Nächte im Gästehaus von Talitha Kumi und habe mich dort in einem schönen Gebäude sehr wohl gefühlt. Hier und da hatte ich Kontakte zu Gruppen und Einzelpersonen die ebenfalls zu Besuch in Israel&Palästina sind. Das Gästehaus liegt auf dem Grundstück in dem sich auch der große Gebäudekomplex der gleichnamigen Schule Talitha Kumi befindet.           www.talithakumi.org/index.php

Schule und Gästehaus liegen oberhalb von Beit Jala, etwa 5 km von Bethlehem entfernt, in einem weitläufigen Park. Das Gästehaus liegt noch im C-Gebiet, (siehe hierzu auch meinen Beitrag Zonengebiete), bietet daher die Möglichkeit das sich auf dem Gelände Gruppen/Einzelpersonen aus Israel (Juden) und Palästina treffen können. Das Gästehaus ist sehr modern eingerichtet und vor einem halben Jahr, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten, wieder eröffnet worden. Vor dem Haus hält der Bus 21 der Bethelem/Beit Jala mit Jerusalem verbindet

zum Schulbeginn die palästinensische Nationalhymne
zum Schulbeginn die palästinensische Nationalhymne

Da das Gästehaus mitten im Schulgelände liegt bekommt man zwangsläufig auch viel von dem Schulleben mit. Morgens zwischen 7.15 und 7.45 kommen die über 1000 Kinder, vielfach von ihren Eltern mit dem PKW gebracht, was auf und vor dem Schulgelände regelmäßig zu einem mittleren Verkehrschaos führt. Mittwochmorgens versammeln sich dann die Schüler/innen der älteren Jahrgänge auf dem Schulhof um gemeinsam die palästinensische Nationalhymne zu singen. Hier ist dann auf die „Kleiderordnung“ zu achten. Dazu gehört unter anderem: die Schuluniform, die Haare der Mädchen dürfen nicht offen sein, die Haare der Jungen dürfen nur ganz wenig Gel enthalten…….

In den letzten Wochen gab es in der Schule größere Unruhen. Hintergrund war, dass man dem stellvertretenden Direktor, einem Palästinenser, gekündigt hatte. Die meisten palästinensischen Lehrer solidarisierten sich mit dem Entlassenen, es gab mehrere Tage wo der Unterricht wegen des Streiks der Lehrer ausfallen musste. Einmal „platzte“ ich am Eingangstor des Schulgeländes mitten in en Beginn eines „Demonstrationszuges“ der Schüler/innen. Im Moment scheint sich die „Lage“ beruhigt zu haben. Weitere Informationen zu diesem Konflikt, unter anderem auch eine Stellungnahme des Direktors an die Eltern, kann man der Homepage der Schule (unter Aktuell) entnehmen.

Im Übrigen haben hat auch Fatima mit ihren Schwestern diese Schule besucht, damals noch eine „reine“

schönes Schulgelände
schönes Schulgelände

Mädchenschule. Der Schulbesuch hier bei den Kaiserswerther Diakonissen hat sie sicherlich für ihr weiteres Leben in besonderem Maße geprägt. Sie waren hier im Internat untergebracht und durften nur alle vier Wochen für einen Tag in das etwa 15 km entfernte Heimatdorf zu ihrer Familie kommen. Hier in Talitha Kumi hat sie auch die bekannte palästinensische Friedensaktivistin Sumaya FarhatNaser (de.wikipedia.org/wiki/Sumaya_Farhat-Naser) kennen gelernt, mit der sie seit dem gut befreundet ist.

 

 

 

 

Gastbeitrag von Karim Sawalha

Talitha kumi ( Mädchen steh auf)   die Friedensschule in Palästina

Die Friedensschule in Palästina, ein Begegnungsort für den Frieden.
Diesen Titel hat die Schule nicht umsonst. Kinder mit unterschiedlichsten Religionen treffen sich, gehen miteinander zur Schule und spielen gemeinsam.
Die Friedensschule liegt zwischen den Fronten.
Dem sogenanntem ,,A“ Gebiet und ,,C“ Gebiet. Das sind die Zonen in die das Westjordanland eingeteilt ist. Die A Zone ist für die Palästinenser und die Zone C steht unter israelischer Kontrolle. Den Kindern merkt man nicht an, das es eine stressige Situation ist, alle haben ihren ganz normalen Tagesablauf.
Die Morgenandacht mit den christlichen sowie auch muslimischen Kindern zeigt auch nochmal wie verbunden doch beide sind.
P1000944In der Schule kann man die DIAP (Deutsche Internationale Abiturprüfung) und das einheimische Abitur Taujihr (توجيةر) machen. Der Unterricht im DIAP Zweig wird in drei Sprachen erteilt, in Deutsch, Arabisch und Englisch .
Ich gehe für ein halbes Jahr in Talitha zur Schule und man gewöhnt sich hier sehr schnell ein.
Die Kinder sind sehr offen und man wird sofort in die Gemeinschaft aufgenommen.
Mir gefällt die Schule sehr gut, und ich würde mir wünschen das mehr deutsche Schüler hierher kommen könnten, um das zu erleben, was ich erlebe. Die Schule hat auch ein erstklassiges Gästehaus, das ich sehr empfehlen kann.

Karim Sawalha

Über Marius S. 355 Artikel
Seit dem Frühjahr 2012 habe ich die Möglichkeit, mir durch längere Aufenthalte im Westjordanland/Palästina, ein eigenes Bild von der aktuellen Situation im israelisch/palästinensischen Konflikt zu machen. Ich habe in dieser Zeit unter anderem aktiv im international bekannten Friedensprojekt "Tent of Nations" in der Nähe von Bethlehem (2012) und in einem Heim für alte und behinderte Frauen in der Nähe von Ramallah (2013) gearbeitet. Darüber hinaus habe ich seit dem verschiedene Gruppen bei Begegnungsreisen in Israel, Palästina und im Herbst 2015 auch in Jordanien begleitet. In vielen Kontakten mit palästinensischen und israelischen Menschen hatte ich die Möglichkeit, deren Gefühle und Einschätzungen zum Leben und zum Konflikt zu erfahren. Durch diese Erlebnisse und Erfahrungen vor Ort bin ich motiviert worden, mich auch hier in Deutschland für eine Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinenser einzusetzen. Vor diesem Hintergrund habe ich Kontakt mit der Nahost-Kommission von pax christi aufgenommen und bin seit 2013 dort Mitglied.

1 Kommentar

  1. Eine wunderbare Schule und Begegnungszentrum ! Eine Oase des Friedens in einer Zeit, wo Frieden nah erscheint und doch weit entfernt wie eine Fata morganaسراب ! Talitha hat Zukunft und die Kraft zum Auferstehen.

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  1. Mit Marius unterwegs » die mit den Fingern essen

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